1. Startseite
  2. Frankfurt

Maja Wolff will sich um Frankfurt kümmern

Erstellt:

Von: Thomas Stillbauer

Kommentare

Maja Wolff und ein kleiner Teil ihres Publikums im „Lahmen Esel“.
Maja Wolff und ein kleiner Teil ihres Publikums im „Lahmen Esel“. © Peter Jülich

Kampagnenauftakt der Kandidatin mit Mut und Musik in Niederursel. Plädoyer für mehr Gemeinschaft.

Der Begriff Kampf, besonders in Verbindung mit einer Wahl, also Wahlkampf – der klinge „immer ein bisschen befremdlich für Leute, die aus der Kultur kommen“, sagt Maja Wolff. Ihr Begriff daher: Wahlkampagne. Die hat sie am Montagabend in Niederursel eröffnet.

Der Saal der Gaststätte „Zum lahmen Esel“ ist voll, nein, zwei Säle, brechend voll. Wolff wird im Lauf der Veranstaltung hin- und herpendeln müssen, aber zunächst einmal zum Anlass ihrer Kandidatur. „Warum ich Oberbürgermeisterin werden will? Ich liebe diese Stadt.“

Und das schon länger. 1964 in Frankfurt geboren, hat sie sich hier einen Namen als Schauspielerin gemacht und als Chefin des Grüne-Soße-Festivals, das Jahr für Jahr Tausende mit Kultur und Kulinarik lockt. Aber auch für Wirtschaft und Soziales habe sie das nötige Rüstzeug, sagt die studierte Sozialarbeiterin Wolff und erzählt von einem Schlüsselerlebnis: Wie sie 2011 mit Strafgefangenen in monatelanger Arbeit das Musiktheaterstück „Carmen“ auf eine im Main schwimmende Bühne brachte. Wie sie daran wuchs, was das an Synergien in der Stadt freisetzte, wer da alles mithalf und wie wichtig ihr Gemeinschaft ist, um die Probleme der Stadt zu lösen: Das erzählt sie ernsthaft, aber auch so humorvoll, dass die Leute immer wieder lachen. Kein Wunder, die Bühne ist Wolffs großes Talent.

Ihre Kernbotschaft: „Man muss sich einfach kümmern“. Um bezahlbaren Wohnraum etwa, dem sozialen Frieden zuliebe: „Dafür holen wir die Wirtschaft ins Boot.“ Es brauche vor allem neue Finanzierungsmodelle: „Was wir jetzt haben, funktioniert nicht.“

Kümmern muss man sich auch ums Bahnhofsviertel. „Genau das ist für mich Frankfurt“, sagt sie, die Hochhäuser und die Vielfalt der Menschen. „Aber das Viertel verkümmert seit Jahren.“ Alle an einen Tisch, so lautet ihr Plan, alle Fachleute zusammen, „sonst kriegen wir das Problem nicht geregelt. Die Konzepte zusammenbringen und daraus ein neues Lebensgefühl fürs Bahnhofsviertel kreieren“.

„Gemeinwohlstand“ ist ein Begriff, der Maja Wolff gefällt. Die Kombination bringe auf den Punkt, dass es allen gutgehen müsse, damit ein Gemeinwesen funktioniere. Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, hat sie seit drei Jahren. Da wurde sie zum ersten Mal gefragt, ob sie nicht die neue OB werden wolle, erzählt sie. Da sei gerade der AWO-Skandal hochgekocht. „Wir dachten, der Oberbürgermeister tritt sofort zurück.“ Tat er nicht. Und Wolff konnte sich vorbereiten, als Unabhängige, die nicht dafür geradestehen müsse, wie sich die Grünen zum Riederwaldtunnel verhielten und die SPD zum sozialen Wohnungsbau – ein Vorteil, glaubt Wolff.

Selten wurde übrigens ein Wahlprogramm so unterhaltsam präsentiert wie dieses: Sabine Fischmann und Ali Neander haben es vertont und – coronabedingt per Video – im „Lahmen Esel“ vorgesungen. Refrain: „Mensch Maja, Maja macht’s“.

Auch interessant

Kommentare