Ärzte in Frankfurt

Uni macht Zahnärzten Konkurrenz

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    Steven Micksch
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Die Frankfurter Uni gründet ein zahnmedizinisches Versorgungszentrum, das ab sofort allen Patienten mit Zahnproblemen offensteht.

Das Frankfurter Universitätsklinikum macht den niedergelassenen Zahnärzten Konkurrenz: Wie die Pressestelle der Goethe-Uni am Mittwoch mitteilte, wurde ein zahnmedizinisches Versorgungszentrum gegründet, das ab sofort allen Patienten mit Zahnproblemen während der regulären Öffnungszeiten von 9 bis 17 Uhr offensteht.

Wie die Geschäftsführerin von „Carolinum Plus“, Corinna Jung, auf Anfrage erklärte, befindet sich das neue Zentrum in unmittelbarer Nähe des alten Carolinums, dem traditionellen zahnärztlichen Universitäts-Institut, das in erster Linie für die Ausbildung des zahnärztlichen Nachwuchses zuständig ist. „Wir sitzen im Haus 29A und 29 nah beieinander“, sagte Jung. Juristisch gesehen, ist Carolinum Plus eine Tochterfirma der Goethe-Universität.

Außer der Versorgung von Patienten verspricht sich das Universitätsklinikum auch mehr Patienten für die Forschung und Lehre zu gewinnen, die den Studierenden vorgestellt werden.

Derzeit würden im Carolinum viele Behandlungen von Studierenden übernommen – obwohl sie „oft zu komplex für die Ausbildung“ seien, heißt es in der Pressemitteilung vom Mittwoch. In dem neuen Versorgungszentrum stehe nun ein Team spezialisierter Zahnärztinnen und -ärzte zur Verfügung, die ein breites Spektrum an interdisziplinären Behandlungen abdecken.

 Neueste Techniken

Gute Kontakte zur Poliklinik für Oralchirurgie können etwa Patienten zugutekommen, die bei einem Unfall einen Teil ihrer Schneidezähne verloren haben. Auch die ästhetische Zahnmedizin ist vertreten. Es würden neueste Techniken und Materialien eingesetzt, um Zahnfarbe, Zahnform und Zahnstellung zu korrigieren. Während das Universitätsklinikum mit dem Versorgungszentrum sein Angebot deutlich ausweitet, wird der zahnärztliche Notdienst des Carolinums zum Monatsende eingestellt, so dass diese Aufgabe vollständig den niedergelassenen Zahnärzten überlassen wird.

Jahrelang konnten Menschen mit akuten Zahnbeschwerden abends und am Wochenende zum freiwilligen Notdienst gehen. Die Patienten bekamen fachgerechte Hilfe, während die Studenten, die Teil des Teams waren, etwas lernten.

Mehrere Dinge hätten zu der Schließung geführt, sagt Robert Sader, Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor des Carolinums. Zum einen seien die Patientenzahlen sukzessiv zurückgegangen – auch weil die Versorgung durch andere Notdienste verbessert wurde. Zum anderen müsse man stets den Mehrwert für den Studenten beachten.

„Wir haben einen Lehr- und Forschungsauftrag, keinen Versorgungsauftrag“, erklärt Sader. Zwar hätten die Studierenden immer etwas gelernt, aber die Notpatienten seien später in der Regel wieder von ihrem Hauszahnarzt behandelt worden, wodurch die Studenten die Fälle nicht weiter beobachten konnten. Weitere Gründe seien verschärfte Anforderungen bei Hygiene und Strahlenschutz und, dass der Notdienst auch nicht ökonomisch relevant war.

In der Regel seien in den Abendstunden fünf bis sieben Patienten gekommen. Am Wochenende waren es zwischen fünf und zehn. Das Carolinum wird tagsüber aber weiterhin behandeln. Von 8 bis 16.30 Uhr können Patienten sich in zahnmedizinischen Fragen an das Team im Haus 29 am Theodor-Stern-Kai 7 wenden – immer unter der Prämisse, dass Studenten die Behandlung durchführen dürfen.

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