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Annette Wagner-Netthorn ist Künstlerin und Kreativ-Lehrerin.

Unterliederbach

Malen für die Seele

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Die frühere Innenarchitektin Annette Wagner-Netthorn hat sich mit einem Atelier selbständig gemacht. Unter anderem bietet sie Kreativkurse an.

Zufällig kommt man am Atelier „Die Klare Linie“ an der Wasgaustraße nicht vorbei. Durch einen Torbogen aus Backsteinen geht es zunächst in den Innenhof mehrerer Wohnhäuser. Die graue Eingangstür des Ateliers liegt am anderen Ende. An Blumenbeeten vorbei führt ein schmaler Weg um das Haus herum. Dort steht Annette Wagner-Netthorn und empfängt ihren Besuch. „Ja, mein Atelier liegt wirklich etwas versteckt“, sagt sie.

Im Inneren stehen Tische für ihre Kunstkurse in einem Kreis zusammen. Der Raum ist hell und offen. Überall hängen Bilder, sind auf Staffeleien gestellt oder lehnen an der Wand. Bunte Blumenmotive aus Aquarelle oder schwarz-weiß Zeichnungen von Bauwerken sind auf den Leinwänden zu sehen. „Die sind alle von mir“, sagt Wagner-Netthorn.

Mit den unterschiedlichen Techniken und Motiven ihrer Bilder möchte sie ihren Schülern zeigen, was in der Kunst alles möglich ist. Seit zehn Jahren hat sie ihr Atelier im Hinterhof der Wasgaustraße 34. Sie ist in Unterliederbach aufgewachsen. Neben der Arbeit an ihren eigenen Bildern, bietet Wagner-Netthorn hier Kunstkurse an und veranstaltet Kunstmärkte.

Die 57-jährige ist studierte Diplom-Ingenieurin und war früher als Innenarchitektin tätig. Nach der Geburt ihrer zwei Kinder arbeitetet sie als VHS-Kunstlehrerin und Vertretungskraft am Leibniz-Gymnasium. Für ihren Frühlings- und Herbstmarkt im Atelier bringt sie Kunsthandwerker aus der Umgebung zusammen. Seit 2010 organisiert sie den Kunstmarkt auf dem Altstadtfest in Höchst. Hier verkauft sie auch eigene Bilder, zum Beispiel Zeichnungen des Höchster Schlosses.

Die Begeisterung für die Malerei war nicht immer groß. „In der Grundschule mochte ich den Kunstunterricht nicht“, sagt Wagner-Netthorn. In der zweiten Klasse habe ihre Mutter sogar einmal etwas für sie malen müssen. „Das war ganz eindeutig kein Bild von einer Grundschülerin“, sagt sie und lacht. Trotzdem gab es damals nur eine Zwei auf das Bild, erinnert sie sich.

Im Laufe der Jahre wurde das Interesse größer. Aus den schlechten Erfahrungen von damals hat sie viel gelernt. „Der Lehrer hat wirklich einen großen Einfluss, wenn es um die Kunst geht“, sagt sie. Viele Lehrer seien kritisch, die meisten würden nur wenig erklären und manche würden sogar in die Bilder ihrer Schüler reinkritzeln. „In meinen Stunden sollen sich die Menschen wohlfühlen – eine Art Yoga für die Seele – dann lernen sie auch etwas“, sagt die Künstlerin. Mit ein bisschen guter Musik, motivierenden Worten und guten Ratschlägen sorgt sie dabei für die richtige Atmosphäre.

Damit ihre Schüler die Kurse an ihren Alltag anpassen können, gibt es Zehnerkarten. Dadurch kann man einen Kurs auch mal ausfallen lassen. Die ehemalige Innenarchitektin bietet zu ihren Kreativkursen auch Beratungskurse zum Thema „Wohnen“ an. Hier erklärt sie unter anderem, wie man sich im Alter am besten barrierefrei einrichten kann.

Die Entscheidung, mit einem Atelier sesshaft zu werden, hat die Unterliedrbacherin spontan getroffen. „Die Räume wurden frei und da wusste ich: jetzt oder nie!“, sagt sie. Das Hinterhaus in der Wasgaustraße 34 gehört, wie der Rest des Grundstücks, der Familie von Annette Wahner-Netthorn. Mehrere Generationen wohnen hier zusammen.

Ihren ersten Kurs besuchte damals nur ein einziger Schüler. „Ich dachte, bevor er warten muss, bis eine Gruppe zusammenkommt, fangen wir einfach an“, sagt sie. Mittlerweile betreut sie mehrere Mal- und Zeichenkurse. Vor allem Senioren besuchen den Unterricht. Einmal im Jahr veranstaltet sie mit ihren Schülern eine Ausstellung.

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