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„Letters from Tentland“

Luminale

Licht an – Licht aus in Frankfurt

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Die Luminale 2020 will mit Energie und Helligkeit sorgfältig haushalten. Sie kommt mit drei teils überraschenden Schwerpunktthemen daher.

Manche Phrasen sind in der Zeitung streng verboten – bis plötzlich der optimale Verwendungszweck auftaucht. Also bitte: Die Luminale 2020 wirft ihre Schatten voraus. Pardon. Aber bei einer Lichtkunst-Biennale muss das mal erlaubt sein. Vom 12. bis zum 15. März geht in Frankfurt und Offenbach also das Licht an. Aber auch aus. Dazu später mehr.

Zunächst zu den Schwerpunkten: Die Luminale 2020 wird drei Thementage haben. Am Freitag, 13. März, soll es um die Hochhausstadt gehen, am 14. März um das übergreifende Projekt „Digital Romantic“ und am abschließenden Sonntag, 15. März, um Stadtnatur und Artenvielfalt.

Zum dritten der drei Tagesthemen gibt es eine Kooperation mit den Senckenberg-Wissenschaftlern und mit der Leibniz-Gemeinschaft. Da untersucht etwa Franz Hölker für den Forschungsverbund Lichtverschmutzung den „Verlust der Nacht“. Die starke Beleuchtung, die wir inzwischen besonders in den Großstädten installiert haben, bringt auch Nachteile für Mensch und Natur, stört den Biorhythmus unzähliger Tiere, lässt uns die Sterne nicht mehr sehen und schlechter schlafen.

Verblüffend eigentlich, dass ein Festival zur Feier der Lichtkunst einen solchen Schwerpunkt einrichtet, der sich gerade mit den negativen Auswirkungen des Lichts befasst. „Wir wollen das Thema Lichtverschmutzung nicht umschiffen“, sagt Luminale-Leiterin Isa Rekkab. „Wir widmen ihm diesmal besonders viel Aufmerksamkeit.“

Anlass gaben Berichte, unter anderem in der FR, die bei der jüngsten Luminale 2018 kritisch nachhakten: Muss das denn sein? In Zeiten des Klimawandels, des Stromspargebots und der immer drängender werdenden Rücksichtnahme auf die Natur – ein Lichtspektakel sondergleichen in den Großstädten am Main anzuzetteln?

„Unser Anliegen ist eine Luminale mit einer energieneutralen Bilanz“, sagt Isa Rekkab. „Wir machen natürlich viel Licht an – aber wir schalten auch viel Licht aus, damit unsere Kunst überhaupt wahrgenommen werden kann.“ Das sei schon bisher so gewesen, auch in Absprache mit dem Frankfurter Energiereferat. 2020, zur nächsten Folge der im Zweijahresrhythmus veranstalteten Luminale, soll dieser Fokus noch stärker werden.

„Wir fordern Institutionen, Unternehmen, Banken dazu auf, das Licht zu löschen“, kündigt die Direktorin an. „Alle Teilnehmer sollen die Kilowattstunden aufschreiben, die sie verbrauchen und die sie sparen. Wir wollen am Ende eine Energiebilanz ziehen.“

Aber die Luminale soll natürlich auch verzaubern. Eine Viertelmillion Menschen lässt sich regelmäßig locken, zu 150 Veranstaltungen in den beiden Städten. 2018 machte der bestrahlte Römer die Betrachter sprachlos, ein Projekt verwandelte eingesparte Straßenbeleuchtung in Energie für ein nächtliches Radiogeräuschprogramm. Im kommenden Jahr rückt die digitale Romantik in den Blickpunkt: Kann die Künstlichkeit vielleicht sogar zur Entschleunigung beitragen – kann also die digitale Technik analoge Inhalte neu vermitteln und interpretieren?

Zudem will sich die Luminale in die Stadtgestaltung einmischen – auch über das Thema Licht hinaus. Im Kuratorium ist unter anderen Andrea Jürges vom Architekturmuseum.

Mehr Informationen zur Lichtkunst-Biennale 2020: luminale-frankfurt.de

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