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Vincent van Gogh, „Porträt des Armand Roulin“, 1903 erworben für das Museum Folkwang.

Ausstellung

„Making van Gogh“ – Wie der Maler berühmt wurde 

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Führungen im Städelmuseum erklären, wie deutsche Museen und Galerien Vincent van Gogh zur Geltung verhalfen.

Frankfurt – Das erste Bild, das ein deutsches Museum von Vincent van Gogh erwarb, war das „Porträt des Armand Roulin“. Karl Ernst Osthaus kaufte es 1903 für das Museum Folkwang, gegründet in Hagen. Van Gogh erlebte das nicht mehr. Er starb am 29. Juli 1890 durch Suizid. Die Leihgabe aus Essen hängt nun als eines von 120 Kunstwerken in der Ausstellung „Making van Gogh. Geschichte einer deutschen Liebe“ bis 16. Februar im Städel-Museum.

Die Blockbuster-Ausstellung zeigt, wie deutsche Museen, Galerien, Kritiker dem zu Lebzeiten eher unbekannten Künstler zu internationaler Geltung verhalfen. Van Gogh beeinflusste unter anderem die expressionistischen „Brücke“-Maler um Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmitt-Rottluff. Er wurde zum „Vater der Moderne“ stilisiert. Felix Krämer, der heutige Direktor des Kunstpalasts Düsseldorf, und Städel-Kurator Alexander Eiling betreuen die Ausstellung.

„Making van Gogh“: Erfolgreichste Schau des Städel-Museums? 

Es könnte die erfolgreichste Schau des Städel-Museums werden, ein größerer Publikumserfolg als die Monet-Ausstellung 2015 (rund 432 00 Besucher) und die Botticelli-Schau 2009 (rund 367 000 Besucher). Führungen leiten mehrmals täglich durch die unterirdischen Gartenhallen. Am Dienstag stellte der Kunstvermittler Robert Mondani bei seiner Tour Biografie, Maltechnik und Wirkungsgeschichte van Goghs vor. Als 27-Jähriger hatte der Autodidakt zu zeichnen begonnen, dann zu malen, und bis zu seinem Freitod fertigte er 1100 Zeichnungen und 800 Gemälde an. 

Beeinflusst war er von Eugène Delacroix. Und von Jean-François Millet, dessen Bild „Der Sämann“ er kopierte. Van Goghs „Der Sämann (nach Millet)“ hängt als Leihgabe im Städel. Es war bei der Sonderbund-Ausstellung 1912 in Köln zu sehen. Dort waren die ersten fünf von 25 Sälen van Gogh gewidmet. „Der Erfolg hat aber viele Mütter und Väter“, sagt Robert Mondani, und nennt Theo van Gogh, der seinen Bruder Vincent zeitlebens unterstützte, Theo van Goghs Witwe Johanna van Gogh-Bonger, die Erbin des Nachlasses, die Ausstellungen organisierte, den Galeristen Paul Cassirer, der van Gogh in seinem Berliner Kunstsalon zeigte, sowie Bruno Cassirer, der den Briefwechsel zwischen Vincent und Theo van Gogh herausgab.

„Making van Gogh“: Ausstellung im Städel 

Die Preise für Werke van Goghs schossen nach der Sonderbund-Ausstellung in die Höhe. Doch konservative Kreise lehnten dessen Malerei ab. Im Künstlerstreit ereiferten sich deutsche Maler darüber, dass deutsche Museen Kunst von Niederländern oder Franzosen kauften. Im Zentrum der Auseinandersetzung stand van Goghs „Mohnfeld“, das die Kunsthalle Bremen 1910 erwarb. Mit einer Gegenpublikation hielten Künstler, Galeristen und Schriftsteller dagegen. Darunter Städel-Direktor Georg Swarzenski, der van Goghs Gemälde „Das Bauernhaus in Nuenen“ und die Zeichnung „Kartoffelpflanzerin“ für das Museum erwarb. Auch das Gemälde „Bildnis des Dr. Gachet“, heute unauffindbar, kaufte er an. Über dessen bewegte Geschichte informiert das Städel in einem fünfteiligen kostenfreien Podcast.

Mehr dazu: 

Im Städel-Museum in Frankfurt werden gerade die Werke von Vincent van Gogh ausgestellt. Die Ausstellung sprengt sämtliche Rekorde. Ein Besuch.

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