FR-Altenhilfe

"Ich hätte die Pizzeria behalten sollen"

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Sofia C. hat in Frankfurt eine Pizzeria gehabt. Als sie ihren Sohn bekommt, gibt sie das Lokal auf und zieht ihn allein groß. Heute muss sie von einer kleinen Rente leben. Geld von der FR-Altenhilfe kann sie gut gebrauchen.

Sofia C. ist niemand, die gern klagt. Ihre Rente ist klein, auch mit Grundsicherung reicht es kaum. Die gebürtige Italienerin muss auf vieles verzichten, versucht, sehr sparsam zu leben. Geht noch manchmal putzen, um sich etwas dazuzuverdienen. „Aber ich beschwere mich nicht. Ich habe ein schönes Leben gehabt“, sagt die elegante, jünger aussehende Frau, die seit vielen Jahren im Gallus wohnt. Auch dass sie gesund sei, sei doch ein großes Glück. Die vielen Treppenstufen in ihre Wohnung machen ihr noch keine Probleme, den ganzen Sommer über fährt sie alle Strecken mit dem Rad, feiert gern mit Freunden auf der Terrasse.

1950 in Sizilien geboren, zieht sie mit vier Jahren mit ihrer Familie nach Mailand. Mit 20 kommt sie mit ihren Eltern nach Frankfurt. In Italien hatte sie als Sekretärin gearbeitet, nun ist sie, obwohl sie am Anfang kein Deutsch spricht, erst bei Neckermann, dann bei der Deutschen Bahn, schließlich bei Propangas im Büro. Als ein Cousin vorschlägt, eine Pizzeria zu öffnen, macht sie sich selbstständig. Das Lokal an der Schäfergasse, einer Nebenstraße der Zeil, ist ein Erfolg. Acht Jahre ist sie als Wirtin tätig, kocht, macht Pizza, gern auch mit ein bisschen Show, wenn Kinder zuschauen. Wenn Sofia C. irgendetwas bereut in ihrem Leben, dann, das sie das Lokal aufgegeben hat. „Ich hätte die Pizzeria behalten sollen“, sagt sie heute.

Doch mit 39, als sie kaum noch damit rechnet, wird sie schwanger. Das sei wie ein Sechser im Lotto gewesen. „Ich wollte unbedingt Mutter werden.“ Der Vater ihres Sohnes, ein Grieche, ist damals zwar schon lange mit ihr liiert, aber mit einer anderen Frau verheiratet. Erst Jahre später sagt Sofia C. ihm „basta“. Sie zieht den heute 28 Jahre alten Sohn, der zurzeit vorübergehend wieder bei ihr wohnt, allein groß. Gibt das Lokal auf, arbeitet nur noch Teilzeit, unregelmäßig.

Das Geld der FR-Altenhilfe kann sie daher gut gebrauchen. Dem Enkelsohn will sie Weihnachtsgeschenke kaufen, sich auch selbst mal etwas gönnen. „Vielleicht eine gute Flasche Wein.“ Zu Ostern will sie ihren 86 Jahre alten Vater besuchen, der inzwischen wieder in Sizilien lebt, in einem Dorf im Landesinnern. Ihr Sohn überlegt auszuwandern, in die Heimat seiner Mutter zu ziehen. Für sie selbst kommt das eher nicht infrage. Zu lange hat sie in der Großstadt gelebt, in Mailand, in Frankfurt, um sich das Leben auf dem Dorf vorstellen zu können. Längst auch hat sie viel mehr Jahre in Deutschland als in Italien verbracht. „Ich bin inzwischen eher Gast dort.“            

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