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Der Frankfurter Konzertchor in der St. Albert-Kirche.

Frankfurt-Westend

Liebe zur Klassik verbindet

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Im Frankfurter Konzertchor singen Fans der geistlichen Musik seit 50 Jahren.

Unter den herabhängenden Lampen fügt sich das Gewimmel auf den Altarstufen der Kirche St. Albert im Nordend schnell zu einem einheitlichen Bild, alle Mitglieder des Frankfurter Konzertchors finden ihre Plätze. In ihrer dunklen Garderobe heben sie sich von dem hell erleuchteten Altarraum ab, der für das Jubiläumskonzert zum 50-jährigen Bestehen zur Bühne wird. Die Streichinstrumente des Orchesters „Virtuosi Brunenses“ stimmen sich im Sitzen ein und werden immer lauter, während die stehenden Chormitglieder ihre Liederbücher aufschlagen.

Was folgt, ist die musikalische Ehrung der eingeschworenen Chorgemeinschaft – und zwar durch und durch festlich, wie Chormitglied Ulrike Weitzel beschreibt, die seit 35 Jahren im Konzertchor singt. „Wir bieten zum Jubiläum eine prachtvolle, feierliche Barockmusik dar, die sehr eingängig ist und zur festlichen Stimmung passt.“ Da dürfe Bach nicht fehlen, dessen 214. Kantate „Tönet, ihr Pauken“ als Urform des Weihnachtsoratoriums eine ganz besondere Bedeutung für den Chor habe: „Bach ist immer wieder ein Schwerpunkt, unser aller große Liebe.“

Doch mache vor allem die musikalische Vielfalt über alle Epochen der europäischen Musikgeschichte hinweg den Frankfurter Konzertchor so besonders, beschreibt Dirigent und Chorleiter Siegfried Heinrich, der 1955 einen Studentenchor gründete, aus dem der Konzertchor hervorging. „Ich bin fasziniert von der Offenheit der Choristen für alle Stilarten, das ist nicht typisch.“

Dabei sei es vor allem die Faszination für geistliche Musik, die den Chor zu einer engen Gemeinschaft zusammengeschweißt habe. „Wer in den Chor geht, liebt Klassik“, sagt Marlis Fey. Seit 48 Jahren singt sie bei Heinrich, der zahlreiche Auszeichnungen wie den Gustav-Mahler-Preis und das Bundesverdienstkreuz für sein Wirken erhielt. Sein guter Ruf habe sie in den Chor gezogen, sagt Fey.

Beachtliche Bandbreite

Ähnlich ging es auch Weitzel, die während des Studiums in Marburg den Chor bei einem Konzert in der Stadthalle entdeckte. „Ich dachte zunächst, ich bleibe bloß drei bis vier Jahre dabei“, erinnert sie sich. „Letztendlich bin ich dem Chor gefolgt und habe zur Hochschule nach Frankfurt gewechselt.“

Wer im Konzertchor mitsingen möchte, der bereits eine beachtliche Bandbreite an Konzerten und Kooperationen – etwa in der Alten Oper oder mit bekannten Orchestern – bestritt, solle ein gutes Gehör und eine Singstimme mitbringen, sagt Chorleiter Heinrich. Wichtiger sei aber, kooperativ arbeiten zu können. „Alles andere kann man trainieren.“

Zwar sind viele der 35 Mitglieder bereits über Jahrzehnte dabei, doch sei der Chor inzwischen kleiner geworden. „In den 80er Jahren war es unter Studierenden noch Mode, in einem Chor zu singen“, erinnert sich Weitzel. „Hohe Stimmen sind nun seltener, da klassischer Gesang zunehmend vernachlässigt wird.“ Die vielfältige Chorszene sei etwas Tolles, doch müsse die geistliche Musik „unbedingt bewahrt werden“.

Darin übt sich der Frankfurter Konzertchor jeden Dienstag in der Aula des Lessing-Gymnasiums. Dass sich der Chor so lange gehalten habe, führen Weitzel und Fey auch auf das Gefühl zurück, dass die klassische Musik den Sängern gebe. „Singen macht einfach froh, es ist eine Kraftquelle“, beschreibt Weitzel. Der Chor sei ein Stück Leben, fügt Fey hinzu.

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