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Es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst auch rechen kann.

Laubbläser

Lieber rechen als pusten

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Die Laubbläsersaison ist im vollen Gang. Stadt und Umweltverbände werben für Rücksicht auf Tiere und Nachbarn - im Zweifel kann’s teuer werden.

Rührend anzusehen war es ja. Wie am vorigen Wochenende der Herr im Norden der Stadt den Weg durch seinen Vorgarten vom Laub befreite. Er benutzte dazu ein elektrisch betriebenes Blasgerät, aber keines mit Akku, nein: Ein langes Stromkabel führte durch die offene Haustür ins Wohnzimmer.

Das Laub pustete er aus seinem Garten hinaus auf den davor befindlichen Platz, wo es liegen blieb. Kein Zweifel konnte daran bestehen, dass der nächste Windstoß alles in den Vorgarten des alten Herrn zurückbringen würde. Rührend vielleicht – aber sicher nervig. Besonders für die Nachbarn, die dann erneut das Getöse anhören müssen.

Wenn nicht alles täuscht, haben Laubbläser Konjunktur. Jetzt im Herbst wird es offenkundig, immer mehr Großstädter vertrauen aufs Pustegerät. Kaum eine Siedlung, aus der es nicht herausröhrt. Nicht nur Anwohner sind die Betroffenen – auch auf die Umwelt gilt es zu achten.

Aus Sicht des Naturschutzbunds (Nabu) jedenfalls sind besonders Laubsauger schädlich für die Natur; er rät davon ab, sie einzusetzen. „Mit einer Luftgeschwindigkeit von bis zu 160 Stundenkilometern saugen die Geräte nicht nur Blätter, sondern auch unzählige für den Boden und die Vogelwelt wichtige Kleinlebewesen auf“, betont der Nabu-Landesvorsitzende Gerhard Eppler. Aber auch die Blasgeräte seien problematisch für Kleintiere: „Wer ganz klassisch zu Besen und Rechen greift und Laubhaufen für die Tierwelt anlegt oder die Blätter kompostiert, der erfreut nicht nur die Natur, sondern auch seine Nachbarn“, sagt Eppler.

So hält es auch der Frankfurter Nabu-Vorsitzende Volker Bannert. „Besen und Rechen, so mache ich das privat“, sagt er. Leider pusteten aber manche Gartenbesitzer „jede Hecke so klinisch sauber, dass kein Insekt mehr übrig bleibt. Ich bin ein kompletter Gegner dieses ganzen Krimskrams.“

In Laubhaufen können Kleintiere überwintern

Wahre Naturfreunde räumen auch im Garten nicht das Laub weg, sondern lassen es liegen. Oder schichten es eben zu Haufen, in denen Kleintiere geschützt überwintern können.

Andererseits gilt die vielzitierte Verkehrssicherungspflicht. Auf Bürgersteigen und Straßen muss das Laub weggeräumt werden, weil es sonst Rutschpartien und Stürze verursachen könnte. Dazu benutzt die Frankfurter Entsorgungs- und Service-GmbH (FES), für die Straßenreinigung zuständig: Besen, Kehrmaschinen, aber eben auch 40 Laubbläser, und zwar ausschließlich elektrische, berichtet FES-Sprecher Stefan Röttele. Die haben den großen Vorteil, dass sie deutlich leiser sind als die benzinbetriebenen Zweitaktmotoren der Vorgängergeneration.

Ganz darauf verzichten könnten die Kollegen im Außendienst nicht: „Bei dem Laub zwischen oder unter geparkten Fahrzeugen sind sie ohne Laubbläser aufgeschmissen.“ Röttele ist durchaus bewusst, dass die Maschinen nicht optimal für die Fauna sind. „Aber im Konfliktfeld zwischen Verkehrssicherung und Umweltschutz müssen wir uns für die Sicherheit entscheiden.“ 3500 Tonnen Laub gilt es in den nächsten Wochen von Frankfurts Straßen zu holen.

Das Umweltamt rät zum Besen

Auch die Leute vom Grünflächenamt sind mit Laubbläsern unterwegs, seit fünf Jahren ebenfalls zunehmend mit Elektrogeräten. Naturschützer freut das trotzdem nicht, denn da geht es oft tatsächlich direkt an die Hecken und Rasenflächen heran. Immerhin: Laubsauger sind dort absolut tabu.

Das Umweltamt rät Privatleuten grundsätzlich zum Besen. Wer dennoch auf die Technik setzt, muss wissen: Laubbläser dürfen nur von 9 bis 13 und von 15 bis 17 Uhr eingesetzt werden – sonn- und feiertags gar nicht. Das gelte auch für Freischneider und Grastrimmer mit Verbrennungsmotor, teilt das Amt mit. Da gebe es keine Ausnahmen.

Weder dem Ordnungsamt noch der FES liegen in diesem Herbst bisher Beschwerden von Anwohnern vor. In früheren Jahren sei das aber durchaus vorgekommen, sagt Ordnungsamtssprecher Michael Jenisch. Wer unerlaubt lärmt, müsse mit einer Geldbuße „im niedrigen dreistelligen Bereich“ rechnen, warnt er. Wie niedrig, kann variieren: Das hängt von der Art des Lärmvergehens ab – und davon, ob der Bläser schon einmal aufgefallen ist.

Wozu Sie verpflichtet sind, was die Beseitigung von Herbstlaub angeht, lesen Sie hier.

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