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Mahnwache der Abtreibungsgegner in der Palmengartenstraße.

Mahnwache vor Pro Familia

Festnahme bei Protest gegen radikale  Abtreibungsgegner 

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Die selbsternannten „Lebensschützer“ und ihre Gegner treffen vor Pro-Familia aufeinander. Der Protest endet mit einer Festnahme.  

Es ist ein Anblick von fast schon trauriger Gewohnheit. In einem Halbkreis stehen etwas mehr als ein Dutzend Männer und Frauen, die meisten von ihnen schon lange ergraut, einige zwirbeln Rosenkränze zwischen den Fingern. Die Augen geschlossen, murmeln und summen sie pausenlos Gebete. Es ist Mittwochvormittag, elf Uhr und damit Stunde eins der bereits zum fünften Mal anstehenden Mahnwachen vor der Pro-Familia-Beratungsstelle in der Palmengartenstraße. Der Ableger der aus den USA stammenden Initiative „40 Tage für das Leben“ wird hier bis Ostern täglich Gebetsorgien abhalten, den Alltag der Beschäftigten der Beratungsstelle stören und dem erklärten Ziel nachgehen, „Abtreibungen einzustellen“, wie eine Stellwand informiert.

Die Mahnwachen finden hier seit 2017 zweimal jährlich statt. Nicht nur in Frankfurt, auch in München und laut Homepage der Initiative in über 800 Städten weltweit. Mit der Presse wollen die selbst ernannten Lebensschützer an diesem Mittwoch nicht sprechen. Die Medien seien ihnen gegenüber „feindlich“ eingestellt, so ein Teilnehmer der Demonstration. Weshalb sie ihre Gebete an 80 Tagen im Jahr ausgerechnet an diesem Ort abhalten, begründete er mit einem bemerkenswerten Vergleich: Atomschützer würden sich schließlich auch an Zugschienen ketten.

Bislang noch keine Schutzzone 

Doch wie im Herbst ist den christlichen Fundamentalisten bei der Anmeldung der Kundgebung jemand zuvorgekommen. In diesem Frühling war das Helmut Jodl. Schon im Oktober habe er dies getan, erzählt Jodl, der es sich mit einer Tasse Tee auf einem Klappstuhl bequem gemacht hat; er habe sichergehen wollen, dass die Gegenproteste in erster Reihe stehen würden. Denn aus der geforderten Schutzzone von 150 Metern ist bisher nichts geworden, weil Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) sie für rechtlich nicht umsetzbar hält. Trotzdem halten diesmal nicht nur 25 Meter und eine kleine, aber schrille Gruppe Protestierender die Betenden auf Abstand. Auf einer doppelt gefalteten Stellwand wirbt der Palmengarten seit vergangener Woche für seine Schmetterlingsausstellung. Bilder von geringelten Raupen und Schwärmen getupfter Flügel zeigen „Die Wanderung der Monarchfalter“ – mitten auf dem Platz und wie eine Grenze zwischen den beiden Kundgebungen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Denn obschon aufseiten der Gegenkundgebung nur eine Handvoll Menschen stehen, so sind sie doch dreimal so laut. Jodl hat vorgesorgt: er verteilt eine Posaune, eine Blockflöte und ein Triangel, scheppert mit Kastagnetten. Hauptsache Krach. Das findet auch Thorsten Herget, der bereits durch seine ausgefallenen Kostüme bekannt gewordene „falsche Bischof“. Heute schwingt er in der Rechten eine Klobürste, in der Linken eine portable Musikbox und tanzt vor den Betenden zu „It’s raining men“ von den Weathergirls. Hergets Ziel für die kommenden Wochen: Den Fundamentalisten „so gut es geht auf die Nerven gehen“.

Unter den Demonstrierenden ist auch Elisabeth Perabo. Sie war schon in den 68ern aktiv und findet es „unerhört“, dass die Fundamentalisten glaubten, „sie könnten uns hier rückwärts schicken“. Die Mahnwachen würden nicht etwa für Kinder, sondern gegen Frauen in Konfliktsituationen abgehalten. Gegen die Gegendemonstration ging die Polizei mit Härte vor: Nach einem Platzverweis endete dieser Tag für einen Aktivisten mit einer Festnahme.

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