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Auf ungewöhnlichen Wegen zur Buchbranche: Georg Simader. privat
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Auf ungewöhnlichen Wegen zur Buchbranche: Georg Simader. privat

Literaturbetrieb

Literaturagent Georg Simader: Mit dem gedruckten Wort verwoben

Literaturagent Georg Simader hat viele Autorinnen und Autoren entdeckt – nun zieht er in seine Zweitheimat Italien.

Auf der Frankfurter Buchmesse 2010 fahren ein Suhrkamp-Lektor und ein Literaturagent auf zwei Rolltreppen aneinander vorbei. Letzterer hat die vergangenen Monate vergeblich damit verbracht, ein Romanmanuskript mit dem Titel „Grenzgang“ verschiedenen Verlagshäusern anzubieten.

Der langatmige, frustrierende Prozess sollte in diesem Moment ein Ende nehmen und einen von Georg Simaders größten Erfolgen als Literaturagent einleiten. Denn Karsten Kredel ruft: „Wir nehmen den Roman in unser Hauptprogramm auf!“ Seitdem stand Autor Stephan Thome dreimal auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. – Solche Geschichten hinter den Geschichten kann Georg Simader viele erzählen.

Georg Simader hat nicht die typische Ausbildung eines Literaturagenten durchlaufen, hat weder Buchwissenschaften noch Germanistik studiert und ist nicht zur Abschlussprüfung seiner Ausbildung zum Verlagskaufmann angetreten.

Hingegen hat er 1980 die Buchhandlung „Zauberberg“ im oberbayerischen Weilheim eröffnet und lange für die Zeitung „Pflasterstrand“ gearbeitet. Schließlich gründete er den eigenen Verlag Georg Simader, bevor er mehrere Jahre beim Eichborn Verlag arbeitete.

Kurzum: Der Mann kannte die Branche aus allen Blickwinkeln – und die Menschen, die in ihr tätig sind. Zusätzlich hatte sich Georg Simader über die Jahre Kompetenz im Bereich des Spannungsromans erarbeitet. „Mir fiel auf, dass es bisher keine Agentur gab, in deren Mittelpunkt die Spannungsliteratur stand.“ Geboren war damit seine Agentur Copywrite.

Die Serie

Marie Waldmann besucht das Fortbildungsprogramm Buch- und Medienpraxis an der Goethe-Universität.

Die Frankfurter Rundschau kooperiert mit der Buch- und Medienpraxis und stellt in einer Serie ausgewählte Texte der Studierenden vor.

Seit 1999 ist diese gewachsen, durch Mitarbeiter:innen und Autor:innen. Georg Simader nennt Letztere grundsätzlich beim Vornamen, als wären es Freunde und Freundinnen – was viele mittlerweile auch sind, zum Beispiel Rita (Falk).

Während er mit seiner tiefen Stimme redet, verfällt er ab und zu ins Bayerische, immer wieder setzt er die Brille ab oder steht auf, um in der geöffneten Tür des roten Salons zu rauchen.

So nennt er das gemütliche Besprechungszimmer, in der Mitte ein großer Tisch, an der Wand das große Regal, das alle vertretenen Bücher archiviert. Während Georg Simader mit verschmitztem Lächeln von den verschiedenen Entdeckungen berichtet, wandern seine Augen über die Buchrücken: Alina Bronsky, Robert Hültner, Melanie Raabe, Jan Costin Wagner – ein vielfältiges und erfolgreiches Programm.

Das Haus im Frankfurter Stadtteil Ginnheim mit Garten und sechs kleinen Zimmern, Küche und Bad nennt der eine oder andere Verleger oder die Programmchefin, die zu Besuch kommen, einen „Ort der Entspannung“. Im Gegensatz zu Bürokomplexen oder herrschaftlichen Häusern, welche andere Agenturen beherbergen, verkörpert das Haus eine Form des Unangepassten.

Täglich beantworten hier die fünf Agent:innen die vielen Mails und telefonieren mit all denjenigen, die am Entstehen eines Buches beteiligt sind. Und natürlich lesen sie potenziell zu akquirierende Texte sowie Neuerscheinungen – es gilt, den Markt und die Konkurrenz zu kennen.

Nach fast 22 Jahren als Geschäftsführer von Copywrite wird sich Georg Simader nun verstärkt in seine italienischen Zweitheimat zurückziehen, wo er unter anderem beratend tätig sein möchte. Der Literaturbetrieb und sein Nachwuchs können also beruhigt sein: Sie werden weiterhin von seinem großen Erfahrungsschatz profitieren können.

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