Geschäftsleben

Lorey in Frankfurt unter neuem Dach

  • Judith Köneke
    vonJudith Köneke
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Das Traditionsgeschäft, bisher zwischen der Großen Eschenheimer und der Schillerstraße angesiedelt, verkauft seine Haushaltswaren nun im Einkaufszentrum My Zeil.

Aus den neuen Fenstern kann man es fast sehen. Nur das Thurn-und-Taxis-Palais verdeckt das alte Geschäft an der Großen Eschenheimer/Schillerstraße. Seit Anfang September hat Lorey im My Zeil geöffnet. Im ersten Stock des Einkaufszentrums gibt es jetzt die Haushaltswaren, Heimtextilien und Wohnaccessoires auf rund 1000 Quadratmetern. Das ist nur noch die Hälfte der Fläche, die man im ehemaligen Stammhaus hatte – und trotzdem wirke es größer, sagt Geschäftsführer Philipp Keller, der das Unternehmen in siebter Generation leitet.

An einer kleinen Bar können sich erschöpfte Einkäufer bei einem Glas Wasser erst mal ausruhen. „Wir wollen, dass die Kunden sich hier wohlfühlen und gerne Zeit verbringen“, erklärt Keller. Darum hat er auch viel Geld und Energie in die neuen Räume gesteckt. Rund eine Million Euro hat der Umbau gekostet.

Neben den Fenstern, die für mehr Licht sorgen, wurde der Boden sechs Mal abgeschliffen, bis das Holzparkett wieder zu sehen war, neue Lampen und Möbel eingebaut. Gemeinsam mit einem Architekten plante Keller und ließ sich von Besuchen in anderen Metropolen Europas inspirieren, wie der 48-Jährige berichtet.

Für Keller war das alte Gebäude mit seinen verwinkelten Flächen und fünf Stockwerken nicht mehr zeitgemäß. Die wenigsten Kunden hätten es in die dritte Etage geschafft. Ein Umbau des Hauses, in dem das Geschäft seit 1911 ansässig gewesen war, hätte viel Geld gekostet. Die Kissen etwa habe vorher kaum jemand registriert, sagt Keller und zeigt auf eine Regalwand. Eine Frau steht bereits mit zwei Kissen unter dem Arm davor. „Mit der neuen Präsentation kommen sie gut an und wir mussten sogar schon nachbestellen.“

Das Sortiment ist ein wenig verkleinert worden, es gibt keine Elektrokleingeräte mehr im Laden. „Wir haben aussortiert und bieten nur die Stücke an, die wir als am besten erachten“, so Keller. Beratung gebe es natürlich weiterhin und das sei es auch, was sie von anderen unterscheide. Dafür sind auch alle 35 Mitarbeiter mit gewechselt.

An die 224-jährige Geschichte Loreys erinnern immer wieder Eckpunkte im Geschäft, ob ein alter Herd, Vitrinen oder Schwarz-Weiß-Fotos oder Werbeplakate, die Keller abfotografieren ließ. Auf hellgrünen Möbeln wird die Ware präsentiert – nicht mehr nach Marken, sondern Themenbereichen geordnet. Am Eingang begrüßt die Kunden ein riesiger Elefant aus Kunststoff. Darunter stehen mehrere Exemplare eines Bilderbuchs. Keller hat es während des Lockdowns selbst geschrieben.

Als im vergangenen Jahr die Umzugspläne publik wurden, seien viele Kunden traurig und geschockt gewesen, erinnert sich Keller. „Vor allem die Älteren waren skeptisch dem My Zeil gegenüber.“ Doch viele seien nun positiv überrascht und Luftlinie seien es ja nur 100 Meter vom früheren Geschäft. Mit den Besucherzahlen ist er bislang zufrieden. Es fänden auch neue Kunden zu ihnen, viele davon jünger, dem Publikum des Centers entsprechend. Bei den Jüngeren seien vor allem Backutensilien sehr gefragt.

Ein wenig Sorgen bereitet Keller noch der Verkauf des Stammhauses. Denn kurz nachdem er mit einem Käufer alles unter Dach und Fach glaubte, hat die Stadt das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. „Das war eine böse Überraschung.“ Man sei noch in Gesprächen mit dem Käufer und der Stadt, berichtet Keller.

Lorey, My Zeil, Zeil 106. Geöffnet: 10 bis 20 Uhr, ab November donnerstags bis samstags bis 21 Uhr.

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