Beim TuS Makkabi Frankfurt spielen jüdische und nicht-jüdische Fußballer.

Makkabi

Fußballer von jüdischem Verein beklagen Antisemitismus

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Eine Konferenz der Bildungsstätte Anne Frank zeigt auf, wie ausgeprägt der Antisemitismus im Fußball ist.

Fast könnte man über die Geschichte schmunzeln, wäre der Hintergrund nicht so ernst. Bei einem Spiel des jüdischen Fußballvereins Makkabi Frankfurt gegen einen Verein, in dem vorwiegend Spieler arabischer Herkunft kicken, geraten zwei Akteure aneinander. Der Makkabi-Spieler wird antisemitisch beleidigt, dann eskaliert die Situation vollends, andere Spieler und Zuschauer mischen sich ein, es kommt zu Tätlichkeiten, jemand zieht ein Messer. Im Krankenwagen, den sich beide Spieler merkwürdigerweise teilen, spricht der Makkabi-Fußballer seinen Kontrahenten an – auf Persisch. Der ist bass erstaunt:

„Du sprichst Persisch?“

„Ja.“

„Bist du einer von uns?“

„Was meinst du damit?“

„Bist du Moslem?“

„Ja.“

„Du Idiot, wenn du mir das gesagt hättest, hätte ich dich natürlich nicht angegriffen.“

So zumindest schildert Alon Meyer den Dialog zwischen den beiden jungen Fußballern. Meyer ist Vorsitzender des TuS Makkabi Frankfurt und Präsident von Makkabi Deutschland, einer 1965 neu gegründeten Sportorganisation mit 38 Ortsvereinen. Er sagt: „Längst nicht alle antisemitischen Vorfälle, die wir erleben, finden sich in der Presse wieder.“

Makkabi setzt auf Prävention

Meyer war einer der wichtigsten Protagonisten bei einer sehr gut besuchten Konferenz über Antisemitismus im Sport, zu der die Begegnungsstätte Anne Frank für Donnerstag eingeladen hatte. Mehrfach erzählte er von Erlebnissen rund um den Fußballplatz, die einen schaudern ließen. Zwar seien beim Fußball Emotionen im Spiel, und auf dem Platz komme es nun einmal schnell zu Beleidigungen. Wenn aber seine Spieler (die übrigens längst nicht alle jüdischen Glaubens sind) mit Sprüchen angegangen werden wie „Dich hat man doch nur vergessen zu vergasen“ oder „Wenn Hitler noch da wäre, würdest du hier nicht Fußball spielen“, dann, sagte Meyer, „dann ist ganz klar eine Grenze überschritten, so etwas geht einfach nicht“.

Makkabi werde Beleidigungen dieser Art weiterhin konsequent anzeigen, sagte Meyer. In der Regel verhänge dann der Rechtsausschuss des Hessischen Fußball-Verbandes Sperren gegen die Täter. Damit sei dem Verein aber wenig geholfen, so der Vorsitzende. Oft verstärkten Sanktionen nur den Hass auf Juden. Meron Mendel, Leiter der Bildungsstätte Anne Frank, berichtete etwa von einem Fall, in dem Jugendliche zur Mitarbeit in seiner Einrichtung verurteilt wurden. Das habe die Täter in ihrem kruden Weltbild nur bestärkt – nach dem Motto: „Seht her, die Juden haben dafür gesorgt, dass wir bestraft wurden, es gibt die jüdische Großherrschaft also doch.“

Sinnvoller sei ohnehin, präventiv vorzugehen, sagte Meyer. Vor sogenannten Risikospielen, wenn also Vereine mit überwiegend arabischstämmigen Spielern gegen Makkabi antreten müssen, besuchten die Makkabi-Kicker ihre Kontrahenten oft überraschend beim Training. Die Gegner sollten sehen, dass auch die Makkabi-Akteure ganz normale Fußballer seien. Seit der Verein vor einigen Jahren mit diesen Besuchen angefangen habe, sei die Zahl der antisemitischen Beleidigungen und Übergriffe auf und neben dem Platz zunächst zurückgegangen.

Seit zwei Jahren gebe es wieder mehr Vorfälle. Zeitliche Überschneidungen mit der Ankunft der vielen Flüchtlinge seien unverkennbar, „das muss man auch sagen können“, so Meyer. Und die Täter seien fast ausschließlich arabischer Herkunft, aber damit wolle er Geflüchtete nicht diskreditieren, betonte er mehrfach. Die antisemitischen Beleidigungen kämen von „Islamisten, Fundamentalisten und Idioten“.

Cohn-Bendit fordert Strafen

Mit Antisemitismus im Sport hat auch Daniel Cohn-Bendit Erfahrungen gemacht. Vor einigen Jahren etwa seien auf dem Platz im Frankfurter Ostpark, auf dem der FC Gudesding trainiert, Hakenkreuz-Schmierereien aufgetaucht. Offenbar glaubten viele Antisemiten, beim FC Gudesding handele sich um einen jüdischen Verein, „nur weil ich dort Ehrenpräsident bin und mein Sohn Bela Präsident ist“.

Vor allem von den Vereinen wünscht sich Cohn-Bendit ein härteres Durchgreifen gegen Antisemiten. Es könne nicht dabei bleiben, dass die Täter für einige Zeit gesperrt würden und dann wieder Fußball spielen dürften. Die Klubs müssten solche Leute einfach ausschließen.

Mehr Entschlossenheit forderte Cohn-Bendit auch auf sportpolitischer Ebene. Er hoffe sehr, dass sich Israel für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 qualifiziert. Die findet nämlich in Katar statt, wo Israelis nicht willkommen sind. Sportler, die sich weigerten, gegen Israelis anzutreten, müssten für Wettkämpfe aller Art gesperrt werden, sagte der Politiker. Und die Journalistin Esther Schapira, die große Teile der Konferenz moderierte, brachte es auf den Punkt: „Israelfeindlichkeit muss behandelt werden wie Doping.“

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