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In der Georg-Büchner-Schule rücken Schulgesundheitsfachkraft Sarah Hurm und Stufenleiter Klaus Brandt die Tische auseinander.

Vorbereitung

Lernen hinter Plexiglas

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Die Schulen organisieren die Rückkehr ihrer Schülerinnen und Schüler. Bisweilen braucht es kreative Lösungen, um genug Hygienevorrichtungen zu bieten.

An der Georg-Büchner-Schule in Frankfurt-Bockenheim schleppen Lehrerinnen und Lehrer derzeit Tische und hantieren mit Zollstöcken herum. Denn die integrierte Gesamtschule mit Grundstufe erwartet ihre Schülerinnen und Schüler aus den Jahrgängen vier bis acht ab Montag zurück. Und die Tische müssen noch im gebotenen 1,50-Meter-Abstand aufgestellt werden. Für die Schülerinnen und Schüler wird vieles anders sein, wenn sie an ihre Schule zurückkommen. Nicht nur der Abstand der Tische. „Sie sind kooperatives Arbeiten gewohnt“, sagt Schulleiterin Hilde Zeyen. „Doch das fällt alles flach, sie werden Schule ganz neu erleben.“

Die Klassen werden geteilt, denn es dürfen nicht mehr als 15 Kinder in einer Lerngruppe sein. Es gibt Hygienevorschriften, Schüler müssen sich etwa bei Betreten der Schule die Hände desinfizieren. Sie werden Masken tragen, zumindest wenn sie nicht an ihren Tischen sitzen. Vom Ministerium heißt es, die Schulen sollten „so viel Präsenzunterricht wie möglich bereitstellen“. An den weiterführenden Schulen gilt für die Sekundarstufe 1: Schüler sollen mindestens einen Tag in der Woche bis zu sechs Unterrichtsstunden erhalten. Bis zu den Sommerferien soll jeder mindestens acht Mal in der Schule gewesen sein.

„Priorität haben aber Hygienevorschriften und Abstandsregeln“, sagt Carine Kleine-Jänsch vom Staatlichen Schulamt. Wenn also nach Einhaltung der Vorschriften weniger als ein Präsenztag pro Woche möglich ist, dann ist das nicht zu ändern. „Das hängt ja auch von räumlichen Möglichkeiten ab, da gibt es an den Schulen sehr unterschiedliche Bedingungen.“

Schulen haben freie Hand

Wie Schulen die Präsenzzeit organisieren, bleibt ihnen überlassen. An der Georg-Büchner-Schule sollen in der nächsten Woche alle Fünft- bis Achtklässler ein Mal für zwei Stunden kommen. Wenn die Neunt- und Zehntklässler in der übernächsten Woche ihre Abschlussprüfungen gemacht haben und danach nicht mehr zur Schule kommen, werden die Fünft- bis Achtklässler zwei Mal die Woche für jeweils vier Stunden in den Hauptfächern unterrichtet. „Wir haben dafür einen ausgefeilten Raumplan erstellt“, sagt Zeyen. Und versetzte Unterrichtszeiten eingeführt. Von den 1000 Schülerinnen und Schülern sind in der nächsten Woche etwa 400 am Tag gleichzeitig in der Schule. So sehen die Zahlen auch an der Carl-Schurz-Schule aus. Die Klassen der Mittelstufe mit 30 Kindern werden im Sachsenhäuser Gymnasium gedrittelt, in A, B und C eingeteilt. An einem Tag kommen die A-Klassen, am nächsten die B-, am übernächsten die C-Klassen. So hat jeder Schüler jeden dritten Tag Unterricht. Die fünften und sechsten Klassen sind vier, die anderen fünf Stunden am Tag da. Für die Oberstufe gelten erweiterte Präsenzzeiten.

„Doch es kommt eine befremdliche Situation auf alle zu“, sagt Schulleiter Hans-Ulrich Wyneken. „Sie werden in Reih und Glied sitzen, die soziale Interaktion ist sehr gestört.“ Das werde für die Kinder anstrengend werden. „Sie brauchen sicher mehr Pausen.“ Doch das ist auch nicht einfach. „Pausen finden innerhalb der Schulstunden statt, je nach Bedürfnis der Kinder“, sagt Wyneken. Ob die Lehrkraft dann mit den Kindern auf den Hof geht, bleibt ihr überlassen. „Sie muss aus dem Fenster schauen, ob der Hof besetzt ist“, sagt Wyneken. „Im Regelfall werden sie aber wohl im Klassenraum bleiben.“

Sorgen macht sich Wyneken ums Profil der Schule, das Gymnasium bietet als Schwerpunkt Musik und Französisch als erste Fremdsprache an. „Die Profile leiden schwer, sie liegen brach“, sagt Wyneken. „Wir versuchen, alles notdürftig zu halten.“ Doch Schüleraustausch findet nicht statt, Singen ist derzeit nicht erlaubt und da nur ein Drittel der Schülerschaft jeden Tag da ist, sind die Orchester nie vollzählig.

Homeschooling schnell beenden

Das mit dem Homeschooling will man an der Carl-Schurz-Schule schnell beenden. „Das ist eine große Nerverei für Eltern“, sagt Wyneken. Die Kinder sollen künftig im Präsenzunterricht Aufgaben bekommen, die sie dann daheim bearbeiten sollen. Die Ergebnisse können im nächsten Präsenzunterricht besprochen werden. „Wir stellen den Onlineunterricht jetzt nach und nach ein.“ Und in Nebenfächern wird zum Teil nichts mehr geschehen. „Wir erklären einen Grundkurs Politik und Wirtschaft für beendet“, sagt Wyneken.

Schwierig ist es auch mit dem Mittagessen. Die Mensen dürfen aus Gründen des Infektionsschutzes keins anbieten. Es sei aber jetzt vereinbart worden, „dass die Caterer bis zu den Sommerferien ein Lunchpaket oder einen Imbiss ausgeben“, sagt Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD). Auch soll für Kinder, die Präsenzunterricht haben, die Teilnahme an ihrem bisherigen Betreuungsangebot am Nachmittag wieder möglich sein. „Wir tun alles Menschenmögliche, um den Schülerinnen und Schülern ein pädagogisches Betreuungsangebot im gewohnten Umfang zur Verfügung zu stellen“, sagt Weber. AGs am Nachmittag von externen Fachkräfte könnten aber nicht stattfinden.

An der Henri-Dunant-Schule ist man bereits gut auf die Rückkehr der Viertklässler vorbereitet. „Wir sind fertig“, sagt Schulleiter Ulrich Grünenwald. In der Sossenheimer Grundschule, die derzeit in Containern in Höchst ausgelagert ist, stehen die Tische im korrekten Abstand, gibt es Pläne, wann welche Schülergruppe welchen Eingang benutzt. Ein Einbahnstraßenverkehr in den schmalen Fluren ist organisiert, damit die Abstandsregeln immer eingehalten werden können.

Kinder müssen sich die Hände waschen

Ein Problem sah Grünenwald aber bei der Hygiene. Denn die Kinder müssen sich die Hände waschen, wenn sie in den Unterrichtsraum gehen. Es gibt aber in der Containeranlage nur in zwei Klassenräumen Waschbecken. Und in den Sanitäranlagen stehen nicht genug zur Verfügung. Die Folge: „Wenn sich jedes Kind 30 Sekunden die Hände wäscht, dann wären wir den ganzen Tag nur mit Händewaschen beschäftigt.“

Die Schule brauchte daher mehr Waschbecken. „Das Amt für Bau und Immobilien ist dran, aber die Schule beginnt ja schon am Montag“, sagt Grünenwald. Also hat er einfach zehn Waschbecken im Baumarkt besorgt und sie gemeinsam mit Nachbarn der Schule vor einem Seiteneingang installiert. Nun können die Viertklässler kommen – zwei Wochen später dann die restlichen Grundschülerinnen und -schüler. „Ab dann wird es Schichtbetrieb geben“, sagt Grünenwald. Jede Schülerin und jeder Schüler wird zwei Mal drei Stunden in der Woche anwesend sein, so wie es auch das Ministerium für Grundschüler vorgibt.

Für Stadtelternbeirätin Julia Frank sollte das Ministerium viel mehr Vorgaben für die Präsenzzeiten machen. „Da muss mehr Regelung rein“, sagt sie. Schließlich sei es schon einmal schiefgegangen, als das Ministerium keine Vorgaben gemacht habe: beim Homeschooling. „Einige Schulen sind gut aufgestellt und setzen es gut um, andere überhaupt nicht.“ Es sei schwierig, den Schulen alles alleine zu überlassen. „Und wer überprüft überhaupt, ob die Schulen die Regeln einhalten, und was geschieht mit den Schülern, die nicht am Präsenzunterricht teilnehmen können?“, fragt Frank. „Wir vermissen insgesamt eine Struktur.“

Zeyen an der Georg-Büchner-Schule sieht die besondere Herausforderung gar nicht so sehr in der Organisation der Rückkehr. „Da findet man Wege“, sagt sie. „Doch das mit dem zwischenmenschlichen Kontakt wird schwer.“ Beziehungsarbeit zu leisten, den weinenden Grundschüler nicht mehr in den Arm nehmen zu können etwa. Um Partnerarbeit und die Arbeit zwischen Lehrern und Schülern zu erleichtern, haben Lehrkräfte Ständer für Plexiglasscheiben gebaut. Damit man sich auch nebeneinander setzen kann. Mit einer Trennscheibe dazwischen, unter der auch Arbeitsblätter durchgeschoben werden können. „So kann besser mal Hilfestellung geleistet werden“, sagt Zeyen. Jede Klasse hat eine solche Trennscheibe. „Wir würden gerne mehr davon bauen“, sagt Zeyen. „Aber Plexiglas ist momentan relativ schwer zu bekommen.“

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