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Auch die kleinen Gäste haben Spaß.

Weihnachtsmarkt Frankfurt

Ein letztes Mal auf dem Weihnachtsmarkt

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Der Weihnachtsmarkt in Frankfurt wird am letzten Tag auch bei mildem Winterwetter genossen.

Keine Mütze, keine Handschuhe, aber Glühwein muss trotzdem sein. Zum Abschluss des diesjährigen Frankfurter Weihnachtsmarktes herrschen am frühen Samstagnachmittag relativ milde Temperaturen. Am Eisernen Steg scheint die Sonne durch die Wolken und wird vom Mainwasser reflektiert.

Wie viele andere Besucher haben auch Allison Binns, ihre Kollegin Rebekah Coenen und deren Mann Marcus vor einer Reihe von Ständen am Mainkai lilafarbene Tassen mit dem Emblem des Weihnachtsmarktes vor sich auf einem Stehtisch abgestellt. Dazu gibt es Pommes und Bratwurst. Für die Sachsenhäuserin sei der Weihnachtsmarkt „Disneyland for adults“ – ein Vergnügungspark für Erwachsene – und der „glücklichste Platz auf Erden“, sagt die 37-Jährige mit einem Augenzwinkern. Dazu gehöre auch Glühwein, egal bei welchem Wetter, für die bekennenden Fans des vorweihnachtlichen Treibens. Der Markt sei ein „wichtiger Mechanismus, um graue Winter in Frankfurt zu überstehen“, ergänzt die gebürtige Kalifornierin. Rebekah Coenen sagt, Weihnachtsstimmung käme besonders auf, wenn es grau und düster sei. An einem solch milden Wintertag verliere der Markt jedoch nicht an Wert, findet Marcus Coenen. „So können wir länger draußen bleiben“, ergänzt seine Frau.

Und das Trio hat noch einiges vor, will am nächsten Stand Kartoffelpuffer essen, dann zum Sachsenhäuser Weihnachtsmarkt und vorher zu einem Pendant am Friedrich-Stoltze-Platz, hinter der Katharinenkirche, dem „rosa Weihnachtsmarkt“.

Dort stehen vor einer pinkfarbenen Plastiktanne Daniela und Stefan, die ihre Nachnamen nicht in der Zeitung lesen wollen. Nach viel Arbeit in den letzten Tagen hätten sich die beiden Kollegen zu einem letzten Umtrunk vor den Feiertagen verabredet. „Wir haben wenig Zeit, um noch in Weihnachtsstimmung zu kommen, bevor es zur Familie geht“, berichtet er und hebt seine Tasse. Auf dem schwul-lesbischen Markt gebe es die beste Feuerzangenbowle. Daher hätten sie am Friedrich-Stoltze-Platz, nach dem Start am Thurn-und-Taxis-Palais, einen Stopp eingelegt. Zur Einstimmung müsse es ein weihnachtliches, alkoholisches Heißgetränk sein, obwohl das bei dem Wetter eigentlich nicht nötig sei.

Schausteller Manfred Hill, der seit 30 Jahren auf dem Weihnachtsmarkt am Paulsplatz einen Grill- und Getränkestand betreibt, hat vorgesorgt. „Heute wird ein Glühwein getrunken, aber nicht zwei oder drei, deshalb verkaufen wir kühles Bier für die Fußballfans.“ Tatsächlich sind zahlreiche Eintracht- und Bayernfans zu sehen, die sich auf das Spiel am Abend im Frankfurter Stadtwald einstimmen, vereinzelt auch lautstark singend. Zur Bilanz des diesjährigen Weihnachtsmarktes sagt er: „Es war okay.“ Hill sei froh, dass es nicht „dick Schnee“ gegeben habe. „Dann stimmt der Umsatz nicht mehr“, berichtet der 76-Jährige, weil Besucher schwieriger zum Markt kommen könnten.

Sicherheitstechnisch sei es „verhältnismäßig ruhig“ gewesen. Polizeistreifen, teils mit Maschinenpistolen vor der Brust, und Sicherheitsdienste, die immer mal wieder zwischen Holzbuden und Kinderkarussells patrouillieren, sollen dafür sorgen, ebenso wie Betonsperren, die an den Zufahrtsmöglichkeiten aneinandergereiht stehen.

Über die Straße Neue Kräme ist ein grünes Banner mit einem Exit-Zeichen gespannt. Die meisten Besucher strömen durch diese Fußgängerzone Richtung Römerberg. Familie Reinstädt ist dort mit ihrem Besuch aus Kanada angekommen. Vor dem riesigen Weihnachtsbaum mit den roten Schleifen, dessen Spitze bis zu den Giebeln des Römer-Rathauses reicht, schauen sich die fünf neuen Besucher um. „Ein bisschen shoppen und die Atmosphäre genießen“, sagt Antje Reinstädt. Deshalb seien sie aus Eppstein im Taunus gekommen. Als „grande finale“, nachdem sie schon auf Märkten in Wiesbaden und Mainz gewesen seien.

Die Begleiter aus Ontario schauen begeistert. Stephanie Fischkohl fehlen zunächst die Worte. Dann sagt sie auf Englisch: „Die Leute nehmen sich hier Zeit bei einem Glas Wein, bei uns wird nur hektisch eingekauft.“ Ihr Mann Paul ergänzt: „Es riecht nach Weihnachten, und schauen Sie sich diese Dekoration an“. Der 46-Jährige zeigt auf einen Grillstand mit vielen Glühbirnen und Weihnachtsfiguren auf dem Dach. Und vor allem rieche es nach Festlichkeit. Diese „Mischung aus Bratwurst- und Glühweingeruch“, das mache das typische Weihnachtsmarktflair mit aus, ist sich die Gruppe sicher. Zum letzten Mal in diesem Jahr weht dieser Geruch am Samstag durch die Frankfurter Innenstadt.

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