Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

In seiner kleinen Kellerwerkstatt repariert Inhaber Johannes Hogrebe bis zu 100 Schirme im Monat.
+
In seiner kleinen Kellerwerkstatt repariert Inhaber Johannes Hogrebe bis zu 100 Schirme im Monat.

Frankfurter Originale

Der Letzte seiner Art

  • Oliver Teutsch
    VonOliver Teutsch
    schließen

Schirm-Klippel hinter der Katharinenkirche ist Frankfurts kleinstes Fachgeschäft. Die Geschichte des Betriebs begann 1850. Die schlimmen Jahre zwischen 1980 und 2000 hat das Unternehmen überstanden. Heute kommen die Kunden sogar von weit her.

Es das kleinste Fachgeschäft in Frankfurts Innenstadt. Auf gerade mal 15 Quadratmetern hinter der Katharinenkirche verkauft Johannes Peter Hogrebe Regenschirme. Im Keller von „Schirm-Klippel“ repariert Hogrebe auf noch einmal 15 Quadratmetern die Schirme, die ihm die Kunden von weit her bringen. Aus Darmstadt, Aschaffenburg und Hanau kommen die Menschen. „Ich habe sogar zwei Kunden in Kassel“, verrät Hogrebe.

Kein Wunder, in Frankfurt ist es das letzte Fachgeschäft seiner Art. Das große Sterben in der Regenschirm-Branche griff ab 1980 um sich, als die asiatische Industrie die Branche für sich entdeckte. Mit den Importen kam der Preisverfall und der Zusammenbruch des deutschen Herstellermarktes. Auch für Fachgeschäfte war die Zeit zwischen 1980 und 2000 nicht leicht, doch Schirm-Klippel hat sie überstanden.

Die Geschichte des Betriebs begann bereits 1850. Im Jahr 1898 übernahmen dann die Klippels das Geschäft, damals noch am Stoltzeplatz. 1944 wurde das Geschäft bei einem Luftangriff völlig zerstört und der Betrieb für zwei Jahre nach Bad Nauheim ausgelagert. Nach einem kurzen Intermezzo in einer Holzhütte am heutigen Parkhaus Hauptwache firmiert Schirm-Klippel nun seit 1951 in dem Pavillonbau an der Katharinenpforte 6. Da die Klippels keine Nachfolger für die Übernahme fanden – die Söhne waren in Stalingrad umgekommen, übernahm Johannes Hogrebes Vater Paul das Geschäft in den 60er Jahren.

In diese Zeit fiel auch die goldene Ära der Schirmmacher. „In den 60er Jahren hatten wir noch eine Werkstatt mit acht Leuten“, so Hogrebe junior. Der 68-Jährige hat das Geschäft von der Pike auf gelernt, in den elterlichen Betrieb stieg der gelernte Herrenausstatter allerdings erst ab 2000 als Einkäufer ein. Seine Mutter Anneliese hatte den Betrieb nach dem Tod des Vaters 1978 fortgeführt. „Es war ihr Lebenswerk“, sagt Hogrebe. Als sich dann für ihn selbst die Frage stellte, ob er das Geschäft übernehmen wolle, konnte er kaum Nein sagen.

Liebenswertes Accessoire

Wie es sich für ein Fachgeschäft gehört, setzt Hogrebe ausschließlich auf Qualität. Den günstigsten Regenschirm gibt es für 20 Euro, Liebhaber können aber auch bis zu 500 Euro investieren, wenn sie auf Hickory-Holz und rostfreien Edelstahl setzen. Da viele Menschen den Regenschirm als liebenswertes Accessoire betrachten, repariert Hogrebe auch erstaunlich viele Regenschirme. „In einem regenreichen Monat sind es so zwischen 60 und 100 Schirme“, verrät Hogrebe.

Das Geschäft läuft ganz gut, richtig zufrieden ist Hogrebe dennoch nicht: „Der Laden ist eigentlich zu klein.“ Seit fünf Jahren versucht er, in der Innenstadt ein kleines Ladengeschäft in guter Lage zu finden. „So 60 bis 80 Quadratmeter in Lauflage wären schön.“ Denn an der Katharinenpforte ist Schirm-Klippel etwas ab vom Schuss. Als der Geschäftsmann während der Umbauarbeiten bei einem Nachbarn auf Unterstützung durch die Stadt hoffte, fühlte er sich alleine gelassen. „Wir werden mit unseren kleinen Geschäften nicht ernst genommen, wir Traditionsgeschäfte müssten uns zusammentun“, findet Hogrebe. Sehnsüchtig denkt er an die 70er Jahre zurück, als sich die Fußgänger auf der Zeil noch auf dem Bürgersteig direkt am Laden vorbei bewegten. Heute ist hinter der Katharinenkirche wenig los, vor allem, wenn auf der Hauptwache wieder mal eine Demonstration ist, für die weiträumig abgesperrt wird.

Ans Aufhören denkt der 68-Jährige trotzdem noch nicht. „So lange ich noch gesund und munter bin, mache ich weiter.“ Danach allerdings könnte die Ära der Klippels und Hogrebes zu Ende gehen. Die beiden Söhne wollen Frankfurts kleinstes Fachgeschäft nicht übernehmen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare