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Britische Fahnen wie hier in London werden in Frankfurt kaum in solcher Zahl wehen. Jobs aber könnten wegen des Brexits schon von der Themse an den Main wechseln.

Brexit

Macht der Brexit Frankfurt zum neuen London?

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Wir stellen besonders gelungene Beiträge aus unserem Schülerwettbewerb „präsentieren & gewinnen“ vor.

Was wird aus Frankfurt, wenn der Brexit kommt? Macht eine riesige neue Stromleitung, die für die Energiewende gebraucht wird, die Landschaft kaputt? Was lässt Städte für Unternehmen als Standort attraktiv erscheinen?

Das sind nur einige der Fragen, auf die Schülerinnen und Schüler im Wettbewerb „präsentieren & gewinnen“ Antworten gesucht – und gefunden – haben. Deutlich wird dabei, dass die Jugendlichen sehr wohl wissen, dass Entscheidungen der Politik und in der Wirtschaft ihr eigenes Leben beeinflussen.

Auf dieser Doppelseite stellen wir zehn Arbeiten aus der aktuellen Wettbewerbsrunde vor. Sie zeichnen sich durch eine hohe handwerkliche Qualität und originelle Fragestellungen aus. Die Jury wird nun aus allen Einsendungen jene drei Teams auswählen, die als Gewinner aus dem Wettbewerb hervorgehen. Als Sieger können sich alle fühlen.

Wettbewerb: Beteiligen können sich alle Kurse im Fach Politik und Wirtschaft der gymnasialen Oberstufen in Hessen. Die Teams, deren Wettbewerbsbeiträge wir auf dieser Doppelseite vorstellen, haben durch ihre Originalität, Gründlichkeit und Aktualität beeindruckt. Aber auch jene Teilnehmerinnen und Teilnehmer, deren Arbeiten wir nicht vorstellen können, haben zumeist sehr bemerkenswerte Ergebnisse abgeliefert.

Veranstalter:

Eingeladen zu dem Wettbewerb hat die Frankfurter Rundschau gemeinsam mit der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) und der Landesarbeitsgemeinschaft Schule-Wirtschaft, und das bereits zum 13. Mal.

Jury: Die Juroren sind Stefan Schulte, Vorstandsvorsitzender der Fraport AG, Tilman Wittershagen, Sprecher der Geschäftsleitung der Deutschen Bank, sowie der bisherige Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, Arnd Festerling. Sie wählen aus allen Beiträgen die drei Gewinner aus.

Preise: Die drei siegreichen Teams erhalten die Gelegenheit, ihre Beiträge in einem öffentlichen Forum zu präsentieren, über das wir ausführlich berichten werden. Zudem gibt es als Preise iPads inklusive der Frankfurter Rundschau als E-Paper.

Weitere Informationen unter fr.de/schuelerforen, wo auch die Beiträge vergangener Jahre zu finden sind, und auf schule-wirtschaft-hessen.de

Freihandel: Was bringt ein Deal mit Singapur?

Mit den USA lief es, was den Warenaustausch angeht, auch schon mal besser. Da scheint es nicht verkehrt, wenn die Europäische Union mit anderen Teilen der Welt engere Bande knüpft. Zum Beispiel mit Singapur, jenem kleinen, aber feinen Stadtstaat in Südostasien. Zölle entfallen, Investitionen werden erleichert. Davon kann auch Hessen profitieren. Georgi Kumchev, Enes Salija und Nico Smith von der Kurt-Schumacher-Schule in Karben haben detailliert aufgeschlüsselt, welche Vor- oder auch Nachteile ein Freihandelsabkommen der EU mit Singapur bringt und dabei auch Vergleiche mit anderen Abkommen gezogen. Interessant dabei ist sicher, dass das kleine Singapur immerhin eine Wirtschaftleistung hat, die in etwa der von Hessen entspricht – wozu Banken, Handel und Versicherungen einen Großteil beitragen.

Kurt-Schumacher-Schule Karben, Lehrkraft: Florian Cöster, Schülerteam: Georgi Kumchev, Enes Salija und Nico Smith

Weinbau: Wie soll man Start-ups fördern?

