Wenn am Mainkai Autos fahren würden, dann gäbe es keinen Fahrradparcours wie beim „Main Zukunftspavillon“ am Donnerstag.  
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Wenn am Mainkai Autos fahren würden, dann gäbe es keinen Fahrradparcours wie beim „Main Zukunftspavillon“ am Donnerstag.  

Verkehr

Mainkai in Frankfurt: Verbände wollen Platz für Fußgänger und Radler

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Bei einem Tag der Mobilität werben Verbände für den autofreien Mainkai.

Die Sonne scheint, es ist 22 Grad, die Menschen sitzen am Donnerstagnachmittag in T-Shirts auf der Wiese am Mainkai, andere radeln über die autofreie Straße. So hat Silke Petry vom Fachverband Fuß e.V. sich das vorgestellt. Mit zwei Kollegen steht sie bei „Main Zukunftspavillon“, einer Veranstaltungsreihe des Netzwerks Nachhaltigkeit lernen in Frankfurt, am Mainkai und beantwortet Fragen.

In Frankfurt, sagt sie, seien die Gehwege oft nicht breit genug. Zweieinhalb Meter sollten es sein. Seien es aber meist nicht. „Es ist doch schön, dass dem Radverkehr so viel Aufmerksamkeit geschenkt wird, aber noch mehr Wege machen die Menschen zu Fuß.“ Auch Fußgänger brauchten Platz.

Dass der Mainkai autofrei ist, finde sie gut, sagt sie, das könne so bleiben. Die schnellen Radfahrer würden über die Straße fahren, die langsamen am Main entlang. Dort hätten die Fußgänger auch ausreichend Platz.

Veloweek

Die Fahrradmesse Velo Frankfurt zeigt sich in diesem Jahr in digitaler Form. Ausstellern und Radfans wird vom 15. bis zum 21. Juni eine crossmediale „Veloweek“ in Frankfurt, Berlin und Hamburg geboten werden. Dazu zählen unter anderem ein virtueller Messerundgang per Zoom, Experteninterviews und Livechats. Die Frankfurter Messe & Event GmbH, ein Teil der Ippen-Gruppe wie Frankfurter Rundschau und Frankfurter Neue Presse, veranstaltet die Velo Frankfurt. 

www.velofrankfurt.com

Platz und wie er verteilt ist, ist ein wichtiges Thema in der Verkehrspolitik. Das weiß Bertram Giebeler vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Frankfurt, der an einem Stand Infozettel verteilt. In Frankfurt gebe es in Corona-Zeiten nicht genug Platz für die Radfahrer, sagt er. Viele Menschen verzichteten aus Infektionsgründen auf den öffentlichen Nahverkehr und nähmen lieber das Auto - oder das Rad. Da werde es eng auf den Radwegen.

Die Lösung seien Pop-up-Radwege, die schnell aufzumalen seien und nicht viel kosteten. Berlin habe es vorgemacht, München sei nachgezogen. „München hat eine ähnliche Dichte wie Frankfurt, es gibt keinen Grund, warum es hier keine Pop-up-Radwege geben sollte.“ Dass das Thema in der Stadtpolitik keine Rolle spiele, schiebt er auf eine gewisse Lustlosigkeit im Verkehrsdezernat, das die Radentscheid-Projekte vorschiebe, die Priorität hätten. Dabei habe sogar der Radentscheid angeboten, diese Projekte zurückzustellen, um während Corona schnell Pop-up-Radwege auf den Weg zu bringen.

Sei’s drum. Die Mühlen der Stadtpolitik mahlen oft langsam, gerade bei hochstrittigen Themen wie der Mainkai-Sperrung beziehungsweise Öffnung für den Autoverkehr. Die kommt am 1. September, weil es keinen anderslautenden Koalitionsbeschluss gibt.

Frank Nagel (CDU), Verkehrsfachmann seiner Partei, steht mit seiner Argumentation am Donnerstag auf verlorenem Posten. Keiner der Umstehenden will verstehen, was an Autos auf dem Mainkai gut sein soll, auch wenn er sich redlich um eine Erklärung bemüht. „Zwei plus zwei“ wolle die CDU, also zwei Autospuren und zwei Radwege.

„Ich finde, der Umweltverbund mit Radfahrern, öffentlichem Nahverkehr und Fußgängern, der zwei Drittel der Wege in der Stadt ausmacht, sollte auch zwei Drittel der Flächen bekommen“, meint ein Aktivist vom Radentscheid. Da stimmen die Anwesenden zu. Heiko Nickel vom Radentscheid und Verkehrsclub Deutschland (VCD) hat inzwischen die Pläne des Radentscheids für fahrradfreundliche Nebenstraßen aufgehängt, lauter DIN-A-Zettel an einer Leine. Darüber berichten wir morgen.

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