„Die Häuser denen, die drin wohnen“, war ein Slogan, der bei der Fahrraddemo in Frankfurt zu hören war.
+
„Die Häuser denen, die drin wohnen“, war ein Slogan, der bei der Fahrraddemo in Frankfurt zu hören war.

Wohnen

Luxuswohnungen in Frankfurt sollen verschwinden

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
    schließen

Hunderte demonstrieren auf einer Radtour gegen Leerstand, profitorientierte Immobilienkonzerne und die Bebauung der Grünen Lunge am Günthersburgpark.

Auf einer Fahrraddemonstration mit Kundgebungen haben am Samstag mehrere Hundert Menschen eine sozialere Wohnungspolitik eingefordert. Die Polizei zählte 220 Teilnehmer, die Veranstalter gingen von der doppelten Menge an Menschen aus.

Zur Demonstration „Gemeinsam gegen Mietenwahnsinn, Rassismus und Klimawandel“ aufgerufen hatten unter anderem die Initiativen Stadt für alle, Mietentscheid Frankfurt, Grüne Lunge bleibt, Project Shelter, Ende Gelände, Fridays for Future, Migrantifa Hessen, Solidarisches Gallus.

Vor dem Wohnturm Praedium an der Europa-Allee 101/103 kritisierten die Veranstalter den „Luxusleerstand made by Nassauische Heimstätte“. In dem Wohnturm stehen dem Vernehmen nach die Hälfte der Wohnungen leer, weil die Eigentümer sie als Kapitalanlageobjekte nutzen und spekulieren, dass die Preise steigen.

Vor dem Gebäude hatten die Aktivisten den Quadratmeterpreis in dem Wohnturm des hessischen Wohnungskonzerns Nassauische Heimstätte auf den Boden gemalt: 8500 Euro. „Solche teuren Wohnkomplexe, die sich die meisten Menschen nicht leisten können, brauchen wir in Frankfurt nicht“, sagte ein Sprecher.

Annette Wippermann vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Hessen forderte den Hessischen Minister für Wohnen, Tarek Al-Wazir (Grüne) dazu auf, eine Wohnraumzweckentfremdungsverordnung einzuführen. So wie in München. Dort wird damit verhindert, dass Wohnungen mehr als drei Monate leer stehen oder dauerhaft für Airbnb genutzt werden.

Das Land müsse auch mehr tun, die Zahl der sozial geförderten Wohnungen zu erhöhen, sagte sie. Diese seien in den vergangenen zehn Jahren um die Hälfte zurückgegangen, weil Wohnungen aus dem Bestand fielen. Begleitet von der Polizei, welche die Straßen sperrte, fuhren die Teilnehmer anschließend zur Zentrale des städtischen Wohnungsunternehmens ABG Holding in der Niddastraße 107. „Die ABG, welche 50 000 Wohnungen besitzt, kann den Wohnungsmarkt extrem beeinflussen“, sagte Lisa Hahn vom Mietentscheid Frankfurt.

Jede achte Wohnung in Frankfurt sei im Besitz der ABG: Wenn das Unternehmen die Mieten senke, wirke sich das auf den Mietspiegel aus, an dem sich wiederum die allgemeinen Mieten orientieren. Sie rief den Magistrat dazu auf, den Mietentscheid umzusetzen. Er sieht eine Mietsenkung bei der ABG auf 6,50 Euro pro Quadratmeter vor. Die ABG würde demnach nur noch Sozialwohnungen bauen, auf welche in der Stadt 23 000 Wohnungssuchende warteten.

Der Magistrat hat das erfolgreiche Bürgerbegehren zum Mietentscheid, das 25 000 Menschen mit ihrer Unterschrift unterstützt haben, abgelehnt. Die Initiative will juristisch dagegen vorgehen.

Nach einem Abstecher zum Paradieshof (siehe nebenstehenden Text) demonstrierten die Teilnehmer gegen den Wohnkomplex „Marie“ des Immobilienkonzerns Instone Real Estate in der Richard-Wagner-Straße 14. Auch wenn es dort 55 geförderte Wohnungen gebe, würden bei den meisten der 180 Wohnungen Preise ab 7000 Euro pro Quadratmeter abgerufen, sagte Felix Wiegand von Stadt für alle.

Eine Wohnung koste zwischen 800 000 und 2,2 Millionen Euro. „Dieses Luxusquartier ist das Gegenteil einer Stadt für alle.“ Aktivisten hatten zuvor Beutel mit grüner Farbe auf die Musterwohnungen für das Luxusquartier geworfen.

Profitorientierte Wohnungskonzerne wie Instone, Deutsche Wohnen und Vonovia sollten nicht mehr in der Stadt bauen dürfen, sagte er. Es bedürfe einer Vergesellschaftung der Wohnungen dieser Unternehmen, um regulativ in der Markt einzugreifen und die horrenden Miet- und Eigentumspreise zu drücken.

Als Vorbild nannte er den Volksentscheid „Deutsche Wohnen und Co. enteignen“ in Berlin, welchen der Berliner Senat nun seit einem Jahr prüft.

Zum Abschluss radelten die Teilnehmer zum nördlichen Günthersburgpark und riefen dazu auf, die Bebauung der sogenannten grünen Lunge zu verhindern. Dabei handelt es sich um ein 16 Hektar großes biodiverses Areal mit Wiesen, Gärten und Bäumen, auf welchen die Stadt die „Günthersburghöfe“ umsetzen möchte. Unternehmen wie Instone wären daran beteiligt.

Die Veranstalter befürchten, dass neben einer vorgeschriebenen Quote an Sozialwohnungen und genossenschaftlichen Wohnungen in den meisten Fällen Luxuswohnungen entstehen.

Auch fiele die Frischluftschneise weg, geschützte Tier- und Pflanzenarten gingen an dieser Stelle verloren, der Boden würde versiegelt, sagte Peter Beckmann von der Initiative für den Erhalt der grünen Lunge. Er forderte die Stadtpolitik dazu auf, den Bebauungsplan B880 nicht umzusetzen.

„Wenn Instone mit den Baggern anrückt, dann leisten wir Widerstand, dann stehen wir hier in Ketten“, sagte ein Aktivist.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare