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Da muss der Müll rein. Elektro-Sammelfahrzeug, britisch.

Müllabfuhr

Elektro-Müllwagen: Leiser leeren in Frankfurt

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Die Frankfurter Entsorgungsbetriebe testen ein weiteres Elektro-Müllfahrzeug. Für insgesamt fünf Abfallsammelwagen mit Stromantrieb hat die Stadt Bundesförderung beantragt.

Der erste Test im Februar war wie eine Reise in eine andere Zeit: Völlig lautlos rollte ein riesiges Müllfahrzeug aus der Schweiz um die Ecke, träumende Reporter mussten von der Straße gerissen werden – Futuricum heißt das hochmoderne Gerät.

Jetzt hat die Frankfurter Müllentsorgerin FES ein Konkurrenzfabrikat getestet. Dessen Name lässt sich nicht ganz so leicht aussprechen: Geesinknorba. Dass es aus Großbritannien kommt, dient nur bedingt als Artikulationshilfe, vereint der Name doch die beiden fusionierten Traditionsfirmen Geesink (Niederlande) und Norba (Schweden).

Aber zur Sache: Zwei Faktoren machen die Maschine zur Kandidatin für die Frankfurter Müllentsorgung: Sie kann a) genauso viel wie die herkömmlichen Dieselfahrzeuge und zwar b) komplett mit Elektroantrieb.

Das verspricht der Geesinknorba Lion Power Pro, zu deutsch: Löwenkraft, ein Dreiachser mit Lithium-Ionen-Batterien. „Wir wollen mehr Fahrzeuge kennenlernen, um die Ausschreibung gezielt für unsere Bedürfnisse formulieren zu können“, sagte FES-Sprecher Stefan Röttele. Beim Bundesverkehrsministerium hat die städtische Gesellschaft eine Förderung beantragt. Der Bescheid wird in Kürze erwartet.

Elf Tonnen Müll oder Wertstoffe kann das Fahrzeug aufnehmen, das ist Standard. Um den Anforderungen einer typischen Frankfurter Entsorgungstour gewachsen zu sein, muss es enge Straßen, viel Stop-and-Go und 800 bis 900 zu ladende Gefäße pro Tag meistern können – mit einer einzigen Batterieladung über Nacht im Heddernheimer Depot.

325 PS bringt der Löwenkräftige auf die Straße und gewinnt beim Bremsen Energie zurück. Die flüsterleise Raubkatze hat aber ihren Preis – den doppelten eines herkömmlich dieselbetriebenen Müllfahrzeugs: 600 000 Euro. Welche Variante die Schnauze bisher vorn hat, die britische oder die schweizerische, darüber gibt es seitens der FES noch keine Auskunft. Die Müllentsorgerin setzt seit 2009 auf Elektromobilität und lässt zurzeit Fahrzeuge auf Stromantrieb umrüsten. Außerdem stehe der Test des erdgas-elektrisch betriebenen Prototyps „Silent Green“ vor dem Abschluss, berichtete der Sprecher. 16 Elektro-Personenwagen und drei Elektro-Nutzfahrzeuge umfasse derzeit der Fuhrpark, 15 Schnellladestationen würden zur Verfügung stehen.

Fördermittel für fünf vollelektrische Müllautos hat die FES beantragt. Leicht zu bekommen seien die Fahrzeuge allerdings nicht, sagte Röttele: „Im Moment suchen fast alle Kommunen danach.“

Von Thomas Stillbauer

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