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tDas helle Haus in der Bildmitte kam am Montag unter den Hammer. Monika Müller
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tDas helle Haus in der Bildmitte kam am Montag unter den Hammer. Monika Müller

Verkauf von Mehrfamilienhäusern

„Los Wochos“ beim Amtsgericht Frankfurt

  • Oliver Teutsch
    VonOliver Teutsch
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Von der Streuobstwiese bis zum Mehrfamilienhaus wird alles zwangsversteigert. Aktuell ist die Zwangsversteigerung eines Mehrfamilienhauses in Frankfurt-Sachsenhausen.

Frankfurt - Saal Horizont im Kongresszentrum Kap Europa der Messe sieht ein bisschen aus wie ein riesiges Klassenzimmer beim Elternabend. Knapp drei Dutzend Menschen haben sich an diesem Montagnachmittag (26.07.2021) zu einer Zwangsversteigerung des Amtsgerichts eingefunden. Unter den Hammer kommt das Mehrfamilienhaus Deutschherrnufer 27. Verkehrswert laut Grundbuch: 3,28 Millionen Euro.

Acht Mietparteien wohnen in dem Haus in Sachsenhausen mit schönem Blick auf den Main und die Skyline. Die Zwangsversteigerung wird zwecks Aufhebung der Gemeinschaft betrieben. Soll heißen: Die Eigentümer der Immobilie sind nicht insolvent, sondern wollen die Besitzverhältnisse ändern und schaffen das nicht ohne amtliche Hilfe.

Solche Zwangsversteigerungen gibt es derzeit laut Amtsgericht sehr häufig. Wirtschaftliche Einschränkungen, etwa aufgrund der Corona-Pandemie, seien derzeit noch kaum ein Grund für Zwangsversteigerungen. Wegen der Pandemie fasst das Amtsgericht solche Termine allerdings wochenweise gebündelt zusammen und hat dafür den riesigen Saal im Kap Europa angemietet. Es ist bereits die dritte Veranstaltung dieser Art in diesem Jahr. Bereits im März und Mai hatte es zwei Versteigerungswochen gegeben, bei denen insgesamt Zuschläge in Höhe von 21,3 Millionen Euro erteilt wurden. Schnäppchen gibt es dabei kaum. Die Summe der Erlöse hatte um 32 Prozent höher gelegen als die ursprünglichen Verkehrswerte.

Frankfurt: Mehrfamilienhäuser in Sachsenhausern unter dem Hammer

In dieser Woche kommen unter anderem zwei Mehrfamilienhäuser in Sachsenhausen und dem Nordend, eine Streuobstwiese in Hofheim, Eigentumswohnungen und auch ein Tiefgaragenstellplatz in Fechenheim unter den Hammer. Den Auftakt macht am Montag das Deutschherrnufer 27. Das Haus gehörte bislang zu je 50 Prozent einer Privatperson aus Frankfurt und einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) mit Sitz in Bad Homburg.

Mitbieten darf jeder, der zehn Prozent des Verkehrswerts als Sicherheit hinterlegt. Sollten letztlich weniger als 70 Prozent des Verkehrswerts erlöst werden, dürfen die Vorbesitzer das Gebot ablehnen. Ein rein hypothetischer Hinweis, wie Rechtspflegerin Susanne Kassold kurz vor Beginn der Zwangsversteigerung der FR verrät: „Das kommt in Frankfurt nicht zum Tragen.“ Zu begehrt sind Immobilien in der Bankenmetropole. Kurz darauf wird es ernst. „Dann darf ich um 13.56 Uhr zum Bieten aufrufen“, sagt Rechtspflegerin Kassold, die vorne am Pult sitzt.

Frankfurt: Eigentümerin des Mehrfamilienhauses bietet selbst mit

Die Anfangszeit erwähnt sie, weil die Mindestbietzeit 30 Minuten beträgt. Als erster traut sich ein Herr aus Dietzenbach aus der Deckung. Schwarze Hose, buntes Polohemd, goldene Uhr und Sonnenbrille. Er muss bei Kassold am Pult seinen Ausweis und eine Bürgschaft vorlegen. „Drei Millionen, 400 000, Sicherheit wurde geleistet, ich lasse das Gebot zu“, verkündet Kassold. Ein stattliches Gebot, das schon über dem Verkehrswert liegt, den einige Interessenten wohl schon für zu hochhielten, wie es im Vorfeld hieß. Das Amtsgericht hatte für das 1904 erbaute Haus mit mehr Interessenten gerechnet.

Das nächste Gebot lässt nicht lange auf sich warten. Die GbR, bislang zu 50 Prozent Eigentümerin, steigt nun selbst ein. Dreieinhalb Millionen. Zu der GbR gehört auch ein gewisser Klaus Gerster, der vor allem Fußballfans noch bekannt sein dürfte. Er bittet nun den Herrn aus Dietzenbach zu einem Gespräch auf den Gang. Aus einer Gruppe von drei Männern, die wie beim Skatabend zusammensitzen, löst sich derweil ein leidlich bekannter Unternehmer und gibt das nächste Gebot ab: 3,55 Millionen. Was immer der Gesprächsinhalt auf dem Gang war, er hält den Interessenten aus Dietzenbach nicht vom weiteren Bieten ab: 3,6 Millionen Euro.

Frankfurt: Weitere Versteigerung zu Mehrfamilienhaus folgt

Zwischen den Geboten herrscht Stille. Zu hören ist nur die Lüftungstechnik des Tagungsgebäudes. Die GbR um Gerster wartet einige Minuten, dann kommt das nächste Angebot: 3,7 Millionen. Noch einmal legt der Dietzenbacher nach, letztlich geht der Zuschlag nach einer halben Stunde für 3,8 Millionen an die GbR, der künftig 100 statt 50 Prozent des Hauses Deutschherrnufer 27 gehören werden. Ein zweiter Termin in der Sache wird noch folgen. Dann wird es in nicht öffentlicher Sitzung um die Aufteilung des Erlöses gehen. (Oliver Teutsch)

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