SPD

„Liebe Andrea, lieber Bundesvorstand“

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Der SPD-Ortsverein Sachsenhausen, der größte in Frankfurt, schreibt wütend schon zum zweiten Mal nach Berlin.

Nun hat Andrea Nahles also schon zum zweiten Mal Post aus Sachsenhausen bekommen. Der mit Abstand größte Frankfurter SPD-Ortsverein (370 Mitglieder) schreibt an die Bundesvorsitzende. Und es ist ein Brief voller Bitterkeit. Die SPD brauche sich „nicht zu wundern“, wenn sie auf die Demonstranten von „Fridays for Future“ und den Youtuber Rezo so reagiere: „Mit den Schultern zucken, süffisant lächeln, Rotzlöffel rufen“.

Nein, das „inkonsequente Handeln in der Klimapolitik“ habe die SPD „einen sehr wesentlichen Teil der Erstwähler gekostet“. Mehr noch: „Die antifaschistische, antirassistische Tradition der Sozialdemokratie ist im Schredder der Großen Koalition gelandet.“

Die Sachsenhäuser, die für ihre linke Aufmüpfigkeit bekannt sind, hatten schon am 2. November 2018 an die Genossin Andrea geschrieben. Damals noch unter dem Eindruck der vergeigten Landtagswahl in Hessen. „Wir bekamen dann am 16. November eine Antwort vom Bundesvorstand“, erinnert sich die Ortsvereinsvorsitzende Christine Wendel-Roth.

Die studierte Politologin weiß noch, was in dem Schreiben vom Bundesvorstand drinstand. „Dass man ja Hartz IV abschaffen wolle und dass es ja jetzt die Debattencamps gebe.“ Aus Sicht der Sachsenhäuser ist das alles „viel zu wenig konkret: Das ist uns nicht genug!“

Im zweiten Brief („Liebe Andrea, lieber Bundesvorstand“) heißt es wie im ersten schon: „Nein, die Erneuerung in der Regierung hat nicht funktioniert. Wir haben uns weder strukturell, noch personell erneuert, noch haben wir unser inhaltliches Profil geschärft.“ An der Basis in Sachsenhausen wisse man einfach nicht mehr, „wie wir den Kurs der SPD-Bundestagsfraktion noch den Menschen erklären sollen“.

Den Part ihres Briefes konnten die Sachsenhäuser einfach noch mal kopieren. Und auch den Rücktritt des SPD-Bundesvorstandes und den Austritt aus der großen Koalition hatten sie bereits damals gefordert. Was tun? Nun, die Sachsenhäuser setzen auf den Frankfurter SPD-Kurs. Die SPD in der Stadt sei schon öfter „früh dran“ gewesen, habe vorgemacht, „was sich dann auf Landes- und Bundesebene fortgeführt“ habe. Nämlich eine „mutige, klare, linke Politik mit konkreten Verbesserungen“ – wie sie „unser Oberbürgermeister Peter Feldmann“ mache.

So, jetzt haben die Genossinnen und Genossen vom Bundesvorstand den Namen auch mal schriftlich. Den werden sie sich in Berlin aber längst gemerkt haben.

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