Der Frankfurter Mousonturm-Intendant Matthias Pees mit einem Modell des Umbaus seines Theatersaals. 
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Der Frankfurter Mousonturm-Intendant Matthias Pees mit einem Modell des Umbaus seines Theatersaals.

Coronaschutz

Logen im Mousonturm Frankfurt

  • Andreas Hartmann
    vonAndreas Hartmann
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Spannendes Architekturexperiment: Das Frankfurter Künstlerhaus Mousonturm baut zum Schutz vor Corona aufwendig um.

Ein Haus im Haus plant das Frankfurter Künstlerhaus Mousonturm - die avantgardistische Architektur, Idee der bekannten Bühnenbildnerin Barbara Ehnes und umzusetzen vom Architektenkollektiv „Raumlabor Berlin“, soll den Zuschauern einen Besuch ohne Angst vor einer Corona-Infektion ermöglichen und gleichzeitig den weiterhin strengen Behördenauflagen entsprechen.

„In der Gastronomie ist die Vorschrift, fünf Quadratmeter pro Gast zu garantieren, inzwischen gefallen. Wir wünschen uns sehr, dass das auch im Theater bald soweit ist“, sagte Mousonturm-Chef Matthias Pees am Mittwoch bei der Vorstellung der Pläne für die neue Saison. Weil das aber noch völlig offen ist, baut der Mousonturm eben erst einmal um.

Die neue Saison im Mousonturm

Der umgebaute Theatersaal des Frankfurter Mousonturms, Waldschmidtstraße 4, soll am 3. September mit der Uraufführung des Stücks „Show me a good time“ von Gob Squad eröffnen. Erste Gäste sind vom 12. bis 16. September die kanadische Choreografin Dana Michel und vom 23. September der Frankfurter Choreograf Fabrice Mazliah.

Geplant sind in der neuen Saison Theaterstücke, Konzerte, Performances und eine Ausstellung über die Rolle schwarzer Deutscher in der Musikindustrie. Es gibt Kooperationen mit dem Schauspiel Frankfurt, dem Palmengarten oder dem Frankfurt Lab. Das ausführliche Programm steht online unter www.mousonturm.de. aph

Es solle ein „altertümliches Ding werden“, sagte der Architekt Benjamin Förster-Baldenius. Die ovale Konstruktion aus Stroh und Lehm erinnert an Shakespeares berühmtes Londoner Globe-Theater, mit einem ovalen Innenhof, in dem gespielt wird, und einzeln von außen zugänglichen Logen auf zwei Stockwerken für Paare, Freunde oder Familien. Platz bietet der Bau im Bau allerdings nur für maximal 50 Besucher. Ein Foyer gibt es nicht, Sekt oder Selters würden in der Loge serviert.

Förster-Baldenius schwärmt von der Architektur, die er mit einem Fuchs- oder Maulwurfsbau vergleicht. „Ich glaube, das bietet ganz andere Möglichkeiten, Theater zu verstehen“, sagte er. Vieles könnte hier ganz anders und spielerisch möglich sein als sonst in dem großen Theatersaal. „Wir überlegen beispielsweise, ob wir den Zuschauern eine Kommunikation mit Dosentelefonen oder Papierfliegern ermöglichen“, sagt der Architekt. Bisher existiert nur ein Pappmodell, umgesetzt werden soll es bis zum September.

Und natürlich wird hier nun nach vielen Monaten Pause dann auch wieder gespielt. Der Mousonturm ist, anders als andere Häuser, noch geschlossen. Das liege auch an der internationalen Ausrichtung des Hauses, sagte Intendant Pees. Viele Künstler könnten aktuell nicht reisen. Er hoffe, dass sich das bald ändere. Das neue Saisonprogramm bleibt aber eines mit Unwägbarkeiten.

Stattfinden sollen, wenn irgendwie möglich, das Tanzfestival Rhein-Main, das am 30. Oktober beginnt, und das Minifestival im Palmengarten vom 28. bis 30. August, ein Ersatz für das gestrichene „Summer in the City“ ebenda. Spannend dürfte ein Ausstellungsprojekt werden, das „Deutsche Museum für Schwarze Unterhaltung und Black Music“ sucht noch Exponate, von der Autogrammkarte bis zur mit den Konterfeis schwarzer deutscher Musiker bedruckter Bettwäsche. Die Künstlerinnen sind erreichbar unter schwarzedeutschewelle@gmail.com.

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