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Die lebensgroße Figur ist fast fertig.

Madonna-Figur

Madonna kehrt zurück

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Die Kopie einer spätgotischen Madonna-Figur aus dem 15. Jahrhundert soll ein Fachwerkhaus in der neuen Altstadt zieren. Das Original war hier fast 500 Jahre zu bewundern.

Eine spätgotische Madonnenfigur, die fast 500 Jahre die Fassade des im Zweiten Weltkrieg zerstörten „Goldenen Lämmchens“ in Frankfurts Altstadt zierte, wird in gut zwei Jahren an selber Stelle wieder zu sehen sein. Holzbildhauer Thomas Hildenbrand fertigt im Zuge der Rekonstruktion des früheren Patriziersitzes und Messehofs eine Kopie der 1,68 Meter großen Skulptur.

Wie das Original, das sich im Depot des Historischen Museums befindet und – um dieses nicht zu gefährden –, dort auch bleiben soll, wird sie aus Nussbaumholz sein. Mit diesem Material zu arbeiten, sei auch für ihn etwas Besonderes, sagt der Holzbildhauer aus dem baden-württembergischen Oberaspach. Es eigne sich zwar hervorragend für Skulpturen, sei früher aber sehr teuer gewesen und daher nicht oft verwendet worden. Damit sich das Holz später nicht verziehe, müsse er für eine kontrollierte Trocknung sorgen, sagt er. Jeden Tag befeuchte er daher die Oberfläche der Skulptur neu und trockne sie mit einem Klimagerät.

Mit den Arbeiten an der eigentlichen Figur ist Hildenbrand bereits fast fertig. Momentan beschäftigt er sich mit dem Konsolstein, auf dem die Madonna einmal stehen wird. Rund 400 Stunden wird ihn die Fertigung der Kopie am Ende gekostet haben, schätzt er. Anschließend übernimmt eine Malerfirma aus Groß-Bieberau (Kreis Darmstadt-Dieburg) die Farbfassung der lebensgroßen Figur. Um den früheren Anstrich so genau wie möglich zu treffen, hat eine Restauratorin an der zwischen 1450 und 1480 geschaffenen Originalfigur eine Farb-Recherche vorgenommen.

Das „Goldene Lämmchen“ wird dieser Tage als eines von 15 Gebäuden des früheren Altstadtteils zwischen dem Kaiserdom und dem Römer so originalgetreu wie möglich rekonstruiert. Besonders viel Mühe und Geld fließen in die „Goldene Waage“, einen Fachwerkbau, der einst als Vorzeigehaus der Renaissance galt und ein Teil des historischen Museums war. Spezialisten errichten dort dieser Tage aus Spolien – Überresten des historischen Gebäudes – und aus Neckartäler Hartsandstein einen 13 Meter hohen Treppenturm. Die Holzkonstruktion war nach alten Zimmermannstechniken im westfälischen Lemgo gefertigt worden.

Wie die 20 Neubauten, die auf dem nur etwa ein Fußballfeld großen Areal entstehen, sollen die Rekonstruktionen Ende 2017 bezogen werden können. Läden, Lokale und rund 80 Wohnungen sind geplant.

Die Kosten für das nach wie vor umstrittene Projekt beziffert die städtische Dom-Römer-Gesellschaft auf rund 170 Millionen Euro.

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