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Hier ist Handarbeit gefragt: Ein Monteur verkabelt ein Liegerad.

Fahrrad

Liegend über den Asphalt gleiten

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Die Fahrradmanufaktur HP Velotechnik baut seit über 25 Jahren individuelle Lieger der - ein Besuch bei den Fahrradenthusiasten.

Frankfurt – Sanft gleitet das Liegerad über den Asphalt hinweg. Wie weiche Butter lassen sich die Pedale durchtreten, fast so, als schwebe man knapp über den Boden hinweg. Kunststück, schließlich hilft ein monoton vor sich hin schnurrender Elektromotor beim Fahren. Damit kann jedes Liegerad ausgestattet werden, das in der Radmanufaktur HP Velotechnik in Kriftel zusammengeschraubt wird.

Auf die elektronische Fahrhilfe wollen viel Fahrradkäufer nicht verzichten, sagt Alexander Kraft von HP Velotechnik, und präzisiert: „Viele Kunden entscheiden sich für einen Hinterradmotor, um während der Fahrt den Geräuschen der Natur zu lauschen, die Vögel zwitschern zu hören.“ Und die Alternative, ein sogenannter Tretlagermotor, sei schließlich deutlich lauter.

So sieht das fertige Produkt am Ende aus: das Modell Scorpion.

Da hilft auch aller Erfindungsgeist nichts, auf den das Unternehmen westlich von Frankfurt zurückblicken kann. Vor etwas mehr als 25 Jahren fingen die damaligen Oberstufenschüler Paul Hollants und Daniel Pulvermüller – man achte auf die Anfangsbuchstaben der beiden Nachnamen – an, Fahrräder zusammenzuschrauben. Die beiden wollten damals lediglich trockenen Fußes zur Schule kommen, wenn es regnete. Das Ergebnis: Ein orangefarbenes Gehäuse über einem Liegerad, gewissermaßen das Erstlingswerk der beiden späteren Gründer von HP Velotechnik. Bis die beiden den Dreh raus hatten, musste schon auch mal eine ausrangierte Waschmaschine oder ein Liegestuhl als Fahrradsitz herhalten.

Das ist alles Schnee von gestern, heute kommen die fertigen Rahmen aus Taiwan, nur noch Bilder von früher zeugen von den laienhaften Vorgängermodellen der heute so ausgeklügelten Technik hinter den Liegerädern aus Kriftel. „Wir schicken unsere Vorschläge zum Zulieferer aus Taiwan und sind bei der Entwicklung nicht von ihnen abhängig“, sagt Kraft und besteigt eines der Liegeräder mit zwei Rädern an der Vorderseite, die in der Montagehalle zur Schau stehen. Dank der eigens entwickelten Federung an der Vorderachse können beide Räder gleichmäßig belastet werden, selbst das Kurvenfahren ist abgefedert und damit angenehm entspannt. „Die Achsenkonstruktion begeistert vor allem Ingenieure, die uns besuchen. Die sind dann immer ganz verblüfft, wie gut man hier sieht, was bei Autos nicht sichtbar ist.“

Liegerad: Das Fahrrad für Gemütliche 

Beim Werkstattbesuch sieht man nicht nur, sondern kann auch testen, wie entspannt sich die Fahrt auf einem Liegerad anfühlt. Überhaupt, sagt Alexander Kraft, sei das Liegerad ein Rad für Gemütliche: „Bei einem normalen Fahrrad geht 30 bis 40 Prozent der Körperkraft zur Spannung des Rückens drauf.“ Im Liegen werde der Rücken dagegen nicht so belastet. Kein Wunder, dass HP Velotechnik auch sogenannte Reha-Fahrräder herstellt. Gerade für altersbedingt gehandicapte Menschen wie Kunden mit Multipler Sklerose sei das ein Segen, sagt Kraft. Davon zeigen sich mitunter auch die Krankenkassen überzeugt, die die Anschaffung eines Reha-Liegerades finanziell unterstützen.

Trotzdem sind Liegeräder längst nicht nur etwas für gemütliche Naturen, andernfalls hätte sie der Internationale Radsportverband 1934 kaum von offiziellen Profi-Radrennen verbannt. „Ein normales Fahrrad hat keine Chance gegen ein Liegerad“, sagt Kraft. Grund dafür sei die besondere Aerodynamik, mit der ein geübter Radfahrer auch mal 144 Kilometer pro Stunde erreichen kann – so zumindest der Geschwindigkeitsrekord, den ein Radfahrer einmal erzielt hat, natürlich auf einem Liegerad.

Auf Hochtouren laufen derweil auch die Arbeiten in der Montagehalle. In Reih und Glied hängen die Rahmen von der Decke, die Mitarbeiter darunter schrauben Hauptrahmen und Hinterbau zusammen. Denn fast alle Räder der Firma sind in der Mitte faltbar. „So passen sie in jeden Kleinwagen“, sagt Kraft.

Sind die beiden Rahmenteile vereint, geht es in die Endmontage. Hier stehen neben jedem Monteur verschiedene Kisten, gefüllt mit filigranen, langen oder groben Einzelteilen. Die Monteure schrauben Bremsen, Licht und Gangschaltung an das nackte Gestell. Welche Einzelteile genau angefügt werden, kann der Kunde entscheiden. Damit sei „fast jedes Produkt ein Unikat“, sagt Kraft. Die Vorzüge der verschiedenen Modelle können dann am Ende der Tour bei einer Testfahrt auf dem Betriebshof ausprobiert werden.

Verlosung

Die FR verlost eine Führung durch die Radmanufaktur HP Velotechnik in Kriftel am Donnerstag, 25. Juli, für 10 x 2 Personen. Treffpunkt ist um 14 Uhr in der Kapellenstraße 49. Wer gewinnen möchte, registriert sich bis 23. Juli, 10 Uhr, unter https://fr.de/gewinnspiel. Das Losungswort lautet „Velo“. Das Los entscheidet, nur die Gewinner werden benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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