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Mögliche Feldmann-Nachfolgerin Wolff will „Begeisterung wecken“

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Von: Thomas Stillbauer

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„Humor ist ganz wichtig für so ein Amt.“ Maja Wolff möchte Frankfurter OB werden.
„Humor ist ganz wichtig für so ein Amt.“ Maja Wolff möchte Frankfurter OB werden. © Rolf Oeser

Die Grüne-Soße-Festivalmacherin Maja Wolff bewirbt sich in Frankfurt um die Feldmann-Nachfolge als Oberbürgermeisterin.

Frankfurt - Die Spannung steigt vor der Abstimmung am 6. November, ob Peter Feldmann Frankfurter Oberbürgermeister bleiben soll. Aber längst interessiert die Stadtgesellschaft auch, wer ihm nachfolgen könnte. Die Künstlerin Maja Wolff, bekannt als Gründerin und Moderatorin des Grüne-Soße-Festivals, hat am Freitagmorgen ihre Kandidatur angekündigt.

Frau Wolff, warum wollen Sie Oberbürgermeisterin werden?

Weil ich viel mitbringe, was man dafür braucht. Ich möchte Brücken bauen zwischen den Bürgerinnen und Bürgern, der Stadt und der Stadtpolitik. Wenn es eine Stellenausschreibung gäbe für eine Oberbürgermeisterin, würde ich die gut abdecken.

Was würde in dieser Ausschreibung stehen?

Warten Sie … so etwa: „Wir suchen jemanden mit großem Herz und klarer Kante. Jemanden, der in der Lage ist, vier Parteien unter einen Hut zu bekommen, aus Konflikten Lösungen zu machen, Ideen in Handlung zu übersetzen, eine Metropole nach innen und außen zu repräsentieren. Sie sollten belastbar sein – und viel Humor haben.“ (lacht) Humor ist ganz wichtig für so ein Amt.

Können Sie auch repräsentieren?

Ich kenne Frankfurt in allen Facetten, ich bin hier groß geworden, ich lebe hier, arbeite hier in vielen Tätigkeitsfeldern. In der Öffentlichkeit zu stehen mit einem guten Auftritt gehört zu meinen Stärken, und mit dieser Erfahrung kann ich die Stadt nach innen und außen repräsentieren. Aber was mich ausmacht ist, dass ich auch anderen Menschen eine Plattform gebe.

Warum braucht Frankfurt Sie?

In diesen Krisenzeiten braucht die Stadt eine gute Führung. Das heißt für mich nicht, zu sagen: „So wird’s gemacht!“ So führe ich als Unternehmerin nicht mein Team und als Regisseurin nicht mein Ensemble. Führung, Regie bedeutet für mich, zu schauen, wo liegen die Fähigkeiten der Menschen im Team. Führung bedeutet, immer eins im Kopf zu behalten: Wir alle zusammen sind 100 Prozent.

Warum kandidieren Sie nicht beispielsweise für die Grünen? Da hätten Sie gleich ein Team.

Die Führung muss nicht aus einer politischen Partei kommen. Warum? So bin ich doch viel freier und unabhängig.

Aber mit einer Alleinkandidatur sind schon Leute mit riesigem Aufwand baden gegangen.

Für mich ist das konsequent. Ich war nie ein einer Partei. Hinter mir stehen trotzdem viele, die mir sagen, es täte unserer Stadt gut, dass jemand kommt mit ganz viel gelebter Erfahrung im sozialen Bereich, als Unternehmerin, als Kreative. Ich bin in der Stadt bekannt. Ich kann Menschen für meine Ideen gewinnen.

ZUR PERSON

Maja Wolff, 1964 geboren, parteilos, ist Künstlerin, Unternehmerin und seit 2009 Geschäftsführerin der Grüne Soße Festival GmbH. Als Veranstalterin und Gastgeberin leitet sie das jährlich stattfindende Festival gemeinsam mit ihrem Partner Torsten Müller. Als Vorstandsvorsitzende des Kulturvereins Art-Q e.V. setzt sie seit 2011 Kulturprojekte in Frankfurt unter anderem für sozial benachteiligte Menschen um. Sie ist ausgebildete Arzthelferin, Schauspielerin und Sängerin, Therapeutin und studierte Sozialarbeiterin.

Trauen Sie sich zu, eine Stadtverwaltung zu führen?

Es gibt viele gute Leute bei der Stadt Frankfurt, die diese Arbeit sehr gut machen. Mein Ansatz wäre nicht, alles umzukrempeln. Es geht immer darum, gemeinsam zu arbeiten, gemeinsam Hürden zu nehmen. Und Verwaltung scheint mir jetzt nicht die größte Hürde in dieser Stadt zu sein.

Das Teamwork des Amtsinhabers Peter Feldmann und des Magistrats hat stark gelitten – das würden Sie anders hinkriegen?

Da sind vier Parteien in der Koalition, natürlich gibt es da unterschiedliche Ideen. Aber am Ende haben wir doch alle das gleiche Ziel: diese Stadt voranzubringen. Dinge anzupacken, sei es Klima, Digitalisierung oder Bahnhofsviertel.

Apropos Bahnhofsviertel: Was schwebt Ihnen vor, um die Probleme mit der Verwahrlosung dort zu lösen?

Es ist nicht die Zeit des Wahlkampfs, aber darüber sind wir doch einig: dass wir aus diesem Viertel so schnell wie möglich wieder einen begehbaren Ort machen müssen. Das schaffen wir nur mit Kommunikation. Alle an einen Tisch: Anwohner, Polizei, ansässige Unternehmen, Müllentsorger, Gastronomie, Sexarbeiterinnen. Gemeinsam Ideen entwickeln und dann umsetzen.

Wird Peter Feldmann abgewählt? Was, wenn nicht?

Corona hat uns doch Geduld gelehrt. Es geht darum, dass man startklar ist, wenn die Zeit kommt.

Hand aufs Herz, welche Chancen rechnen Sie sich aus?

Ich würde es nicht machen, wenn ich nicht davon ausginge, dass ich Oberbürgermeisterin werden kann. Ich möchte bei den Bürgerinnen und Bürgern die Begeisterung für die Stadt wecken, denn das setzt Potenziale frei. Dafür werde ich mich mit meiner Kraft, meinem Wissen und meinem Können einsetzen.

Und was wird dann aus dem Grüne-Soße-Festival ohne Sie?

Das mache ich ja nicht alleine. Wir haben uns reiflich überlegt, wie ich an der Stelle zu ersetzen bin. Es wird weiterhin wichtig sein, dass Kultur zugänglich ist für alle. Das ist nicht an meine Person gebunden ist. Ich möchte etwas Gutes schaffen und nichts zerstören. (Thomas Stillbauer)

Vor dem Bürgerentscheid zu OB Feldmann gibt es mächtig Kritik an einem Schreiben des Stadtelternbeirates.

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