1. Startseite
  2. Frankfurt

Liebieghaus: Der Glanz ist zurück

Erstellt:

Kommentare

Harald Theiss (vorne) und Miguel González de Quevedo Ibánez haben den berühmten Rimini-Altar aufwendig restauriert.
Harald Theiss (vorne) und Miguel González de Quevedo Ibánez haben den berühmten Rimini-Altar aufwendig restauriert. Renate Hoyer (3) © Renate Hoyer

Das Frankfurter Liebieghaus hat sein berühmtestes Stück, den mittelalterlichen „Rimini-Altar“, restauriert. Jetzt leuchten die Figuren aus Alabaster wieder, fast wie vor 600 Jahren.

Alabaster – viel mehr als vornehm blasse Haut verbinden wohl nur die wenigsten mit dem Begriff, der eigentlich eine schimmernde, leicht lichtdurchlässige Gipssorte bezeichnet. Es ist ein wunderbares Material, das stets geschätzt wurde und sich leicht bearbeiten lässt, aber einen riesigen Nachteil hat: Gips reagiert äußerst empfindlich auf Wasser. Wird Alabaster nass, beginnt er sich aufzulösen.

Das vielleicht schönste Alabaster-Kunstwerk, das bis heute aus diesem weichen Material erhalten ist, gehört seit gut 100 Jahren dem Frankfurter Liebieghaus, einem der wenigen Museen weltweit, das ausschließlich Skulpturen und Plastiken aus Marmor, Bronze, Ton oder Elfenbein sammelt. Der sogenannte Rimini-Altar war tatsächlich das teuerste Kunstwerk, das die Stadt Frankfurt jemals anschaffte, kurz vor dem Ersten Weltkrieg war das, und der Kunsthändler hatte sich fatalerweise auf Ratenzahlung eingelassen. Der Altar stammt sehr wahrscheinlich aus einer Kirche des heutigen Badeortes an der Adria, und er ist eine Rarität allerersten Ranges. Geschaffen wurde er aber nicht in Italien, sondern in den damals international künstlerisch führenden Niederlanden.

Das Material stammt aus dem fränkischen Steigerwald, wie Untersuchungen jetzt gezeigt haben. „Ich finde es faszinierend, dass der unbearbeitete Alabaster vor 600 Jahren mit großer Wahrscheinlichkeit schon mal hier in Frankfurt war und wohl gegenüber von unserem Museum am Hafen umgeladen wurde“, sagt der Restaurator Harald Theiss.

Erst seit kurzem lässt sich wieder erahnen, wie prachtvoll die zahlreichen Figuren, die die Kreuzigung Christi und die zwölf Apostel zeigen, einmal gewesen sein müssen. Das ist Harald Theiss und seinem Kollegen Miguel Gonzáles de Quevedo Ibáñez zu verdanken, die den extrem empfindlichen Alabaster in langer Arbeit von den Verschmutzungen der Jahrhunderte gereinigt haben. Dazu entwickelten sie eine eigene Methode, die inzwischen bei den Kolleginnen und Kollegen der internationalen Restaurierungswerkstätten auf größtes Interesse stößt.

Grade erst war eine Expertin aus New York hier, um sich die Resultate zeigen zu lassen, und auch eine Gruppe aus dem Madrider Prado ließ sich schon führen. Das übernahm natürlich der Spanier Miguel Gonzáles de Quevedo Ibáñez, der eigens für die Restaurierung dieses Hauptwerks der mittelalterlichen Kunst eingestellt wurde und inzwischen fest in der Restaurierungswerkstatt des Liebieghauses arbeitet. In Spanien sind bis heute sehr viele Alabasterarbeiten des Mittelalters erhalten. Frankfurt und die Arbeit am Museum gefielen ihm sehr gut, sagt er begeistert.

Vier Jahre lang beschäftigten sich die beiden Experten intensiv mit den damals dunkelgrauen Figuren des Altars und stellten fest, dass diese noch weit empfindlicher waren als angenommen. „In den Handbüchern hieß es, man könne bei Alabasterfiguren behutsam mit etwas Wasser arbeiten, aber selbst das greift die Oberflächen sofort an“, sagt Harald Theiss, der aus dem schwäbischen Ulm stammt und schon als Kind von den Skulpturen des riesigen spätgotischen Münsters begeistert war. „Ich glaube, so bin ich zu meinem Beruf gekommen“, sagt er heute.

