Im Sommercamp der Philipp-Holzmann-Berufsschule holen die Schüler einen Teil dessen nach, was sie wegen Corona verpasst hatten.
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Im Sommercamp der Philipp-Holzmann-Berufsschule holen die Schüler einen Teil dessen nach, was sie wegen Corona verpasst hatten.

Ausbildung

Lücken schließen in Frankfurt statt Urlaub auf Mallorca

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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Zu Besuch im Sommercamp an der Philipp-Holzmann-Berufsschule in Frankfurt, wo die Schildermacher ihr Handwerk erlernen. Auch wenn eigentlich Sommerferien sind.

Die Schulschließungen haben nicht nur die allgemeinbildenden Schulen getroffen. Gelitten unter den Einschränkungen durch Corona haben auch die Berufsschulen. Jetzt wird in den Ferien nachgeholt, was in den Monaten zuvor nicht oder nur unvollständig gelernt werden konnte. Beispielsweise an der Philipp-Holzmann-Schule in Frankfurt, direkt neben dem Campus Westend der Goethe-Universität, wo sich unter anderem Schilder- und Lichtreklamehersteller ihr Handwerk aneignen.

„Drei volle Wochen Blockunterricht sind ausgefallen“, berichtet Fachlehrer Mario Kolodzeike. Das entspricht fast einem Viertel des Ausbildungsjahrs. Der 50-Jährige war heilfroh, als aus dem Wiesbadener Kultusministerium das Angebot kam, eine Woche davon in den Ferien nachzuholen. „Die ganze Klasse war sofort dabei, alle 18, und keiner hat auch nur eine Stunde gefehlt“, sagt Kolodzeike.

Von Montag bis Freitag haben sie nun zusammen im sogenannten Sommercamp gelernt und gearbeitet. „Das ist schon etwas anders als in anderen Schulwochen, sehr intensiv“, erzählt Ronny Miftari. „Man ist die ganze Zeit in Bewegung, ist nur am Machen, ganz viel Praxis“, sagt der 25-Jährige, der seine Ausbildung in einem Betrieb in Otzberg-Lengfeld im Kreis Darmstadt-Dieburg macht und dann zu den Berufsschulwochen nach Frankfurt pendelt.

7000 Schülerinnen und Schüler haben sich laut Kultusministerium zu einem der Sommercamps angemeldet. Diese werden an mehr als 100 Schulen in Hessen angeboten und dauern in der Regel eine Woche. 


15 000 Teilnehmende aus den Jahrgangsstufen 1 bis 8 werden für die Ferienakademie in den letzten beiden Ferienwochen erwartet. Das ist ein neues Angebot, das ebenfalls Lücken schließen soll, die durch die Schulschließungen entstanden sind. Unterrichtet werden sie von Lehramtsstudierenden, die dabei Praxiserfahrungen sammmeln sollen.

An die Klassenstufen 1 bis 5 richtet sich das Angebot „Ferdi“, bei dem online gelernt werden kann.

Der Deutschsommer , den die Stiftung Polytechnische Gesellschaft veranstaltet, ist in dieser Woche zuende gegangen. An elf Orten in Hessen haben insgesamt rund 340 Grundschüler ihre Sprachkenntnisse verbessert. pgh

Eigentlich hätte Miftari jetzt Urlaub gehabt. „Aber den kann ich später immer noch nachholen, jetzt bin ich erst mal glücklich, dass es das Camp gibt.“ Er würde sogar gerne noch eine zweite Woche dranhängen. Doch jetzt muss erst einmal eine genügen.

„Natürlich können wir nicht alles nachholen, was sonst in drei Wochen passiert wäre“, sagt Lehrer Kolodzeike. Aber die wesentlichen Inhalte ließen sich in den fünf Tagen schon rüberbringen.

Heute geht es darum, ein Stück Plexiglas in Form zu bringen. Ronny Miftari und seine Klassenkameradin Vanessa Frank werfen dazu eine Fräse an. Dann muss der Kunststoff mit Hilfe einer Holzform rundum gefast werden; dabei wird überstehendes Material abgetragen. Vanessa Frank macht das heute zum ersten Mal. Es gehört schon etwas Fingerspitzengefühl dazu, die Form sauber an der Fräse entlangzuführen. Später könnte daraus das Teil einer Neonreklame werden.

„Wir haben nächstes Jahr im Sommer unsere Abschlussprüfung, deshalb finde ich es gut, dass wir jetzt viel von dem nachholen können, was wegen Corona ausgefallen war“, sagt die 23-Jährige. Für sie und ihren Chef war es selbstverständlich, das Angebot zum Sommercamp anzunehmen.

„Wir freuen uns sehr, dass wir als Berufsschule zum ersten Mal ein solches Camp mit Unterstützung des Kultusministeriums anbieten können“, sagt Schulleiterin Yvonne Sprock. In diesem Jahr war das wegen Corona möglich. Der Bedarf sei aktuell auch besonders groß. Doch in den Ferien gerade die fachpraktischen Arbeiten noch einmal zu vertiefen, sei auch in anderen, normalen Jahren keine schlechte Idee, findet sie.

Die Teilnahme am Camp ist freiwillig, sowohl für die Auszubildenden als auch für die Lehrkräfte. Diese erhalten für ihren Einsatz ein Entgelt von 26 Euro je Unterrichtsstunde, sagt Schulleiterin Sprock. Nicht überall wird das Angebot so gut angenommen wie bei den Berufsschülern im Schilder- und Lichtreklamehersteller-Handwerk.

So gibt es an der Philipp-Holzmann-Schule in diesem Jahr auch zum ersten Mal ein Sommercamp für die Berufsfachschüler. Das sind vollschulische Ausbildungsgänge, die Schüler und Schülerinnen verbringen ihre Zeit also ausschließlich in der Schule und haben auch (noch) keinen Ausbildungsvertrag mit einem Betrieb.

„In diesem Jahr gab es ja kein Sitzenbleiben“, erzählt Schulleiterin Sprock. Aber natürlich war auch die Berufsfachschule wochenlang nur sehr eingeschränkt arbeitsfähig. Auch dort ist viel versäumt worden. „Wir haben deshalb mit allen geredet, die aufgrund ihrer Leistungen besser ein Jahr freiwillig wiederholt hätten“, sagt Sprock. „Aber nur fünf Prozent haben auf uns gehört.“ Die anderen machen weiter.

Damit die Lücken nicht allzu groß bleiben, können sie von 3. bis 8. August ebenfalls zum Sommercamp kommen. „Gerechnet haben wir mit 40 Teilnehmern“, sagt Sprock. Angemeldet haben sich gerade einmal 15.

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