Verkehrspolitik

Mainkai in Frankfurt:Die IHK gegen den Rest

  • Georg Leppert
    vonGeorg Leppert
    schließen

Im Haus am Dom gibt es eine muntere Diskussion über die Sperrung. Einer der Teilnehmer hat besonders zu kämpfen.

Ulrich Caspar hat am Montagabend keinen leichten Stand im Haus am Dom. Der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt sagt bei der Diskussion, zu der die Katholische Akademie Rabanus Maurus eingeladen hat, klipp und klar, dass der Mainkai schnellstmöglich wieder für den Autoverkehr geöffnet werden müsse. Und damit ist er ziemlich allein auf dem Podium.

Andrea Jürges etwa findet die Entwicklung auf dem Mainkai durchaus positiv. Lange Zeit sei sie fast die Einzige gewesen, die auf der Fahrbahn gelaufen sei. Mittlerweile aber passiere immer mehr auf der für den Fahrzeugverkehr gesperrten, etwa 700 Meter langen Strecke. Auf dem Mainkai habe das Leben Einzug gehalten, stellt sie erfreut fest.

Jan Gerchow ist als Direktor des Historischen Museums ein direkter Nachbar des Mainkais. Zum einen hat er festgestellt, dass die Erschütterungen in den Ausstellungsräumen, die etwa der Schwerlastverkehr regelmäßig ausgelöst hatte, von einem Tag auf den anderen verschwunden seien. Doch das sei nur ein netter Nebeneffekt der Sperrung. Vielmehr biete sich der Stadt die Chance, nicht weniger als ihr „historisches Zentrum“ zurückzugewinnen.

Gerchow erinnert daran, dass am Mainkai die großen Handelsschiffe angelegt hätten und auch die Geschichte der Messe dort ihren Anfang genommen habe. „Das ist nicht irgendein Platz am Fluss.“

„Noch keine Flaniermeile“

Auch Daniel Schröder. Regionalleiter der Arche Rhein-Main, macht sich im Grunde für einen autofreien Mainkai stark. Doch gerade für Kinder sei der Ort noch nicht wirklich attraktiv. Eine Flaniermeile sei die Straße noch nicht.

„Die Sperrung war eine gute Entscheidung“, sagt Mathias Biemann, Leiter des Verkehrsclubs Deutschland in der Rhein-Main-Region. Die politischen Diskussionen in den vergangenen Wochen hat er mit einigem Befremden verfolgt. Politiker seien doch dafür gewählt, um Lösungen zu finden, sagt er. Die Debatte über den Mainkai sei zu wichtig, als dass sich Politiker bei dem Thema „die Nasen blutig schlagen sollten“.

Und dann kommt Ulrich Caspar. Der 64 Jahre alte CDU-Politiker, der im Mai vorigen Jahres zum IHK-Präsidenten gewählt wurde, sagt, seine Kammer grenze niemanden aus. Auch nicht die 30 000 Menschen, die vor der Sperrung täglich mit dem Auto auf dem Mainkai unterwegs gewesen seien. Der Kai, so rechnet Caspar vor, sei bis zu 60 Meter breit. Die Fahrbahn brauche nur einen kleinen Teil dieser Fläche.

Die Sperrung habe jede Menge Probleme verursacht, sagt Caspar. Nicht nur in Sachsenhausen, wo Anwohner seit Monaten über Staus vor ihrer Haustür klagten. Der Lieferverkehr habe etwa Schwierigkeiten, zum Römerberg zu gelangen. Und auch das Argument, man müsse die Fläche am Fluss unbedingt beleben, lässt Caspar nicht gelten. Die Hauptwache, der Rathenauplatz oder der Roßmarkt seien auch nie belebt worden.

Am Rande wird an diesem Abend auch darüber diskutiert, ob Frankfurt nicht ein ganz neues Verkehrskonzept brauche. Da stimmt auch Caspar zu. Er wünscht sich jede Menge Park-and-Ride-Plätze um Frankfurt herum, damit die Menschen nicht mit dem Auto in die Stadt fahren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare