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Bloß nicht in die Karten schauen lassen: An diesem Tisch spielt jeder gegen jeden. Aber es können auch Allianzen geschmiedet werden.

Magic in Frankfurt

Die Magie der Sammelkarten

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Die Anhänger des Spiels "Magic" treffen sich in Frankfurt mehrmals pro Woche, um Duelle auszutragen. Frauen sieht man nicht so häufig bei den Turnieren.

Levent schaut sich die Karten in seiner Hand an, wirft sie auf den Tisch und sagt: „Och nö, da hab ich jetzt keinen Bock drauf.“ Auch die anderen in der Runde scheinen kein Interesse an einer Fortführung der Partie zu haben. Thorsten grinst und akzeptiert die Kapitulationen seiner Gegner. Der 25-Jährige hat in seinem Zug gerade Ulamog, den unendlichen Wirbel, gespielt. Die legendäre unzerstörbare Kreatur hätte dank seiner Fähigkeit die Karten der anderen problemlos dezimiert. Thorsten mischt seine Karten bereits wieder neu, während die anderen vier Männer erst einmal schauen, ob sie eins ihrer anderen Kartendecks spielen sollen.

Es ist Freitagabend in Frankfurt, und im Sammelkartengeschäft „JK Entertainment“ nahe der U-Bahn-Haltestelle Dornbusch ist wie jede Woche „Friday Night Magic“, kurz FNM. Das Kartenspiel „Magic: The Gathering“, zu deutsch „Magie: Die Versammlung“, wurde von Richard Garfield erfunden und existiert mittlerweile seit 25 Jahren. Dabei treten in der Regel zwei Spieler gegeneinander an und duellieren sich mit ihrem Deck aus 60 Karten. 

Wer die 20 Lebenspunkte des Gegners zuerst auf null bringt, gewinnt. Um das zu erreichen, beschwören beide Spieler Kreaturen, die angreifen. Jede Kreatur kostet unterschiedlich viel Mana, eine Ressource, die die Spieler im Laufe der Partie durch Karten aufbauen. Abgerundet wird das Ganze beispielsweise durch Verzauberungen, Artefakte und Hexereien, die gespielt werden können.

Mehr als 30 Spieler sitzen an jenem Freitag an den Tischen im Geschäft an der Eschersheimer Landstraße. „30 ist der Durchschnitt. Manchmal haben wir auch bis zu 48 Spieler hier“, sagt Verkäufer Fabio Sousa. Das Interesse sei von Edition zu Edition verschieden. Mehrmals pro Jahr gibt es eine weitere Edition, die neue Karten zum Spiel hinzufügt. Insgesamt, schätzt Sousa, gebe es rund 200 verschiedene Spieler, die den Laden besuchen, um an Turnieren teilzunehmen oder einfach so zu spielen.

Während an den vorderen Tischen ein Draft-Turnier gespielt wird, bei dem Karten aus zur Verfügung gestellten Boosterpacks zur Anwendung kommen, gilt im hinteren Bereich der Commander-Modus. Dort sitzen auch Thorsten, Levent, Felix, Joshua und Lenny. Sie treten gleichzeitig gegeneinander an und haben 100 Karten umfassende Decks, wobei eine Karte als Commander festgelegt wird und eine besondere Position im Match einnimmt. „Bei diesem Modus geht es auch darum, Bündnisse zu schmieden“, erklärt der 29 Jahre alte Levent. Bereits im Vorfeld habe jeder der Männer seine Decks zu Hause zusammengestellt. „Da steckt Persönlichkeit drin.“

Einige der Akteure kannten sich bereits vor ihren Freitagsspielen. Wieder andere haben bei den FNM neue Freundschaften geschlossen, die längst über Magic hinausgehen. „Man hat hier unterschiedliche Altersklassen, die das Kartenspiel verbindet“, sagt Joshua. 

Der 28-jährige Offenbacher hat sich diesmal ein Deck zusammengestellt, das Lebenspunkte generiert. Innerhalb weniger Züge sind aus seinen anfänglich 40 bereits mehr als 50 geworden. Deckideen gibt es im Internet, anschließend hat Joshua aus den mehr als 1000 Magic-Karten, die er zu Hause hat, sein favorisiertes Deck erstellt. 

Ist eine teure Karte nicht vorhanden, spielen die Freunde auch mit Platzhaltern, bis sie an die echte Karte kommen. Denn letztlich kostet jede Karte Geld. Manche nur ein paar Cents, andere auch mal 30 Euro. „Ich versuche immer im Budget zu bleiben“, verrät Joshua. Das heiße 15 bis 20 Euro pro Bestellung. Und keines seiner zusammengestellten Decks soll mehr als 80 Euro kosten.

Mittlerweile hat Thorstens Deck – das ihm ironischerweise Lenny geliehen hat – schon zum zweiten Mal gewonnen. Während der 25-jährige Mühlheimer gut lachen hat, wollen die anderen nochmals Revanche. „Am wichtigsten ist das Zusammensein“, sagt Levent, aber eine Partie zu gewinnen ist natürlich auch nicht schlecht. Jeder der Teilnehmer hat sich auf ein bis zwei Farben spezialisiert. Von denen gibt es in Magic fünf Stück: Weiß, Schwarz, Blau, Rot und Grün. Joshua beispielsweise mag Weiß, das für Frieden und weiße Magie steht. „Da gibt es viele positive Kreaturen.“ 

Levent setzt eher auf Schwarz, das Tod und Nekromantie verkörpert. „Mir gefällt der Spielstil und die Mechanik, Kreaturen aus dem Friedhof zu beschwören“, sagt er. Dagegen hat der 23-jährige Felix sich diesmal ein Deck rund um Zacama, das Urchaos, gebaut. Der riesige Dinosaurier führt eine ganze Armee von kleineren Dinos in die Schlacht.

Auffällig ist an diesem Abend, dass nur eine Frau an den Tischen sitzt. Magic sei ein sehr männliches Spiel, erklärt Verkäufer Fabio Sousa; mehr als eine Handvoll Frauen kämen selten zu Events im Laden. Thorsten glaubt, dass, wenn sich mehr Frauen auf das Spiel einließen, es ihnen auch Spaß machen würde. Die neueren Motive der Karten seien nicht mehr so düster wie früher, und es gebe viele Karten, die auch weibliche Spieler toll fänden. Levent glaubt, dass Frauen das Hobby vielleicht als Zeitverschwendung ansehen.

Beate, die einzige Spielerin an diesem Abend, schätzt die Situation anders ein. „Ich glaube schon, dass es einige Frauen gibt, die Magic spielen, aber die spielen eher zu Hause“, sagt die 30-Jährige. Sie selbst stieß 2004 zum Spiel, ist seitdem dabei geblieben und kommt fast jeden Freitag zur Magic-Nacht. „Ich spiele am liebsten das Draft-Turnier, weil man nie das gleiche Deck hat und auch der Gegner immer andere Decks hat.“ Für alle anderen Frauen hat sie noch einen Tipp: „Traut euch, es ist gar nicht so schlimm.“

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