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Mächtiger Kumpel

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Von: Claus-Jürgen Göpfert

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Claus Wisser, die „rote Eminenz“, wird 80.
Claus Wisser, die „rote Eminenz“, wird 80. © ROLF OESER

Zum 80. Geburtstag des Unternehmers und Kulturmäzens Claus Wisser

Eigentlich, das gesteht er im Gespräch, wäre er gerne Architekt geworden. Heute lebt Claus Wisser immerhin seine „Affinität zu alten Häusern“ mit großer Leidenschaft aus. Etwa 30 von ihnen hat er in den zurückliegenden Jahren gekauft und sanieren lassen. Man darf davon ausgehen, dass dies kein Verlustgeschäft war. Denn der letzte sozialdemokratische Multimillionär Deutschlands versteht etwas vom Wirtschaften. Aus einer Ein-Mann-Firma zum Putzen, die er 1965 gegründet hatte, entstand der Wisag-Dienstleistungskonzern mit heute 50 000 Beschäftigten. 2011 zog sich der Unternehmer aus dem aktiven Geschäft zurück, übergab alles seinem Sohn Michael und konzentrierte sich fortan auf seine Tätigkeit als Kulturmäzen und sozialer Sponsor. Am 30. Juni feiert der gebürtige Wiesbadener seinen 80. Geburtstag.

Noch immer grummelt und brummt er gerne, wirkt als großgewachsener Mensch wie ein kleines Gebirge. Doch er ist milder geworden im Laufe der Zeit, scheint nicht mehr so hart, wie er früher manchmal sein konnte. Die Geschichte seines sagenhaften Aufstiegs vom Sohn eines kleinen Ladenbesitzers kann er, ehrlich gesagt, nicht mehr hören: „Hängt mir zum Hals raus.“ Deshalb nur noch mal kurz die Sache mit der Anzeige, die er vor 57 Jahren in der Frankfurter Rundschau aufgegeben hatte und mit der alles begann. Sie warb für den Studenten Claus als Putzmann. Recht erfolgreich.

Seinen Werdegang fasst er heute so zusammen: „Wenn Du so viel Glück hattest, ist es selbstverständlich, dass Du etwas zurückgibst.“ Heute bietet Wisag Sicherheit und Bewachung ebenso an wie Catering, Landschaftspflege, Instandsetzung, Montage, Logistik. Der Konzernchef blieb stets Sozialdemokrat und wichtiger SPD-Finanzier im Hintergrund, was ihm den Ehrentitel „Die rote Eminenz“ eintrug. In jungen Jahren war er mit Heidemarie Wieczorek-Zeul zusammen, damals als „rote Heidi“ und Juso-Bundesvorsitzende eine linke Nervensäge für die SPD-Bundeskanzler.

Mit Wisser, dem Machtmenschen, lässt sich gut kumpeln, er duzt die, die er mag, rasch. Aber verlassen hat er sich stets nur auf sich selbst. Arbeitete hart und rund um die Uhr: „Für die Familie blieb nicht so viel Zeit, ich hab’ mich mehr um die Versorgung der Familie gekümmert.“

Vor 35 Jahren begann dann sein kulturelles Engagement. Sein Kumpel Michael Herrmann suchte einen Geldgeber, um eine verrückte Idee umzusetzen: ein großes Fest klassischer Musik im Rheingau. Wisser, der am Konservatorium in Wiesbaden Klavier studiert hatte, half gerne. So entstand das Rheingau Musik-Festival. Heute ist er Vorsitzender des 4000 Mitglieder zählenden Fördervereins, bis 2021 war er zur Hälfte an der GmbH beteiligt.

An vielen Orten aktiv

Wo überall er aktiv ist für Kultur und Wissenschaft, lässt sich schwer in wenige Worte fassen. Als Vorsitzender des Kuratoriums wirkt er als treibende Kraft des Caricatura-Museums in Frankfurt am Main. Am 30. Juni, also an Wissers Geburtstag, wird das Haus in Wiesbaden mit dem Hessischen Kulturpreis ausgezeichnet, der Mäzen ist selbstverständlich dabei. Er gehört dem Vorstand der Freunde der Frankfurter Universität ebenso an wie dem Rat der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Er steckt viel Geld in die Deutschland-Stipendien, mit denen Studierende deutscher Hochschulen unterstützt werden.

Der SPD ist er bis heute treu geblieben, auch als ihn die Jusos, dann nicht mehr unter Führung von Wieczorek-Zeul, als „Immobilienspekulanten“ attackierten. Aus der evangelischen Kirche allerdings trat er aus: Die Landeskirche wirkte auf ihn nur noch wie ein „mittelgroßes Finanzamt“. Ein tiefes Wisser-Lachen.

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