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Ist den meisten als „Carlo“ bekannt: Munck mit Stute Grace.
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Ist den meisten als „Carlo“ bekannt: Munck mit Stute Grace.

Bornheim

Der letzte Reitersmann

  • Judith Köneke
    VonJudith Köneke
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Fuhrunternehmer, Kutscher und Pferdenarr: Karl Munck feiert seinen 88. Geburtstag. Auch wenn das Aufsitzen zunehmend schwerer wird - Pferde sind und bleiben das Leben des Bornheimer Originals.

Es herrscht ein strenges Regiment in Alt-Bornheim. „Man muss zeigen, wer der Chef ist,“ sagt Karl Munck. „Pferde sind schließlich Herdentiere.“ Doch dabei lacht er und streichelt Gigolos Schnauze. Der braune Hengst schmiegt sich an seinen Reiter. „Ich hab nix zu essen für dich, du alter Schmuser.“ Das Tier habe er eigenhändig großgezogen, sagt Munck und führt es aus seiner Box auf den Hof.

Ganz oben auf der Berger Straße zwischen Mehrfamilienhäusern steht der Pferdestall. Jeden Morgen um halb zehn wird Gigolo mit seiner Mutter Grace auf eine Koppel am nahegelegenen Bornheimer Hang gebracht. „So lang ich krabbeln und sie versorgen kann, bleiben die Pferde hier“, sagt Munck. Er bewohnt das kleine Haus an der Längsseite des Grundstücks mit seiner Lebensgefährtin.

Munck, den alle nur Carlo nennen, ist hier 1927 geboren. Schon seine Urgroßeltern lebten im Stadtteil. Rund 50 Jahre war auch Munck mit einer Bornheimerin verheiratet, mit der er zwei Kinder hat. Am heutigen Dienstag feiert er seinen 88. Geburtstag. Zum Fest erwartet er Freunde, Reiterkameraden, Bornheimer aus Vereinen und der Nachbarschaft. Im Hof in der Berger Straße wird Spanferkel gegrillt.

Einst tummelten sich dort lebendiges Vieh. Bis zu 14 Pferde waren in den Ställen untergebracht, die inzwischen einer Garage gewichen sind. Auch Schweine und Schafe haben seine Vorfahren gehalten, erzählt Munck. In seinem Haus zeugen viele Fotos und Pokale von seiner Vergangenheit. Munck war erfolgreicher Springreiter, auch wenn er den Sport nur als Hobby betrieb. Heute reitet er nur noch selten aus. Vor allem das Aufsteigen werde immer schwerer, gibt er zu. Dennoch: „Pferde sind mein Leben.“ Er habe wahrscheinlich eher auf einem Pferd sitzen können als laufen.

Chauffeur der Honoratioren

Auch mit motorisierten Gefährten kennt sich Munck aus. Schon früh half er im Fuhrbetrieb aus, den die Familie seit 1896 betrieb. Bereits mit 16 Jahren machte er den Lkw-Führerschein. Ursprünglich wollte er Landwirt werden, erinnert sich der 88-Jährige. Doch nach dem Krieg arbeitet er in der Firma mit, die er übernahm, als sein Vater 1957 starb. „Früher haben wir Gemüse aus dem Taunus in die Markthalle gebracht“, erzählt Munck. Nach dem Krieg karrte der Betrieb Steine und Schutt, die Trümmer der Kriegsschäden.

Heute fährt Munck nur noch hin und wieder mit einem Traktor herum, auch eine Leidenschaft des Bornheimers. Gerade wird sein Oldtimer repariert – nach einer Kollision mit einem Linienbus. Dabei versteht er sein Handwerk: Auch als Kutscher gewann Munck einige Auszeichnungen. Auf dem Umzug der Bernemer Kerb durfte er deshalb sämtliche Frankfurter Oberbürgermeister chauffieren. Auch in diesem Jahr möchte er die Honoratioren wieder fahren, sagt er. Noch habe er dafür aber nicht das Okay.

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