Im Rheingau spielt die Weinwirtschaft seit Jahrhunderten eine bedeutende Rolle. Bei aller Tradition aber mischen neue, kleine Betriebe mit ihren kreativen Ideen die gesamte Branche immer wieder auf. Wie etwa „Geile Weine“. Sedat Aktas gründete vor vier Jahren zusammen mit dem gelernten Winzer Michael Reinfrank diesen Onlineshop für Weine. Die Idee: die Personalisierung von Weinflaschen für bestimmte Zielgruppen und Anlässe. Konstantin Genadiev, Noah Leonhardt und Hasoor Tahir von der Internatsschule Schloss Hansenberg sind der Frage nachgegangen, welche Förderung solche Start-ups brauchen, wie sinnvoll diese ist und welche Strukturen neuen Ideen auch zum Markterfolg verhelfen. Das Thema liegt den Hansenbergern nahe, gehört doch die Lese im eigenen Weinberg zu den Ritualen des Internats. 

Internatsschule Hansenberg Geisenheim, Lehrkraft: Paul Rauh, Schülerteam: Konstantin Genadiev, Noah Leonhardt und Hasoor Tahir

E-Mobilität: Sind Autos mit Stromantrieb wirklich sinnvoll?

Wie die Mobilität der Zukunft aussehen könnte, kann man auf der Autobahn 5 bei Darmstadt besichtigen. Dort ist seit einigen Monaten der eHighway in Betrieb – ein zehn Kilometer langes Stück Straße, auf dem speziell ausgerüstete Lastwagen an Oberleitungen den Strom abzapfen, den sie zum Fahren benötigen. Aber vielleicht sieht die Zukunft ja auch ganz anders aus, denn dass sich die E-Mobilität überall durchsetzt, ist nicht ausgemacht. Vor allem drei Gründe sind es, die die Menschen noch davon abhalten, sich selbst einen Stromer anzuschaffen, wie Martin Holzheuser, Hugo Schlott und Robin Stadler von der Albrecht-Dürer-Schule in Weiterstadt in ihrem Wettbewerbsbeitrag deutlich machen: zu geringe Reichweite, zu hohe Anschaffungskosten und zu wenige Ladestationen. Immerhin 33 Modelle haben die Schüler gefunden, die in Deutschland zurzeit für Privatkäufer auf dem Markt angeboten werden. Bis, wie in Norwegen, jedes fünfte gekaufte Auto einen Elektromotor hat, ist es aber dennoch ein weiter Weg. An anderer Stelle könnte sich die E-Mobilität schneller durchsetzen. So schaffen immer mehr Kommunen E-Busse an, um die Luft in ihren Innenstädten rasch zu verbessern. 

Albrecht-Dürer-Schule Weiterstadt, Lehrkraft: Monika Müller-Ahlheim, Schülerteam: Martin Holzheuser, Hugo Schlott und Robin Stadler

Brexit I: Wie wirkt sich der Brexit auf Frankfurt aus?

Frankfurt ist ein starker Finanzstandort. Im Vergleich zu London aber, wo allein mehr als 400 000 Menschen im Bankensektor arbeiten, erscheint er eher klein. Mit einem Brexit könnten sich die Gewichte verschieben, bräuchten doch viele Banken eine Niederlassung auf dem Kontinent, um auch nach dem Ausscheiden Großbritanniens aus der EU in Europa Geschäfte machen zu können. Und der Wandel hat schon begonnen. Annabelle Hennemann, Jacob Krüger und Gero ten Hövel von der Martin-Niemöller-Schule in Wiesbaden haben versucht zu ergründen, welche Auswirkungen der Brexit auf Frankfurt haben könnte. Eines ist dabei schon mal klar: Kommen viele gut bezahlte Bankmitarbeiter an den Main, wird das Leben, gerade was das Wohnen angeht, sicher nicht billiger. Und auch die Verkehrsinfrastruktur, Schulen oder Kinderbetreuungseinrichtungen gerieten unter Druck. Bereits heute haben mehr als 200 Kreditinstitute eine Vertretung in Frankfurt, davon rund 100 aus dem Ausland. Die Helaba geht davon aus, dass bereits 25 Banken dabei sind, ihre Zentrale von London nach Frankfurt zu verlegen oder ihre Präsenz in Frankfurt zu verstärken. Von 8000 neuen Stellen durch den Brexit ist die Rede, manche Schätzungen reichen noch höher. Die Frage ist, ob die Politik diesen Wandel gestalten kann? Und wie sieht ein Frankfurt aus, das zum neuen London würde? 

