Der Frankfurter Kapuzinerpater Arno Dähling, hier im Hof des Liebfrauenklosters, hat schon zahlreiche Lyrikbände veröffentlicht.
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Der Frankfurter Kapuzinerpater Arno Dähling, hier im Hof des Liebfrauenklosters, hat schon zahlreiche Lyrikbände veröffentlicht.

Liebfrauenberg

Gedichte aus dem Kloster

  • Andreas Hartmann
    vonAndreas Hartmann
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Der Dichter Arno Dähling ist Mönch am Frankfurter Liebfrauenberg - grade ist sein neues Buch erschienen.

Liest man ein Buch, stellt sich fast zwangsläufig die Frage: Von wem stammt es, und wo ist es entstanden? Ein schmaler neuer Gedichtband, der sich ganz passend in diesem Jahr des Zuhausebleibens dem Thema Reisen widmet, lässt da alle Fragen offen. Dabei haben viele Menschen in Frankfurt mit dem Autor Arno Dähling zu tun. Der 74 Jahre alte Dichter ist bekannter als Bruder Arno - dass diese Lyrik im Kloster entstanden ist, darauf käme man wohl nur schwerlich.

Seit vielen Jahren lebt der Mönch im Frankfurter Kapuzinerkloster und ist schon von Berufs wegen ein Mann des Wortes. Dähling predigt in der benachbarten Liebfrauenkirche und ist dort auch regelmäßig Seelsorger. „Ruhestand gibt es für Mönche nicht“, sagt er. Manch armer Sünder kommt eigens zu ihm nach Frankfurt zur Beichte, weil der Mönch auch Spanisch spricht. Was bewegt die Menschen in diesen Zeiten? Ist Corona ein großes Thema? „Über den Inhalt von Beichtgesprächen äußern wir uns grundsätzlich nicht“, sagt er.

„Kultursplitter. Poetische Skizzen“ heißt sein neues, grade im Deutschen Lyrik-Verlag erschienenes Werk. Der Autor muss selbst eine ganze Weile nachdenken, ob es inzwischen tatsächlich schon sein 14. Buch ist. Neben vielen Gedichtbänden hat Bruder Arno auch eine Geschichte der deutschen Kapuziner in Mexiko geschrieben, wo er selbst lange gelebt hat, er hat dem Mond ein Buch gewidmet und Rosenlyrik verfasst. „Ich schreibe nicht über Politik“, meint er. „Das funktioniert nicht in Gedichtform, da könnte man nur ironisch oder sarkastisch werden.“

Buch Nummer 14 ist keine fromme Meditationslyrik (auch das schreibt er), es ist eine Sammlung von Erinnerungen, meist an alltägliche Besuche von Städten und Sehenswürdigkeiten, ob Bochold, Berlin oder Barcelona. Ja, auch Mönche machen Urlaub. „Wir sind sogar dazu verpflichtet!“, sagt er mit einem Lachen. Und ich gehe dazu natürlich auf keinen Fall in ein Kloster!“ Vermisst er das Reisen? „Ich kann damit leben, dass ich jetzt hier festsitze.“

Das Buch

Arno Dähling: „Kultursplitter. Poetische Skizzen“, ISBN 978-3-8422-4741-3, ist erschienen im Deutschen Lyrik-Verlag und kostet 6,90 Euro. Der Autor hat auch eine Internetseite, www.arnod.de.

Bruder Arno lacht viel, hat großen Spaß mit der FR-Fotografin, die ihn vor dem Kloster ins rechte Licht setzen will. Mönche sind besitzlos, Geld spielt in ihrem Alltag keine Rolle. Braucht er etwas, dann bekommt Dähling es, sollten seine Bücher einen Gewinn abwerfen, würde der wiederum in der Klosterkasse landen.

Das neue Buch ist ernst, aber nicht schwermütig, es ist ein ganz klassischer Lyrikband – denn wo gibt es das noch, Gedichte, die sich reimen, mit Versmaß, ganz traditionell? „Reim und Form kommen heute gar nicht mehr vor. Mir fehlen in der modernen Dichtung Metrik und Rhythmus“, sagt er. In Klöstern ist jahrhundertelang auch viel Poesie entstanden, nicht nur auf Latein, es ist eine uralte Tradition. Er arbeite sehr lange und sorgfältig an jeder einzelnen Zeile, erzählt Bruder Arno. „Oft schlafe ich drüber, wenn ich was geschrieben habe – und dann stimmt gar nichts mehr. Dann überarbeite ich das Geschriebene. Diese Änderungen kosten mich viel Kraft und Konzentration, aber ich gebe nicht auf, bis es etwas geworden ist.“

Mit seinen Texten wolle er Dinge erfassen. „Wie halte ich so etwas wie Dämmerung oder Wolken fest? In einem einzigen Text geht das vielleicht gar nicht.“

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