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Kaweh Mansoori, SPD-Kandidat für eines des beiden Frankfurter Bundestagsdirektmandate.
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Kaweh Mansoori, SPD-Kandidat für eines des beiden Frankfurter Bundestagsdirektmandate.

Bundestagswahl

Männerwirtschaft bei der Frankfurter SPD

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Kaweh Mansoori wird Bundestagskandidat und verdrängt Ulli Nissen nach 16 Jahren. Auch Armand Zorn wurde nominiert.

Mit den Direktkandidaten Kaweh Mansoori und Armand Zorn zieht die Frankfurter SPD in den Bundestagswahlkampf. Beide wurden am Wochenende auf zwei Delegiertenkonferenzen gewählt. Damit endet im östlichen Wahlkreis 183 (Frankfurt am Main II) eine Ära: Bei den vier vorangegangenen Wahlen seit 2005 hatte Ulli Nissen stets für das Direktmandat in Berlin kandidiert.

Die 61-Jährige gratulierte dem 30 Jahre jüngeren Herausforderer: „Kaweh Mansoori ist ein hervorragender Politiker, der mit seinem sozialpolitischen Sachverstand viel für die Arbeitnehmer:innen in Deutschland erreichen wird.“ Sie kann nun allenfalls über die Landesliste in den Bundestag einziehen, so wie bei den Wahlen 2013 und 2017.

Vorangegangen war eine emotionale Debatte am Samstag im Bürgerhaus Griesheim. Vor 86 Delegierten im Saal und 70 an den Computern daheim spitzte sich das Duell letztlich auf die Frage zu: Soll es eine Frau sein oder ein Kandidat aus einer Familie mit Migrationshintergrund? Kulturdezernentin Ina Hartwig bezog klar Position: „Wir müssen in unsere Köpfe und Herzen bringen, dass wir ein Einwanderungsland sind. Das ist das drängende Thema unserer Zeit.“

Der südhessische SPD-Vorsitzende Mansoori hatte in seiner Rede versprochen, „Politik für die vielen, nicht für die wenigen“ zu machen. „Ich will nicht, dass das Portemonnaie entscheidet, wer in Frankfurt leben kann“, sagte er. Und an die Grünen gerichtet: „Verdrängung bekämpft man nicht mit Krokodilstränen, sondern mit Steinen, Stahl und Beton – in den Günthersburghöfen, in der Josefstadt, überall in Frankfurt.“ Der Rechtsanwalt, vor zwei Jahren nach Frankfurt umgezogen, versprach seinen Einsatz für „Nachhaltigkeit mit wirtschaftlicher Dynamik“ und für Asylgerechtigkeit. „Dass ich heute hier sein darf, hat auch viel mit dem Asylsystem der 80er Jahre zu tun“, sagte Mansoori. „Das ist für mich die rote Linie.“

Ulli Nissen hatte kämpferisch angekündigt, „stark für die Schwachen, laut für die Leisen“ bleiben zu wollen. Ihr Augenmerk gelte Immobilienspekulation und Flugemissionen. „Ich gebe gern zu, ich bin die grüne Rote“, sagte sie. Die AfD wäre froh, sie nicht mehr im Bundestag zu sehen, „aber diesen Gefallen möchte ich der AfD nicht tun“.

Nun soll also Mansoori den Rechten Paroli bieten. Sein Konkurrent um das Direktmandat im Wahlkreis 183, Omid Nouripour von den Grünen, dankte Ulli Nissen „für unsere jahrelange erfolgreiche Zusammenarbeit für die Menschen in Frankfurt“. Nouripour sagte: „Ich freue mich sehr auf einen fairen demokratischen Wettbewerb mit Herrn Mansoori.“ Es sei ja auch nicht sein Fehler, dass die Frankfurter SPD in beiden Wahlkreisen Männer aufstelle „in Zeiten, in denen sogar Friedrich Merz über die Frauenquote nachdenkt“.

Damit spielte der Grünen-Politiker auch auf die Entscheidung im Nachbarwahlkreis 182 (Frankfurt am Main I) an, in dem zwei Männer für die SPD-Delegierten zur Wahl standen. Am Ende entschied der 30 Jahre alte Unternehmensberater Armand Zorn, der als Digitalisierungsexperte gilt, das Rennen für sich. Lino Leudesdorff, 33-jähriger Personalberater, Vorsitzender des Ortsvereins Höchst und Vertreter des linken Parteiflügels, unterlag.

Armand Zorn hatte unter anderem mit dem Versprechen für sich geworben, soziale Ungerechtigkeit beseitigen zu wollen. Hohe Einkommen ab 200 000 Euro im Jahr sollten künftig mit dem höchsten Steuersatz belegt, mittlere und untere Einkommen entlastet werden.

Lino Leudesdorff verfolgte den Ansatz, den Grundfreibetrag von zehn Prozent erhöhen: Es gelte, diejenigen, die von Grundsicherung lebten, nicht noch zu bestrafen, und jene zu besteuern, „die sich bisher vollständig entziehen“. Dass die SPD keine Frau nominiert habe, so Leudesdorff, sei eine „besondere Verpflichtung für uns Männer: für Gleichberechtigung einzutreten“.

Das ist also nun Aufgabe von Armand Zorn und Kaweh Mansoori. Oliver Strank, der 2017 als Direktkandidat antrat, zog diesmal kurz vor der Konferenz aus persönlichen Gründen zurück.

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