Martin-Niemöller-Schule Wiesbaden, Lehrkraft: Johanna Trick, Schülerteam: Annabelle Hennemann, Jacob Krüger und Gero ten Hövel

Brexit II: Vorbereitet?

Ein derart langer Anlauf bis zum Sprung wird wohl selten genommen. Im Juni 2016 haben die Briten beschlossen, die EU verlassen zu wollen. Seitdem beherrscht der Brexit die politsche Debatte auf der europäischen Ebene, und noch immer ist nicht absehbar, was nun wirklich passiert. Können sich Unternehmen unter diesen Bedingungen auf einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union eigentlich vorbereiten? Und wenn ja, wie tun sie das? Nils Kuhlmann und Niklas Schneider vom Wilhelmsgymnasium Kassel haben versucht, sich davon ein Bild zu machen. Welche Auswirkungen hätte der Brexit auf Deutschland? Was bedeutet das Ganze für die Arbeitsplätze hierzulande oder auf der Insel? Das Solartechnik-Unternehmen SMA im nordhessischen Niestetal etwa hat erst kürzlich 26 Wechselrichter für Großspeicher nach England verkauft und wird auf jeden Fall weiterhin dort präsent bleiben. Allerdings erwartet das Unternehmen höhere Zölle und damit eine Verschlechterung seiner Wettbewerbsposition. Volkswagen, das ebenfalls ein Werk in Nordhessen hat, geht davon aus, dass Lieferwege schwieriger werden, Preise steigen und die Wartezeiten länger werden. 

Wilhelmsgymnasium Kassel, Lehrkraft: Stefan Kollmann, Schülerteam: Nils Kuhlmann und Niklas Schneider

Hanau: Was macht die Stadt so attraktiv?

Einst war es Atomdorf, doch heute ist Hanau ein attraktiver Standort vieler Unternehmen. Heraeus und Dunlop gehören dazu, Evonik und Umicore. Die Materialtechnik ist einer der Schwerpunkte. Hanau hat eine runderneuerte Innenstadt und verfügt dank riesiger ehemaliger US-Kasernen über genug Platz für zahlreiche neue Bewohnerinnen und Bewohner - die die Stadt demnächst über die 100 000-Einwohner-Marke heben werden. Jan Erdmann und Berenike Gielen von der Paul-Gerhardt-Schule haben untersucht, was die Stadt richtigmacht und wo es noch Luft nach oben gibt. So muss es ihrer Ansicht nach weiter darum gehen, die Branchenvielfalt zu erhöhen, Arbeitsplätze zu sichern und die Unternehmen dabei zu unterstützen, sich am Standort weiterhin gut zu entwickeln. 

Paul-Gerhardt-Schule Hanau Lehrkraft: Martin Scharlau Schülerteam: Jan Erdmann und Berenike Gielen

Suedlink I: Fluch oder Segen für Osthessen?

Suedlink ist eine 700 Kilometer lange Stromleitung, die Windkraft aus dem Norden zu den Verbrauchern im Süden Deutschlands transportieren soll. Sie ist ein wesentlicher Baustein der Energiewende. Und sie führt durch Hessen. Genauer gesagt: durch den Werra-Meißner-Kreis, und zwar auf 59 Kilometern Länge. Jedenfalls dann, wenn dieser Trassenvorschlag verwirklicht werden sollte. Vielen Menschen in Osthessen ist dieser Gedanke ein Graus. Sie fürchten Schäden für die Landwirtschaft durch die Erwärmung des Bodens, die das Erdkabel verursachen könnte. Außerdem würde das Projekt Milliarden Euro. Aber gibt es Alternativen? Kann eine dezentrale Energieerzeugung die gewaltigen Leitungen überflüssig machen? Raul Guthardt, Luke Herwig und Leon Volkenant suchen in ihrer Arbeit nach Anworten. 

