Nachdenklich am Kaffeetisch: Axel Kaufmann.
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Nachdenklich am Kaffeetisch: Axel Kaufmann. 

Westend / Bockenheim

Leipziger Straße in Frankfurt: „Mit ein paar Blumenkübeln ist es nicht getan“

  • George Grodensky
    vonGeorge Grodensky
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Der Vorsteher des Ortsbeirats 2, Axel Kaufmann, spricht über die Aufwertung der Leipziger Straße, Grillpartys, den Klimawandel und langwierige Stadtplanung.

Es ist ein milder Mittag, mitten im Dezember. Axel Kaufmann zögert kurz. Der Ortsvorsteher des 2ers überlegt, ob er das Interview lieber vor dem Bockenheimer Café führen möchte. Dann fährt ein Laster vorbei, im Donnern beschließt Kaufmann, doch nach drinnen zu gehen.

Herr Kaufmann, der Ortsbeirat 2 hat Ende August den Klimanotstand ausgerufen. Was kann ein ehrenamtliches Gremium gegen den Klimawandel tun?
Natürlich haben wir nur begrenzte Möglichkeiten. Die Resolution ist als Symbol gedacht, wir weisen auf den großen Handlungsbedarf hin. Wir wollen das Thema aber auch aktiv begleiten, wollen Begrünung von Fassaden und Dächern fördern. Den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und des Radwegenetzes. Das fällt nicht in die Befugnisse des Ortsbeirats, wir können aber beraten und womöglich antreiben.

Der Ausbau des Nahverkehrs und der Radwege birgt Konfliktpotenzial, kann der Ortsbeirat vermitteln?
Das versuchen wir. Wir erleben die Konflikte bei uns in den Sitzungen, etwa mit Blick auf die Schloßstraße oder die Bockenheimer Landstraße, in denen Umbauten der Radwege anstehen. Ich hoffe, dass wir Kompromisse finden, damit alle Bürger die Entscheidungen mittragen und akzeptieren.

Axel Kaufmann (CDU) ist seit zehn Jahren Vorsteher des Ortsbeirats 2. Der 46-Jährige wohnt im Westend und arbeitet als Banker bei der KfW.

Der Aufzug, der die U-Bahn-Station Westend barrierefrei machen soll, lässt sich schwer mit dem geplanten Radweg auf der Bockenheimer Landstraße vereinen, viele Bürger warnen vor möglichen Unfällen.
Das ist auch ein Spagat. Wie bringen wir an dieser Stelle die Barrierefreiheit für die U-Bahn-Station, den Berufsverkehr der Pendler und den zunehmenden Radverkehr unter einen Hut? Die Stadt scheint mit der Planung durch zu sein. Die Bürger haben aber dem Regierungspräsidium in Darmstadt nochmals ihre Bedenken zukommen lassen. Dort liegen die Pläne zur Genehmigung.

Konflikte zeichnen sich auch beim Trassenverlauf für die U4-Verlängerung ab.
Wir sind gespannt, was der Verkehrsdezernent im Ortsbeirat präsentiert. Sollte die Strecke unter dem Grüneburgpark verlaufen, wird das sicher Skepsis bei den Bürgern hervorrufen. Die Planung ist nicht einfach. Die Bundesbank soll angebunden werden, es wäre aber auch wichtig, die Universität besser erreichen zu können.

Elmar Fulda, Präsident der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, hat sich ein klares Bekenntnis der Stadt zum Kulturcampus gewünscht. Glauben Sie noch an das Projekt?
Wir waren sehr erfreut, als die Kulturdezernentin Ina Hartwig in den Ortsbeirat gekommen ist und viel Optimismus versprüht hat. Der Architektenwettbewerb für die Hochschule des Landes steht bevor. Das alleine ist ein attraktives Projekt fürs Viertel. Wenn wir dazu noch die anderen Institutionen anbinden, das Ensemble Modern, die Junge Philharmonie, das Frankfurt Lab, die Dance Company, das würde den Wegzug der Universität vom früheren Campus kompensieren.

