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Rund 150 Menschen kamen zu einer Mahnwache für die Opfer des Hanauer Attentats an den Hülya-Platz in Bockenheim. Mustafa Korkmaz vom Türkischen Volkshaus (rechts mit Manuskript) forderte ein antirassistisches Bündnis. Bild: Monika Müller

Bockenheim

Mahnwache am Hülya-Platz in Frankfurt

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Rund 150 Protestierende fordern bei einer Gedenkfeier für die Opfer von Hanau ein lokales Netzwerk gegen Rassismus.

Am Hülya-Denkmal kamen am Samstagnachmittag rund 150 Menschen zusammen, um eine Mahnwache anlässlich des rassistischen Attentats in Hanau vor zehn Tagen abzuhalten. Grabkerzen und Blumen hatten Teilnehmer vor die Skulptur des auf ein Hakenkreuz schlagenden Hammermanns gestellt, die an die Opfer des rechtsradikalen Brandanschlages von Solingen im Jahr 1993 erinnert.

Bei starkem Wind und Regen standen die Menschen teils unter Schirmen zusammen. Man blickte in ernste und betroffene Gesichter. Vor einer Schweigeminute verlas eine Frau die Namen der Opfer: „Ferhat Unvar, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtovic, Kaloyan Velkov, Vili Viorel Paun, Said Nesar Hashemi, Fatih Saraçoglu“. Dann herrschte Stille, und nur der Regen und der aufpeitschende Wind waren zu hören.

Anette Mönich vom Stadtteilbüro Bockenheim sagte in ihrer Ansprache: „Wieder wurden Menschen ermordet, weil sie nicht in das Weltbild von Rassisten passen.“ Keineswegs sei Rassismus gebannt, sondern breite sich aus, und terroristische Aktionen würden immer häufiger. Eine überwiegende Mehrheit lehne die terroristischen Taten zwar ab, jedoch sei ein gemeinsames Handeln der nächste logische Schritt. „Wir müssen unsere Kräfte sammeln und neue Formen und Inhalte gemeinsam entwickeln, um Rassismus den Boden zu entziehen“, sagte Mönich. Deshalb rief sie dazu auf, ein „Netzwerk gegen Rassismus in Bockenheim“ zu gründen.

Auch Mustafa Korkmaz vom Türkischen Volkshaus schloss sich diesem Vorschlag an. Entscheidend sei es, „vor Ort Basisarbeit“ zu verrichten, sagte er. „Der rassistische Terroranschlag von Hanau war kein Unfall, kein Einzelfall, auch wenn der Mörder alleine gehandelt haben sollte.“ Rassistische Gewalt passiere „nicht in einem luftleeren Raum“, sondern im Kontext eines gesellschaftlichen Diskurses. „Der politische Arm der rassistischen Bewegung ist die AfD, die in Parlamenten sitzt und ihre völkische Ideologie verbreitet“, sagte er. Korkmaz kritisierte die mangelnde Aufarbeitung rassistischer Verbrechen und erinnerte an die Lücken bei der Aufklärung der Morde des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Auf ein Schild hatte ein Teilnehmer der Mahnwache geschrieben: „NSU-Akten freigeben“.

Ein Vertreter des Ortsbeirats 2 drückte im Namen des Stadtteilgremiums seine Anteilnahme aus und sprach sich für ein „möglichst breit aufgestelltes Bündnis gegen Rassismus“ aus. Eine Vertreterin des Fördervereins Roma erinnerte daran, dass drei der Opfer Roma gewesen seien. „Wir müssen uns jeder Form von Antiziganismus entgegenstellen und betroffen sein“, sagte sie. Pia Baumann, Pfarrerin der örtlichen evangelischen Kirchgemeinde, berichtete: „Ich gehe jeden Tag durch diesen Stadtteil, durch meine Straße, an mehreren Shisha-Bars vorbei.“ Der Anschlag hätte „genauso gut auch hier passieren können“, fügte sie hinzu. Als kurz nach Ende der Mahnwache ein heftiger Regenschauer einsetzte, stoben einige der Teilnehmer auseinander. Andere eilten unter das Vordach des benachbarten Senioren-Pflegeheims und blieben so noch länger zusammen stehen.

Am 12. März soll es um 19 Uhr im Türkischen Volkshaus, Werrastraße 29, ein erstes Treffen des „Bockenheimer Kreises gegen Rassismus“ geben.

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