Berufliches Gymnasium Eschwege, Lehrkraft: Dr. Claus Wenzel, Schülerteam: Raul Guthardt, Luke Herwig und Leon Volkenant

Suedlink II: Was kostet uns der grüne Strom?

Ist der Preis für regenerative Energien zu hoch? Dabei ist es für Antony Kabak, Maurice Siegel und Konrad Wenderoth nicht einmal so sehr die Frage, ob zu viel Geld investiert werden muss – sondern, ob die Kosten für Mensch und Umwelt tragbar scheinen. Ganz konkret geht es um eine geplante Erdkabelleitung, die den Werra-Meißner-Kreis durchquert. Dazu haben sie die Positionen der Parteien eingesammelt und mit Politikern gesprochen, die vor Ort ihren Bürgerinnen und Bürgern gegenüber ein Für und Wider neuer Stromtrassen verantworten müssen. Zumindest für die Landwirtschaft werden Einbußen befürchtet, auch die Natur könnte leiden. Demgegenüber steht der Nutzen erneuerbarer Energien, die es ermöglichen, Kraftwerke abzuschalten, die zur Klimawende beitragen. 

Berufliches Gymnasium Eschwege, Lehrkraft: Dr. Claus Wenzel, Schülerteam: Antony Kabak, Maurice Siegel und Konrad Wenderoth

Dax-Unternehmen: Richtig in Bad Homburg?

Fresenius ist ein deutsches Medizintechnik- und Gesundheitsunternehmen und ist in Bad Homburg zu Hause. Das Unternehmen ist im Pharma- und Gesundheitsdienstleistungsbereich tätig und ist einer der größten privaten Krankenhausbetreiber in Deutschland. Aber ist Bad Homburg für eine solche Firma wirklich der richtige Standort? Benjamin Becht, Adrian Fietze und Reis Thomas Kato vom Kaiserin-Friedrich-Gymnasium kommen in ihrem Wettbewerbsbeitrag zu einem ganz klaren Ja. So ist der Hebesatz bei der Gewerbesteuer hier niedriger als im nahen Frankfurt, die Straßen sind weniger verstopft, und die Verkehranbindung ist dennoch gut. Zudem ist es nicht weit bis zu den kulturellen und sportlichen Angeboten der Großstadt. Einzig an großen Erweitungsflächen scheint es zu fehlen. 

Kaiserin-Friedrich-Gymnasium Bad Homburg Lehrkraft: Dr. Hans-Jürgen König Schülerteam: Benjamin Becht, Adrian Fietze und Reis Thomas Kato

Startups: Sind Fintechs Frankfurts Zukunft?

Fintechs sind Unternehmen, die ihre Finanzdienstleistungen auf der Basis digitaler Technologien anbieten. Paypal ist ein solches Fintech-Unternehmen oder N26, das Bankgeschäfte anbietet. Viele Fintechs sind Start-ups und wirbeln mit ihren Ideen die Banken- und Versicherungsbranche ganz schön durcheinander. Was bedeutet das für einen Finanzstandort wie Frankfurt? Können die etablierten Geldhäuser und Versicherungsunternehmen in diesem Wettbewerb mithalten? Nadja und Eliana von der Dreieich-Schule in Langen haben in ihrem Beitrag ausführlich dargestellt, wie eine Gründerszene wie jene um die Fintechs herum funktioniert, welche Faktoren zu ihrem Gedeihen beitragen und welche Auswirkungen das auf Arbeitsplätze und Kundenverhalten hat. Dass Frankfurt Potenzial hat, ist dabei unbestritten. Die Frage ist nur, ob es seine Stärken auch nutzt. 

Dreieich-Schule Langen Lehrkraft: Andreas Habermann Schülerinnenteam: Nadja und Eliana

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