1. Startseite
  2. Frankfurt

Limburgs Bischof Bätzing dringt auf Reformen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Peter Hanack

Kommentare

Braucht die Gesellschaft noch die Kirche? Der Limburger Bischof Georg Bätzing (links) im Gespräch mit Michel Friedman.
Braucht die Gesellschaft noch die Kirche? Der Limburger Bischof Georg Bätzing (links) im Gespräch mit Michel Friedman. © christoph boeckheler

Frauen und Homosexuelle sollen in der katholischen Kirche gleichgestellt werden. Noch dieses Jahr soll das Arbeitsrecht geändert werden. Denn die Zeit drängt.

Der Limburger Bischof Georg Bätzing hat sich für die Gleichberechtigung von Frauen und Homosexuellen in der katholischen Kirche ausgesprochen. Dazu müsse die Lehre der Kirche geändert werden, sagte Bätzing am Dienstagabend bei einem Gesprächsabend im Gesellschaftshaus des Frankfurter Palmengartens. Eingeladen dazu hatte die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main.

„Wenn wir uns nicht verändern, dann verlassen die Menschen die Kirche“, sagte Bätzing. Das betreffe die Haltung zur Rolle der Frauen ebenso wie zu gleichgeschlechtlichen Ehen und geschlechtlicher Vielfalt. Gleichzeitig zeigte sich Bätzing, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und damit oberster Vertreter der katholischen Kirche in Deutschland ist, davon überzeugt, dass christlicher Glaube nur im Rahmen der Kirche gelebt werden könne, „Das Evangelium braucht eine Trägersubstanz“, so Bätzing. Er erkannte aber auch an, dass ein Mensch auch ohne religiösen Glauben verantwortungsvoll durchs Leben gehen könne.

Seinen eigenen Glauben beschrieb er im Gespräch mit Moderator Michel Friedman als einen, der durch die persönliche Beziehung zu Gott geprägt sei: „Gott, es gibt dich“ laute dazu seine Erkenntnis, die ihm bereits als Kind aufgegangen sei.

Glaube sei zugleich geprägt durch Vertrauen. Dieses Vertrauen könne enttäuscht oder sogar zerstört werden, wie dies durch den Missbrauch von Minderjährigen durch Geistliche in der katholischen Kirche geschehen sei. Dies sei verheerend. Die Opfer, räumte er ein, seien zu lange nicht gesehen, „weggedrückt“ worden, um die Institution Kirche zu schützen: „Die Menschen spielten keine Rolle.“ Die Kirche habe dabei aber eine „enorme Veränderung“ vollzogen.

Bei Woelki ist Bätzing „zum Heulen“

Zur Frage Friedmans, wie es Vertrauen geben könne, wenn ein (wegen Missbrauchsfällen in seinem Bistum umstrittener) Kardinal wie Rainer Maria Woelki (Erzbischof von Köln; d. Red)] noch im Amt sein könne, antwortete Bätzing: In dieser Frage sei auch ihm „zum Heulen“.

Die Fragen nach der Rolle der Frauen und der Gleichstellung homosexueller Paare seien auf dem Tisch. Allerdings wisse er auch, dass es bei den Veränderungen eine berechtigte Ungeduld gebe. Es dürfe nicht mehr allzu lange dauern, damit die Menschen sich in der Kirche aufgehoben sähen.

Diskriminierung muss enden

Dieses Jahr solle das kirchliche Arbeitsrecht reformiert werden, kündigte er an. Persönliche Lebensführung und sexuelle Orientierung sollten keine Rolle mehr spielen. Die „Diskriminierung muss ein Ende haben“.

Zuletzt war Bätzing selbst unter Druck geraten, weil er im Dezember 2020 einen Pfarrer zum Bezirksdekan ernannt hatte, den er zuvor selbst wegen Belästigung ermahnt hatte. Dem Geistlichen wird vorgeworfen, im Jahr 2000 eine evangelische Pfarrerin in Ausbildung verbal und körperlich belästigt zu haben, 2007 soll er eine weitere Frau belästigt haben. Vergangene Woche war der 64-Jährige von seinem Amt zurückgetreten. Bätzing hatte die Ernennung zunächst verteidigt, sie dann aber als Fehler bezeichnet und um Entschuldigung gebeten.

Siehe „Katholische Kirche verurteilt ehemaligen Pfarrer“

Auch interessant

Kommentare