Beim Karlsamt genannten Gottesdienst ziehen Ritterorden und Würdenträger feierlich in den Kaiserdom ein.
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Beim Karlsamt genannten Gottesdienst ziehen Ritterorden und Würdenträger feierlich in den Kaiserdom ein.

Frankfurt

Lobgesang auf den Kaiser

  • Denis Hubert
    vonDenis Hubert
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Im Frankfurter Dom feiert die Stadtkirche einen „Karlsamt“ genannten Gottesdienst zu Ehren Karls des Großen. Der Frankenkaiser starb am 28. Januar 814, vor 1203 Jahren.

Auf das Glockengeläut folgen die Bläser und die Orgel. Es ist Schlag 18 Uhr, das traditionelle Karlsamt im Kaiserdom St.Bartholomäus hat begonnen. Feierlich ziehen die Ritterorden in den bis auf den letzten Platz besetzten Frankfurter Altstadt-Dom ein, in dem im Mittelalter die römisch-deutschen Kaiser gewählt und später auch gekrönt wurden.

Der Gottesdienst erinnert an Karl den Großen, der am 28. Januar vor 1203 Jahren starb. Seit mehr als 600 Jahren gedenken die Frankfurter Katholiken immer am letzten Samstag im Januar des Frankenkaisers und beten für eine gute Zukunft Europas. In diesem Jahr fiel das Datum auf Karls Todestag.

Karl der Große gilt bis heute als geistiger Vordenker eines vereinten Europas und Reformer der Verwaltung, aber auch als Machtmensch und Unterdrücker. Er ist Patron der Stadt Frankfurt und des Kaiserdoms. Im Jahr 794 hatte Karl eine Reichssynode nach Frankfurt berufen und so für die erste schriftliche Erwähnung der heutigen Mainmetropole gesorgt. Laut Mythos floh Karl vor den Sachsen mit seinen Franken über eine Furt im Main. Aus der Furt wurde „Franconofourd“.

Erst vor Kurzem war eine Statue Karls des Großen an die Alte Brücke unweit des Kaiserdoms zurückgekehrt. Sie ist eine über drei Meter hohe und 3,9 Tonnen schwere Replik der Original-Statue, die von 1843 bis 1914 auf der Brücke stand. Das bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg beschädigte Original lagert derzeit in einem Depot und soll Ende des Jahres im noch im Bau befindlichen Historischen Museum gezeigt werden.

Die Zeremonie im Kaiserdom ist farbenprächtig. Der Andrang von Menschen reicht bis zum Vorraum des Sakralbaus. Es erklingen mittelalterliche, lateinische Gesänge wie die Karlssequenz, ein Lobgesang auf Kaiser und Stadt. Ein Auszug: „Frankfurt, die königliche Stadt des Reiches Fürstensitz, erster Versammlungsort der Könige, dem König der Könige singe Lob, die du dich freust am Festtage des großen Königs Karl!“

Premiere für Mädchen- und Knabenchor

Wenig später folgt die Kaiserlaudes, in der Huldigungsrufe an Christus mit Bittrufen für Kirche, Papst und Bischof, das deutsche Volk und alle Regierenden verbunden werden. In diesem Jahr gab es auch eine Premiere: Erstmals hat beim Karlsamt der Mädchen- und Knabenchor des Kaiserdoms gesungen. Unter der Leitung von Andreas Boltz gaben die jungen Sänger eine eigens für die Frankfurter Domsingschule komponierte Motette zum Besten.

Die Messe zu Ehren Karls des Großen im Kaiserdom hält jedes Jahr ein anderer europäischer Bischof, diesmal war es Franti?ek Radkovský aus dem tschechischen Pilsen. „Ein Mann, der denken kann“, wie der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, sagte. „Das tut der Kirche immer gut.“ Radkovský studierte und promovierte zunächst in Prag an der Mathematisch-Physikalischen Fakultät mathematische Statistik. Im Jahr 1970 wurde er zum Priester geweiht.

In seiner Predigt rückte Radkovský, der kurzfristig für den Erzbischof von Prag eingesprungen war, die katholische Kirche in Tschechien und die Geschichte Europas in den Mittelpunkt. So hätten das Christen- und Judentum, die griechische Philosophie und das römische Recht sowie die Französische Revolution die Kultur des Kontinents geprägt. Das Heilige Römische Reich deutscher Nation sei der Samen für die heutige Europäische Union gewesen, sagte Radkovský.

Heute steht die EU laut Radkovský vor großen Herausforderungen. Statt solidarischer christlicher Liebe vermehrten sich Egoismus und exzentrische Tendenzen. Es gebe aber eine Hoffnung für Europa, sagte Radkovský. Denn wie er in seiner Heimat Tschechien bereits festgestellt habe, fänden die Menschen in säkularisierten Gebieten allmählich wieder zum Glauben zurück – und damit auch zu christlichen Werten. „Das ist für uns eine große Überraschung, das hätten wir vor 20 Jahren nicht gedacht.“

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