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Leiter des Frankfurter Adorno-Gymnasiums: „Wir haben uns nicht unterkriegen lassen“

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Von: Sandra Busch

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Mathias Koepsell ist Gründungsdirektor des Adorno-Gymnasiums. Christoph Boeckhelder
Mathias Koepsell ist Gründungsdirektor des Adorno-Gymnasiums. Christoph Boeckhelder © christoph boeckheler*

Schulleiter Mathias Koepsell ging durch schwierige Anfangszeiten mit dem Adorno-Gymnasium. Aus der Schule der Abgewiesenen wurde ein beliebtes Gymnasium. Jetzt geht er in Ruhestand.

Bei seiner ersten Rede vor der Schulgemeinde gab es viele traurige Gesichter im Saal. Und als Schulleiter Mathias Koepsell nun sieben Jahre später seine letzte Rede vor der Schulgemeinde des Adorno-Gymnasiums hält, gibt es wieder viele traurige Gesichter. Aber aus völlig anderen Gründen. Denn in diesen sieben Jahren ist viel passiert. Sehr viel.

Im Juli 2022 gibt es traurige Gesichter an der Schule, weil Koepsell in den Ruhestand geht. Er, der die Schule aufgebaut hat, die 2015 unter dem Namen Gymnasium Nied eröffnete. Seine erste Rede hielt er damals zur Einschulung. Es flossen Tränen. Gerade einmal zwei Familien hatten die Schule mit regulär 180 Plätzen pro Jahrgang als Erstwunsch angegeben. Der Rest, der ganz große Rest, war nicht freiwillig an dieser Schule. Die Kinder hatten eigentlich auf andere Schulen gehen wollen, dort aber keinen Platz bekommen. In Höchst in Containern gegründet, lag das Gymnasium Nied für viele zu weit ab vom Schuss. Die Familien waren nur an der Schule, weil ihnen nichts anderes übrig blieb. „Es drohte, aus ihr eine Failing School zu werden – mit all den schwerwiegenden Konsequenzen für die uns anvertrauten Kinder“, sagt Koepsell im Rückblick.

Schule der Abgewiesenen

Von der Schule der Abgewiesenen war damals die Rede. Das machte sich auch in der Stimmung an der Schule bemerkbar. „Überall am Gymnasium Nied war damals zu spüren: Wir sind in dieser Stadt von denen, die was zu sagen haben, an den Rand gedrängt worden“, sagt Koepsell in seiner Abschiedsrede. Eine schwierige Zeit. Die immensen Startprobleme „hätten mich eigentlich in eine tiefe Krise stürzen müssen“, sagt Koepsell.

Haben sie aber nicht. „Wir haben uns nicht unterkriegen lassen“, sagt der Leiter, der in den Jahren beharrlich für seine Schule gekämpft hat. „Ich war überzeugt, dass das was wird.“ Und dass es was wurde und die Schule, die inzwischen am Campus Westend der Goethe-Uni beheimatet ist und Adorno-Gymnasium heißt, nun zu einer der beliebten in Frankfurt zählt, hat mit engagierten Lehrkräften und Eltern zu tun – und zu einem große Maße mit Koepsell. Auch wenn er das nicht gerne hört. Er betont lieber, dass er „ganz viel den Schülerinnen und Schülern zu verdanken“ habe.

Nun eine der beliebtesten

In vielerlei Hinsicht sei es nun eine Schule, „die ihren Weg geht, der in die Zukunft zeigt“, sagt er. Daran hat Koepsell von Beginn an gearbeitet. Fächerübergreifendes Lernen, Medienkonzept, MINT-freundliche Schule, „alles haben wir im ersten Jahr losgetreten“, sagt Koepsell. Eine Vision habe man damals gehabt, inzwischen sei man die einzige Schule Frankfurts mit der Auszeichnung „Digitale Schule“. Und ab nächstem Schuljahr nimmt das Adorno am Pilotprojekt für das Schulfach „Digitale Welt“ des hessischen Kultusministeriums teil. „Man hat uns damals unterschätzt“, sagt Koepsell.

Die Schulgemeinde hat noch dafür gekämpft, dass Koepsell länger Schulleiter bleiben darf. Doch nun muss er zum Ende dieses Schuljahres gehen. Im Ruhestand will er „mehr gemeinschaftliche Zeit mit meiner Frau pflegen“, sagt Koepsell. Und den Caddy seines Sohnes zum Campen umbauen. Handwerklich hat er sich bereits immer wieder in der Schule betätigt. Etwa Holzflächen aufgearbeitet, wenn sie verschmutzt waren. „Ich warte doch da nicht, bis eine Firma kommt“, sagt er nur. Koepsell geht nun „mit einem guten Gefühl“. Er habe in der letzten Zeit daran gearbeitet, „dass ein Ausfall meinerseits allenfalls optisch spürbar sein könnte“. Doch traurige Gesichter, die hinterlässt er auf jeden Fall an der Schule.

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