Äußere Stadtteile

Lost in Harheim

Die äußeren Stadtteile Frankfurts sind auf Busverbindungen angewiesen. Der Streik betrifft die Menschen dort besonders.

Harheim lässt sich als eher ländlicher Stadtteil Frankfurts beschreiben. Wenn man vom Bahnhof Frankfurt-Berkersheim in Richtung Harheim läuft, kommt man über eine Straße, die durch eine Wiese führt. In der Ferne sieht man die Niddabrücke, dahinter eine Baumgrenze und den Sportplatz der SG Harheim. Wäre es nicht so nasskalt wie am Dienstag, dann könnte man den etwa 15- bis 20-minütigen Fußweg als netten Spaziergang betrachten, so ist er eher lästig.

Die Wahl des Fußwegs ist an diesem Dienstag allerdings nicht freiwillig, sondern für viele Harheimer die einzige Alternative, um zur Arbeit, Uni oder Schule zu kommen, denn auch in Harheim streiken die Busfahrer. In den äußeren Stadtteilen Frankfurts sind die Bewohner stärker auf Busverbindungen angewiesen als die Leute, die in der Nähe der Innenstadt wohnen.

Das sieht man schon, wenn man online, auf der Website des Rhein-Main-Verbunds, nach Verbindungen von Harheim zum Hauptbahnhof, zur Konstablerwache oder nach Frankfurt-West sucht. Ohne Bus kommt man von Harheim gar nicht zum Startbahnhof, von dem aus es dann ans gewünschte Ziel geht.

Tatsächlich sind am Dienstag die meisten Bushaltestellen in Harheim wie leergefegt. Dort hängen zwar gelbe Informationsschilder. Die kündigen allerdings nicht den Streik an, sondern informieren über Änderungen des Linienwegs der Buslinie 25. Wegen Bauarbeiten an der Niddabrücke fahren die Busse seit dem 11. November einen anderen Weg. Wenn sie denn fahren.

Eine ältere Dame erzählt der FR, dass sie selbst zwar nicht direkt betroffen sei vom Busfahrerstreik, jedoch finde sie das Ausfallen der Busse schlimm. „Ich verstehe die Busfahrer, aber wie sollen die Leute denn zur Arbeit kommen oder die Kinder zur Schule?“ Ihre Frage beantwortet sich die Dame dann selbst mit einer Mutmaßung: „Jetzt nehmen bestimmt mehr Leute wieder das Auto, dabei soll man doch weniger Auto fahren.“

Stephan Wystob ist direkt vom Streik der Busfahrer betroffen. Der 32-jährige Wissenschaftler wohnt seit sechs Jahren in Harheim und fährt normalerweise mit der Buslinie 28 nach Kalbach und von dort mit der Bahn zum Campus Riedberg.

Wenn der Bus nicht fährt, dann läuft er zu Fuß den eingangs beschriebenen Weg zum Bahnhof Berkersheim, fährt von dort zwei Minuten mit der S-Bahn und läuft dann noch einmal 20 Minuten zu Fuß.

Auch Wystob hat Verständnis für die Busfahrer. Er ärgert sich im Allgemeinen über die Anbindung des Stadtteils. „In Harheim brauchst du eigentlich ein Auto, um wirklich mobil zu sein. Würde Harheim nicht so nah am Riedberg liegen, wäre der Stadtteil für mich ungeeignet.“

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