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Mahnwache am Oeder Weg gegen Putins Krieg hält die Stellung

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Von: George Grodensky

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Sonya Pashkevych (22) ist fast jeden Tag an der Mahnwache im Oeder Weg. Peter Jülich
Sonya Pashkevych (22) ist fast jeden Tag an der Mahnwache im Oeder Weg. Peter Jülich © Peter Jülich

Die Mahnwache vor dem russischen Konsulat erinnert jeden Tag an das Blutvergießen in der Ukraine. Putin wird nicht von alleine aufhören, da sind sich die Teilnehmenden sicher.

Den 24. Februar wird Sonya Pashkevych nie vergessen. Die 22-jährige Studentin lebt im Kiewer Stadtviertel Obolon. Um 4 Uhr morgens schrecken sie laute Explosionen aus dem Schlaf. Putins Krieg hat begonnen. Im März holt ihr Bruder sie nach Frankfurt, zu gefährlich sei es in Kiew. Nun steht sie jeden Tag am Oeder Weg, an der Mahnwache vor dem russischen Generalkonsultat. Um alle Menschen an den 24. Februar zu erinnern. Und an all das andere Leid, dass die russische Invasion über die Ukraine gebracht hat.

„Es ist der Aufschrei unserer Seelen“, sagt Pashkevych. Innerlich tot seien die Ukrainer, erklärt die junge Frau ernst. Fast alle von ihnen haben Freunde oder Verwandte im Krieg verloren. Geliebte Menschen, die einfach nicht mehr da sind. Ein harter Kern von 20 Ukrainerinnen und Ukrainern kümmert sich darum, dass immer jemand im Oeder Weg steht. Viele Deutsche haben sich angeschlossen. Der Protest geht von 8 Uhr morgens bis 20 Uhr. Jeder steht so lange es geht. Um sie herum haben sie Bilder drapiert, von zerstörten oder brennenden Häusern. Ein Foto von einem Mädchen mit Luftballons vor einem Panzer. Putins Konterfei mit dem Zusatz „Bloodymir“. Und viele Blumen. Jeden Tag bringt jemand frische Blumen mit.

Die Reaktionen von der anderen Straßenseite her, sind unterschiedlich, sagt Paskevych vorsichtig. Manche Russinnen und Russen seien am Gespräch interessiert. Manche gleichgültig. Viele aggressiv. Es habe bereits einige Übergriffe gebenen, die Polizei ist immer vor Ort. „Heute ist es ruhig.“ Also, bis auf die Musik aus dem Lautsprecher. Zwischendurch erklingt immer wieder die ukrainische Nationalhymne, auch viele Protestlieder sind zu hören. Nur in der Mittagszeit nicht, aus Rücksicht auf die Nachbarn.

„Die da drüben sollen uns hören“, sagt Paskevych und zeigt auf das Konsulat. Das findet auch Oksana Pavliuk. „Alle sollen sehen, was Putin in der Ukraine macht.“ Darum steht auch sie fast jeden Tag am Oeder Weg. „Damit uns niemand vergisst.“ Damit nicht Gewöhnung einkehrt. Nur ein striktes Embargo von russischem Öl und Gas könne der Ukraine helfen, sagt die 32-Jährige. „Und schwere Waffen.“

Die Gewöhnung ist allerdings bereits da. Am Donnerstagmittag bleiben nur wenige Menschen bei der Mahnwachen stehen. Die meisten Frankfurterinnen und Frankfurter gehen vorbei. Manche schauen hin, nicken, manche machen auch ein Foto, die meisten eilen weiter. Die Mahnenden ficht das nicht an. Aller Pazifismus und Abwarten zögere letztlich nur den Moment hinaus, in dem die westliche Welt doch eingreifen müsse, da ist sich Pavliuk sicher. „Putin wird nicht aufhören.“ Auch Pashkevych glaubt nicht an ein baldiges Ende der Invasion. „Selbst wenn Putin weg ist“, sagt sie düster, „dann wird es einen anderen Putin geben.“ Viele Russinnen und Russen sähen das so und verließen das Land. Eigentlich wollte sie im kommenden Monat wieder zurück nach Kiew. Jetzt ist sie sich nicht mehr sicher.

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