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Auch die Clowns vom Klappcouch-Clown-Ensemble besetzen mit.

Gesperrter Mainkai

Lebensraum schaffen

  • vonKathrin Becker
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Bürgerinitiative fordert die Verlängerung der Sperrung. Am Sonntag haben sie die Uferpromenade symbolisch besetzt.

Vor etwa einem Jahr wurde er gesperrt. Jetzt neigt sich der Verkehrsversuch am Mainkai dem Ende zu. Nicht jedoch, wenn es nach der Bürgerinitiative „Mainkai für alle“ geht. Die rief am Sonntag dazu auf, den Mainkai zu besetzen - im wahrsten Sinne des Wortes. Mit Hockern, Camping-stühlen oder sogar Sofas haben Fans der Sperrung für eine dauerhafte und autofreie Umgestaltung des Mainkais demonstriert. Gekommen sind laut Veranstalter 400 Menschen, die Polizei spricht von 120 Menschen.

„Jedem leuchtet ein, dass der Mainkai eigentlich das Wohnzimmer der Stadt sein sollte. Und durch sein Wohnzimmer lässt man keine Autos fahren“, sagt Andreas Bürger, Sprecher der Mainkai-Initiative. In seiner Ansprache richtet er deutliche Worte an die Politik. „Liebe CDU, komm endlich aus deiner Schmollecke!“

Denn es sind vor allem die Christdemokraten in der Römer-Koalition, die gegen die Verlängerung des zunächst temporär angelegten Versuchs sind. SPD und Grüne haben hingegen mitgeteilt, dafür stimmen zu wollen. Aus Koalitionsgründen wird allerdings eine Einigung unter den Fraktionen vorausgesetzt.

Für Andreas Bürger handelt es sich dabei schlicht um „taktische Politspielchen“. Er fordert die CDU auf, ihre Meinung zu ändern oder andernfalls, den Koalitionszwang für die Abstimmung aufzuheben. Ab 1. September sollen am Mainkai wieder Autos fahren dürfen. Mit der Aktion ging es um die Zukunft ohne Autos.

Rund um die Besetzungsaktion gab es ein Programm mit Workshops zum Thema nachhaltige Stadtentwicklung und ein Urban-Gardening-Projekt. Das Frankfurter Architektenbüro Drei Eins sowie Studierende der TU Darmstadt präsentierten Entwürfe für eine autofreie Umgestaltung. Mehr Schatten müsse es geben, und mehr Grün, da sind alle Entwürfe ähnlich.

Das sei auch wissenschaftlich begründet, sagte Julia Krohmer als Vertreterin der „Scientists for Future“. Grünflächen schafften nachweislich Linderung in der zunehmenden Aufheizung der Städte im Zuge des Klimawandels. Bei der Online-Petition „Mainkai für alle“ haben bislang knapp 10 000 Bürger für den autofreien Mainkai gestimmt.

Anwohner wie auch Nicht-Anwohner sind gekommen. Viele schätzten den Platz, der inzwischen verstärkt von Fahrradfahrern, Spaziergängern und spielenden Kindern genutzt werde. „Ich finde, wir sollten nicht darüber diskutieren, ob wir diese Seite wieder aufmachen, sondern, wann wir die andere Seite auch sperren“, sagt ein Teilnehmer.

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