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Peter Völker, Vorsitzender der TG Bornheim, neben dem Urnenfeld für Mitglieder.

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Letzte Ruhe für verdiente Sportler in Frankfurt

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Hessen zweitgrößter Verein, die TG Bornheim, hat sich ein Urnenfeld auf dem Bornheimer Friedhof gesichert. 

Gerda Schmidt ist Mitglied bei der Turngemeinde Bornheim – und das mit ganzem Herzen. Im kommenden Jahr ist es 50 Jahre her, dass sie dem Club beigetreten ist. Unzählige schöne Stunden hat sie im Kreise der Sportler verbracht. Als Prellballerin, auf gemeinsamen Reisen, beim Stammtisch und bei Vereinsfesten wie dem Lerchenherbst. „Das vergesse ich nie“, sagt die 78-Jährige. „Für mich ist die Turngemeinde ein ganz wichtiger Teil meines Lebens.“ So lag es für sie auch auf der Hand, dass sie sich nach ihrem Tod auf dem Urnenfeld der TG beisetzen lassen will. Hessens zweitgrößter Verein ist einer der wenigen, der das seinen Mitgliedern anbietet.

Die Idee kam dem Vorstand im Jahr 2010, sagt der Erste Vorsitzende Peter Völker. Damals seien sieben langjährige Mitglieder und ehrenamtliche Helfer gestorben, „da haben wir uns überlegt, wie wir ihrer gedenken können“. Der Verein sicherte sich kurzerhand eine Fläche auf dem Bornheimer Friedhof an der Dortelweiler Straße unweit der Trauerhalle. Ein schlichtes Stück Rasen mit einer Bank an der Seite: „Das passt zu uns“, sagt Völker. „Das ist wie ein Sportplatz.“

Ein Grabstein mit dem Logo des Vereins steht auf der Wiese. Auf zwei Seiten sind 13 Tafeln angebracht, die an verstorbene, verdiente Mitglieder erinnern, die an anderen Stellen beerdigt worden sind. Es sind keineswegs nur Personen des Vorstands: „Wenn man etwas erreichen will, ist das nur mit vielen möglich“, sagt Völker. „Wir haben zurzeit etwa 100 Ehrenamtliche, die sich engagieren. Der Verein ist wie eine große Familie.“ Dass auf dem Bornheimer Friedhof nicht an alle 30 000 Mitglieder gedacht werden kann, ist dem Vorsitzenden klar. „Aber wir vergessen nicht diejenigen, die etwas mit uns geleistet haben.“

Auf der Rückseite der Stele werden die Namen der Mitglieder verewigt, die auf dem Urnenfeld der TG ihre letzte Ruhestätte finden wollen. Der erste, der sich dort hat beisetzen lassen, ist Roland Flad. Der Mediziner war viele Jahre als Prellballer aktiv. Auch Klaus Krefft, der die Fechtabteilung mitgegründet hat, wählte das Feld der Turngemeinde. Platz für 40 Urnen hat sich der Verein gesichert. Ursprünglich seien es nur halb so viele gewesen. Die Nachfrage war groß, sagt Völker. Bezahlen und organisieren müssen die Mitglieder ihre Beerdigung selbst. Der Verein übernimmt die Pflege.

Auch Gerda Schmidt möchte sich dort beisetzen lassen. Auf der jüngsten Weihnachtsfeier der Prellballer hat sie Völker darauf angesprochen. Lange Zeit habe sie sich nicht mit dem Thema auseinandergesetzt. Inzwischen ist sie überzeugt, „dass es für mich das allerbeste ist. Dann werde ich auch weiterhin ein bisschen bei meinem Verein sein.“ Für sie habe der Gedanke etwas Beruhigendes. Letzter Anstoß für die Entscheidung sei gewesen, dass ihr Ehemann schwerkrank ist, sagt die 78-Jährige. „Da wollte ich meine Angelegenheiten regeln.“

1970 ist Gerda Schmidt dem Verein beigetreten. Zunächst machte sie Sport in der Frauenabteilung. „Dann habe ich bei den Prellballern zugeschaut und mir gedacht, das möchte ich auch machen.“ Für sie habe stets der Spaß und die Freude im Mittelpunkt gestanden. „Mir ging es vor allem um das Gesellige.“

Gerda Schmidt wollte auch etwas zurückgeben. Ab 1976 half sie in der Geschäftsstelle mit, kümmerte sich um die Buchführung, rechnete Gehälter aus und schrieb Kassenberichte – mehr als ein Viertel Jahrhundert lang. Als ehemalige Mitarbeiterin eines Steuerberaters wusste sie, worauf es ankam. Inzwischen ist sie mit der Ehrenmitgliedschaft ausgezeichnet worden.

Für Völker ist das Urnenfeld ein Fortsetzung des Angebots der Turngemeinde. „Wir kümmern uns von klein auf bis ins hohe Alter.“ Schließlich sorge sich der Verein zum Teil schon um Mitglieder, die noch gar nicht geboren sind – über Kurse für Schwangere.

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