Erinnerung

Im Loch

Plötzlich bist du aus dem Leben gekippt

Es war zehn Minuten nach der jüngsten Betriebsversammlung. Gerade war klar ausgesprochen worden, dass wahrscheinlich 400 Kollegen ihre Stelle verlieren werden, dass noch immer kein Verlag oder Investor die FR gekauft hat. Zehn Minuten später standst du mit ein paar Kollegen im Newsroom, es gab Sekt, die Gläser klirrten, ihr lachtet.

Es war ein Beispiel für die mir manchmal unbegreifliche Zähigkeit und in vielen Krisen in den vergangenen 13 Jahren erworbenen Robustheit, die alle Rundschau-Kollegen auszeichnet, die bis hierher durchgehalten haben. Es war aber auch typisch für dich. Wo du warst, wurde immer gelacht. An deinem Schreibtisch, an irgendeinem anderen Schreibtisch, wo du gerade stehen geblieben warst, draußen in eurer Raucher-Clique. Irgendwie gingst du ständig rauchen und schriebst trotzdem einen Text nach dem anderen, offenbar in einem Affentempo, dennoch gut recherchiert, gut formuliert.

Ohnehin hörte ich dich nie jammern, außer wenn du mal verkatert warst. Als es in letzter Zeit der FR an den Kragen ging, riefst du zum Aufbruch. Sicher fehlte dir neben der Rundschau eine journalistische Alternative in Frankfurt, sicher warst du oft auch auf der Hut und skeptisch, aber immer waren an dir eine Zuversicht und ein Selbstbewusstsein zu beobachten. Lebensfreude heißt das wohl. Beneidenswert in deiner Ausprägung.

Und so wurdest du vom kleinen Helbig zu einem Gesicht der Rundschau, die jetzt ein Loch in ihrer Mitte hat, wo du arbeitetest und lachtest. Und in dem Loch sind jetzt deine Familie, deine Freunde, deine Kollegen.

Im ersten Moment, als ich von deinem Tod hörte, dachte ich, du habest es vielleicht übertrieben mit dem vielen Arbeiten, dem ständigen Auf-der-Hut- und Auf-der-Achse-Sein. Aber in deinem Alter? Wie ich es sehe, hast du nichts falsch gemacht, lieber Felix.

Stephan Loichinger

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