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Das Mädchenkulturzentrum Mafalda im Nordend ist für viele Mädchen und junge Frauen ein wichtiger Treffpunkt.

Nordend

Mafalda: „Die psychische Belastung ist bei vielen Mädchen enorm hoch“

Das Mädchenkulturzentrum Mafalda im Nordend ist für viele Mädchen und junge Frauen ein wichtiger Treffpunkt. Seit der Corona-Krise sind die Räume in der Höhenstraße geschlossen. Seither ist der Bedarf an Hilfe und Beratung gestiegen.

Das Mädchenkulturzentrum Mafalda drängt darauf, zeitnah wieder öffnen zu können. Derzeit hat die Einrichtung des Trägervereins Junularo an der Höhenstraße im Nordend wegen der Corona-Krise geschlossen. Die Leiterin der Einrichtung des Vereins, Meike Helmbrecht plädiert dafür, den Treffpunkt und Bildungsort für Mädchen und junge Frauen ab elf Jahren möglichst im Mai wieder zugänglich zu machen.

„In einen Laden gehen und ein Kleidchen kaufen, dass dürfen die Mädchen“, sagt Helmbrecht. „Nicht aber sich bei uns Hilfe und Beratung holen.“ Dabei werde das Angebot dringend benötigt. Zwar kommunizierten die Mitarbeiter von Mafalda momentan viel via Telefon und Online-Chat. Doch für den Schutz der Kinder sei ein direkter Kontakt unabdingbar, „nur über Face-to-face kann man sehen, was mit ihnen wirklich los ist“.

Die telefonische Beratung werde derzeit rege in Anspruch genommen. Es bestehe seit längerem, nicht erst seit der Krise. „Derzeit ist das aber unsere Lebensader zu den Jugendlichen.“

Wie belastend die Situation momentan für die Mädchen ist, habe sich etwa Ende der Osterferien gezeigt, sagt Helmbrecht. Die meisten von ihnen hätten wohl gehofft, dass sie dann wieder in die Schule und sich mit Freundinnen treffen könnten. „Nachdem klar war, dass das nicht geht, haben bei uns die Telefondrähte geglüht“, berichtet die Leiterin.

Die psychische Belastung sei bei vielen enorm hoch. Die Mädchen hätten keine Lobby. „Deshalb ist es ganz wichtig, dass bei der offenen Jugendarbeit etwas passiert – nicht nur online.“

Sehr deutlich kämen in der Corona-Pandemie die sozialen Unterschiede zum Tragen. Wer sich etwa ein Zimmer mit Geschwistern teilen müsse oder kein WLAN oder über keine alternative Technik verfüge, um seine Aufgaben angemessen zu bewältigen, „wird komplett abgehängt und bleibt auf der Strecke“, befürchtet Helmbrecht. Schließlich dürften viele Mädchen momentan ihr Haus nicht verlassen oder nur sehr eingeschränkt, „das ist Wahnsinn!“

In der Übergangsbleibe an der Höhenstraße 18, dem sogenannten Little Mafalda, könnten bei Wahrung der Hygiene- und Abstandsregeln voraussichtlich einige wenige Kinder betreut werden, sagt Helmbrecht. Denkbar seien etwa Beratungsangebote, ein Mittagstisch to go, „und wir könnten Slots für Nachhilfe anbieten“. Viel sei in dem kleinen Treff nicht möglich, „aber es geht darum, wieder irgendeinen Kontakt mit den Mädchen herzustellen“.

Helmbrecht geht davon aus, dass das neue Domizil Mitte August bezogen werden kann. Es liegt auf der anderen Seite der Höhenstraße, „wir müssten nur die Sofas rübertragen“. Dort stehen drei Räume und eine Küche zur Verfügung. Voraussichtlich erst im kommenden Jahr werde dann auch ein Bewegungsraum im Hof und der Außenbereich zugänglich sein.

Junularo musste das neue Jugendhaus suchen, da dem Verein in der Gaußstraße gekündigt worden war. Das Gebäude im Hinterhof soll einem Neubau mit Mietwohnungen Platz machen. Das Büro ist seit Dezember an der Höhenstraße 23 untergebracht. Mehrere Monate lang hatte Mafalda kein Domizil, bis das Mädchenkulturzentrum Anfang März temporär die Räume einer ehemaligen Fahrschule bezogen hat. Nach nur zwei Wochen musste es wieder wegen der Corona-Krise schließen.

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