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Im Lessinggymnasium spielt die Kammermusik-Combo „Bohemian Rhapsody“ von Queen.

Losverfahren

Losverfahren an Frankfurter Schulen: Weitverbreitete Skepsis

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Schülerinnen, Schüler und Eltern zeigen Verständnis, äußern allerdings auch rege Kritik am neuen Verfahren.

Lärmende Kinder an einem Samstag in der Schule, halb interessierte, halb überforderte Eltern, genervte Oberschüler, die möglichst schnell nach Hause und im Idealfall zurück ins Bett wollen, an einem Tag der offenen Tür hat sich auch in den vergangenen Jahren nicht viel verändert. Faszinierte und ein bisschen verschüchterte Grundschüler gucken durch Mikroskope und betrachten chemische Schauexperimente, während auf dem Schulhof ihre baldigen Schulkameraden hartnäckig versuchen, möglichst viele Flyer auf einmal loszuwerden. Zwei Besichtigungstage finden an diesem Samstag statt und es ist viel los. Der erste Wechsel in die weiterführenden Schulen, seitdem das Staatliche Schulamt Frankfurt das Auswahlverfahren geändert hat, rückt stetig näher. Von nun an können Schulen nur noch Schüler bevorzugt aufnehmen, die bestimmte Kriterien erfüllen, also zum Beispiel als Härtefall gelten, eine bestimmte erste Fremdsprache oder einen Schwerpunkt in Musik oder Sport wünschen. Der Rest der Schüler wird zugelost.

Ein Thema, welches an diesem Wochenende natürlich auf den Höfen und Korridoren der Schulen besprochen wird. „Ein bisschen verunsichert bin ich schon noch. So ganz klar ist mir die Regelung noch nicht“, erzählt Silke Meier. Die junge, alleinerziehende Mutter hofft, dass ihr Kind einen Platz in einer Schule in der Nähe erhält. „Das wäre schon wichtig. Ich habe noch ein zweites Kind, welches ich vor der Arbeit in die Kita bringen muss. Da will ich nicht durch die halbe Stadt fahren.“ Eine weitere Mutter findet es schade, dass durch die neue Regelung Gruppen von Kindern, die in der Grundschule zusammen waren, auseinander gerissen werden. „Ich verstehe natürlich auch, dass das neue Modell fairer ist, aber für die Kinder ist das natürlich doof.“

Tage der offenen Tür

Realschulen
Louise-von-Rothschild-Schule, Samstag, 15. Februar, 9.30 – 12.30 Uhr

Robert–Koch–Schule, Samstag, 15. Februar, 9–13 Uhr

Gymnasien
Adorno-Gymnasium, Freitag, 14. Februar, 16–19 Uhr

Elisabethenschule, Freitag, 14.2, 17–20 Uhr

Goethe-Gymnasium, Samstag, 15. Februar, 9.30–13 Uhr
Gymnasium Riedberg, Samstag, 15. Februar, 9–12 Uhr

Heinrich-von-Gagern-Gymnasium, Samstag, 15. Februar, von 8.30 bis 12.30 Uhr

Leibnizschule, Freitag, 14. Februar, 15–18 Uhr

Musterschule, Samstag, 15. Februar, 9–12.30 Uhr

Schillerschule, Samstag, 29. Februar, 9–12 Uhr sabu

Das Lessinggymnasium im Westend ist ein Schule mit Musikschwerpunkt. Damit wird auch in Zukunft bei der Auswahl ein Teil der Schüler, die sich ein musikalisches Profil wünschen, bevorzugt. Aber auch diese Ausnahme verursacht Sorgenfalten bei manchem Elternteil. „Meine Befürchtung ist, dass sich jetzt viel mehr Schüler hier bewerben als sonst, weil sie denken, hier sicher angenommen zu werden“, klagt Veronika, die mit ihrer Tochter die Schule besucht. „Kinder, die sich wirklich für Musik interessieren, könnten darunter leiden.“ Einerseits befürwortet sie die Transparenz bei der Auswahl, die mit der Neuregelung einhergeht, andererseits würde sie sich wünschen, dass die Anzahl der Auswahlkriterien erweitert werden. „Es ist schon komisch, dass Ausnahmen nur bei Fremdsprachen und einem Musik- oder Sportinteresse möglich sind. Dafür werden andere Interessen oder auch der Wohnort oder die Berufstätigkeit der Eltern völlig vernachlässigt.“

Ebenso wie das Lessinggymnasium besitzt auch die Integrierte Gesamtschule Herder im Ostend einen schulischen Schwerpunkt. Als eine der ersten Kulturschulen in Hessen legt die Schule einen hohen Wert auf künstlerisches Arbeiten. Frau Philip ist eine von vier Kulturkoordinatorinnen der Schule. „Wir bemühen uns darum, ein breites Angebot von ästhetischen Zugängen zu schaffen.“, erzählt sie. Die Lehrerin, die Englisch, Französisch, Darstellendes Spiel und Kunst unterrichtet, führt weiter aus: „Das heißt, dass wir in vielen verschiedenen Fächern versuchen, eine Brücke zu künstlerischen Themen zu schlagen. Also auch in Fächern, die vermeintlich wenig damit zu tun haben, wie etwa in den Naturwissenschaften.“ Zusätzlich dazu fördert die Schule ihren Schülern mit speziellen Kunstuntericht. In der fünften und sechsten Klasse wird der sogenannte Kupra-Unterricht angeboten, der aus Elementen wie Kunst, Musik, Darstellendes Spiel und kreativem Schreiben besteht. Ab der 7. Klasse können die Kinder dann selbst entscheiden, in welchen kreativen Bereichen sie Kurse belegen wollen. Auch dabei ist die Bandbreite groß. Von Theater, Tanz, Fotografie oder Film ist alles dabei. So soll jedes Kind die Chance haben, herauszufinden, welcher künstlerische Bereich ihm zusagt und darin individuell gefördert werden.

Das Konzept kommt an bei den Eltern. Auf Unverständnis stößt allerdings die Tatsache, dass es sich bei dem Kulturschwerpunkt der Schule, anders als etwa beim Musikschwerpunkt des Lessinggymnasiums, nicht um einen vom Kultusministerium zertifizierten Schwerpunkt handelt. Somit kann der Wunsch nach einem kulturellen Profil bei der Schulzuweisung nicht mehr berücksichtigt werden. „Ich verstehe nicht, was es für einen Unterschied macht, ob mein Kind jetzt gerne singt oder malt. Entweder, man lässt solche individuellen Wünsche zu oder eben nicht. Aber da einen Unterscheidung zu machen, das kann ich nicht nachvollziehen“, meint ein junger Vater. Er würde seine Tochter gerne an der Schule anmelden, nur: „Der Einzige werde ich damit vermutlich nicht sein.“

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