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Einsatz für die Natur: Das Innovationsquartier bleibt Thema.

Nordend

"Man muss in einer Stadt auch Musik machen können"

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Ortsvorsteherin Karin Guder setzt sich für soziales Leben im Nordend ein. Sie sieht immer mehr Anwohner, die persönliche Interessen vor die der Allgemeinheit stellen.

Frau Guder, seit Kurzem ist klar, wie das Innovationsquartier aussehen soll. Sind Sie zufrieden mit dem Entwurf?
Ich bin froh, dass es dieser geworden ist. Er passt in das Gelände und hat wesentliche Kriterien aufgenommen, die Klimaschützern, der BI und dem Ortsbeirat wichtig waren, nämlich zusammenhängende Grünflächen und Kaltluftentstehungsgebiete zu erhalten. Ich wünsche mir, dass die Architektur von unterschiedlichen Büros entworfen wird und keine einfallslosen Blöcke wie in anderen Stadtteilen entstehen. Kritisch sehe ich das Hochhaus. Man muss prüfen, ob das sozialverträglich und aus ökologischer Sicht sinnvoll ist.

Die Stadt hat ein neues Verfahren der Bürgerbeteiligung ausprobiert. Hat sich das bewährt?
Es ist weit über die vorgeschriebene Bürgerbeteiligung hinausgegangen, und ich fand das vorbildlich für Baugebiete in gewachsenen Stadtteilen. Die Leute wurden gehört, die Architekturbüros haben das aufgenommen. Ich wünsche mir, dass das bei der Planung der Gartenwildnis so weitergeht.

Muss der Ortsbeirat sich verstärkt dafür einsetzen, dass im Gegenzug auch tatsächlich die Einhausung der A661 kommt?
Ich erwarte vom Magistrat eine Zusage. Das muss mit rein in den Bebauungsplan. Unsere Aufgabe wird es generell sein, die Grünflächen zu schützen; die Klimaerwärmung ist nicht zu leugnen.

Der Holzhausenpark wird saniert, er soll wieder Familienpark werden. Sind Kinder bei der Gestaltung einbezogen?
Das Kinderbüro ist mit Schulen und Kitas in der Planung, das bekommen wir diesen Monat vorgestellt. Für mich hat das auch Modellprojektcharakter. Es gab Widerstand gegen die Absperrung des Parks. Nun wurden kreative Lösungen gefunden, dass die Kinder aus der Nachbarschaft in der Zeit des Umbaus beschäftigt und eingebunden sind. Sie sollen den Park auch als ihren Park betrachten.

Im Günthersburgpark war es im Sommer etwas trauriger: Stoffel musste sein Programm verkürzen. Was bedeutet das für das Nordend?
Wir sind ein Stadtteil, der von einer sozialen Mischung und dem sozialen Leben lebt. Es gibt Leute, die empfinden Veranstaltungen im öffentlichen Raum als persönliche Störung. Man muss auch mal deutlichmachen, dass es Allgemeininteressen gibt, die in einer Stadt dazugehören. Ich fand die Einschränkungen unverhältnismäßig. Man muss vor 22 Uhr in einer Stadt Musik machen können. Das ist eine Art von Lebensausdruck.

Was kann der Ortsbeirat tun?
Ich wünsche mir, dass der Ortsbeirat sich dafür einsetzt, dass Stoffel wieder im gewohnten Umfang zurückkommt. Wegen dieser Egoismen, die glauben, durch eine Wohnung das Recht zu haben, dass das Umfeld sich nach ihnen richtet, finde ich auch, dass man den Abenteuerspielplatz in den B-Plan zum Innovationsquartier einzeichnen sollte – damit sich nachher keiner über Lagerfeuer beschwert oder weil Kinder hämmern.

Auch an der Berger Straße gab es Konflikte: Die Außengastronomie wurde eingeschränkt. Was erwartet uns im Frühjahr?
Wir hatten zwei runde Tische, vor Ostern soll es wieder einen geben. Ich bin froh, dass ein Einverständnis besteht, dass die Außengastronomie zur Berger Straße gehört und einen Teil des öffentlichen Raums haben darf. Anwohner und Leute kommen auch deshalb hierher. Die Gastronomen, mit denen wir gesprochen haben, sehen ein, dass sie Abstände halten müssen zu Ecken.

Am Merianplatz wünscht sich der Ortsbeirat ein Stadtteilbüro. Wann ist damit zu rechnen?
Die Umbauarbeiten des Merianbads fangen zum Jahresbeginn an. Auch wenn viele sich ein größeres Büro gewünscht haben, sehe ich es als Pilotprojekt. Wenn es den Bedarf gibt, wird man das sehen können. Es wird keine riesigen Versammlungen geben, aber für Gruppen bis zu 30 Menschen ist Platz.

Einen solchen Ort der Begegnung wünscht sich der Ortsbeirat auch im Glauburgbunker. Wie ist dort der Stand?
Es gibt keinen neuen Stand. Wir wollen eine kulturelle Nutzung, ob in einem Neubau oder im jetzigen Bunker. Wenn dort Wohnungen entstehen sollen, müsste der Bunker abgerissen werden. Davor haben viele Bürger Angst. Das Museum hat einen Anfang für eine kulturelle Nutzung gemacht. In Sachsenhausen finde ich die Lösung auf der Fläche des einstigen Bunkers gut gelungen. Mit Spielplatz, Wohnungen und Grünfläche.

Mieter in der Mercatorstraße fürchten Verdrängung, in der Keplerstraße ist kürzlich der letzte Mieter ausgezogen. Hat man sich an das Thema Gentrifizierung im Nordend gewöhnt?
Ich möchte mich nicht daran gewöhnen. Wir brauchen eine gesetzliche Grundlage dafür, dass Eigentum verpflichtet. Dass es Konsequenzen gibt, wenn man seinen Grund und Boden nicht nutzt oder zur Verfügung stellt und die Objekte in den Besitz der Stadt übergehen. Es ist nicht zu akzeptieren, dass Leute ihre Gründerzeithäuser aus Spekulationsgründen haben, da muss der Staat den Missbrauch von Eigentum regulieren. Diese Anlageobjekte haben Folgen für den öffentlichen Raum, mit dichterer Bebauung, Überbauung von Grünflächen, längeren Verkehrswegen. Man muss schon fragen, was wir mit Leuten machen, die ihre Gebäude leerstehen lassen.

Was haben Sie für dieses Jahr auf der Agenda?
Auf dem Anlagenring muss endlich eine Fahrradspur eingerichtet, also eine Autospur für Fahrradfahrer freigegeben werden. Insgesamt wird das zu einer Reduzierung der Geschwindigkeit führen, was auch zu mehr Sicherheit führt. Und wir werden uns des Anwohnerparkens annehmen, etwa oben an der Frankfurt School of Finance.

Viele Anträge werden von Monat zu Monat geschoben. Sollte der Ortsbeirat Prozesse nicht beschleunigen statt bremsen?
Auf jeden Fall. Manche Anträge werden immer wieder zurückgestellt, so ist mein Eindruck, weil man es nicht ausdiskutieren will. Gerade im Verkehrsbereich finde ich das äußerst unbefriedigend.

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