VERLOSUNG

Heute verlosen wir drei mal zwei Eintrittskarten für das Liebieghaus in Frankfurt.

Die Ausstellung „Mission Rimini“ über die Restaurierung des spätgotischen, um 1430 wohl in Brügge entstandenen Rimini-Altars ist noch bis zum 25. September 2022 im Frankfurter Liebieghaus, Schaumainkai 71, zu sehen.

Gewinn-Hotline *01378 / 800 831*

Rufen Sie bis 1. September 23.59 Uhr, bei unserer Gewinn-Hotline an und nennen Sie das Stichwort „Liebieg“. Damit wir Sie im Gewinnfall benachrichtigen können, hinterlassen Sie bitte Ihren Namen, Ihre Anschrift und Telefonnummer.

* Der Anruf kostet 50 Cent aus dem dt. Festnetz und dem Mobilfunknetz. Anbieter Telemedien Interactive GmbH, Datenschutz gibt es online unter: datenschutz.tmia.de

Wer gewinnt, wird per Zufall ermittelt und benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, eine Barauszahlung der Gewinne findet nicht statt. Mitarbeiter der beteiligten Verlage sind von der Teilnahme ausgeschlossen. FR

Das Team reinigte die Oberflächen deshalb mehrfach mit einem Laser und dann mit Agar-Agar-Gel, das man aus der Küche als pflanzlichen Gelatine-Ersatz kennt. Das Ergebnis war spektakulär. Vor der Restaurierung wirkten die Figuren in ihrem tristen Grau wie Gipsabgüsse, leblos und schmutzig. Nun leuchtet der Alabaster wie die sprichwörtliche Haut, schimmert wieder wie kostbarer Marmor – der Effekt ist verblüffend. Nun erst lässt sich auch wieder verstehen, warum selbst in Italien ein vermutlich äußerst luxuriöses und teures Import-Kunstwerk wie der Rimini-Altar aus den Niederlanden gekauft und sicher auch bewundert wurde.

Auch die Präsentation der Figuren ist eine ganz neue. Kurator Stefan Roller, der im Liebieghaus die Abteilung Mittelalter leitet, hat sich vergleichbare Stücke angesehen – wobei ein Vergleich immer hinkt. Der Rimini-Altar ist mit großem Abstand das künstlerisch beste aus dieser Region und Zeit erhaltene Skulpturenensemble. Roller hat ein Gehäuse für die Figuren rekonstruiert, wie es so vor 600 Jahren ausgesehen haben mag.

Erstaunlich monumental wirkt das Ensemble jetzt, es muss trotz der zarten, detailreichen Figuren für einen riesigen Kirchenraum gedacht gewesen sein. Im Museum kann man ganz nahe herangehen und staunen über die vielen unterschiedlichen Gesichtsausdrücke der Figuren, die atemberaubend genau beobachteten Details und den Glanz, der nun wieder über allem liegt.

Für uns ist das im Jahr 2022 ziemlich selbstverständlich, aber vor 600 Jahren, als ein Unbekannter und seine Werkstatt den Altar in den Niederlanden schnitzten, war diese neue Beobachtung der Realität ganz außergewöhnlich. Für viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gilt diese Zeit als Wendepunkt, als Ende des Mittelalters oder schon als Neuanfang. Wenn man den Rimini-Altar betrachtet, kann man sich das vorstellen.

Das Museum hat dienstags und mittwochs von 12 bis 18 Uhr, donnerstags von 10 bis 21 Uhr und freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr offen. Weitere Informationen auf www.liebieghaus.de

Spitzenstück seiner Zeit: Der rund 600 Jahre alte Altar aus kostbarem Alabaster verblüfft in den Details.
Spitzenstück seiner Zeit: Der rund 600 Jahre alte Altar aus kostbarem Alabaster verblüfft in den Details. © Renate Hoyer
Auch nach der Restaurierung werden die Figuren weiterhin sorgfältig überwacht. Hier entfernt der Restaurator Spinnenkot.
Auch nach der Restaurierung werden die Figuren weiterhin sorgfältig überwacht. Hier entfernt der Restaurator Spinnenkot. © Renate Hoyer

Auch interessant

Kommentare