Der Ortsbeirat 2 ist zuständig für Bockenheim, die Siedlungen Rebstock und Kuhwald, sowie das Westend. Die CDU ist mit fünf Sitzen stärkste Kraft im Gremium, SPD und Grüne haben vier, FDP und Linke zwei Sitze. Die Piraten haben einen Sitz, ebenso die BFF. 

Die nächste Sitzung ist voraussichtlich am Montag, 20. Januar, um 19 Uhr im Saalbau Bockenheim, Schwälmer Straße (Feuerwache). sky

Bleiben wir beim Wünschen. Otto Ziegelmeier von Bockenheim aktiv hätte gerne das Leipziger Straßenfest zurück. Als Werbeplattform für Handel und Gewerbe. Er wünscht sich auch mehr Aufenthaltsqualität auf Straßen und Plätzen. 
Unser Antrag, die Leipziger Straße versuchsweise an Samstagen autofrei zu bekommen, liegt zur Prüfung bei der Stadt. Wenn die Ämter zustimmen, werden wir sehen, ob das der Einkaufsstraße hilft oder nicht. Die Wirtschaftsförderung verhandelt auch mit dem Gewerbeverein, wie die Straße weiter aufzuwerten wäre. Wie das Straßenbild neu zu gestalten wäre. Da ist es mit ein paar Blumenkübeln nicht getan.

Und das Straßenfest?
Es gibt ja kleine Feste, das privat initiierte Weinfest oder das Kufü-Fest auf dem Kurfürstenplatz vom Verein Begegnen in Bockenheim. Vielleicht eröffnen sich neue Möglichkeiten, wenn die Leipziger samstags autofrei ist. Ausstellungen oder Konzerte. Wie groß das wird, ist schwer zu sagen. In einem großen Fest steckt ja auch viel Arbeit, jemand muss die Haftung übernehmen, das können die Gewerbevereine nicht einfach so leisten. Der Ortsbeirat oder die Stadt auch nicht. Wir sind ja keine Party-Agentur.

Apropos Party. Wie beurteilen Sie die Entwicklung im Rebstockpark? Ab Sommer werden sich die Nutzungs-Konflikte sicher wieder hochschaukeln. Wird das Grillverbot kommen?
Wir haben den Magistrat gebeten, etwas zu unternehmen. Das Grillen zu verbieten. Aber auch zu prüfen, ob ein kleines Areal als öffentlicher Grillplatz eingerichtet werden kann. Und mit den Umlandgemeinden Gespräche zu führen, wo in der Region weitere Grillplätze eingerichtet werden könnten. Gäbe es mehr Möglichkeiten, würde das die Lage am Rebstock womöglich entspannen. Wir wollen ja das Angebot im öffentlichen Raum nicht beschränken und Grillen an sich ist nicht verwerflich. Die Besucher müssen pfleglich mit dem Park umgehen. Die Anlieger sollen die Grünflächen nutzen können. Und nicht vor Lärm und Dreck zurückschrecken.

Und es ziehen noch mehr Menschen an den Rebstock. Was benötigen die an Infrastruktur?
Es geht zum Beispiel um die Planungen für den Quartiersplatz. Demnächst will die Stadt Entwürfe präsentieren, die Bürger sollen sich einbringen. Was brauchen wir vor Ort? Ein Café? Versammlungsräume, einen Treff? Geschäfte? Da muss man schauen, dass wir etwas finden, das sich dort auch trägt. Aber wenn viele Leute dorthin ziehen und dazu noch Arbeitsplätze entstehen, ein paar Büros, steigt auch das wirtschaftliche Potenzial.

Auch wegen des Wireless-Festivals klagen die Anlieger über Ruhestörung und hoher Verkehrsbelastung.
Wir müssen darauf achten, die Anlieger nicht über Gebühr zu belasten. Sie sollen im Sommer nicht jeden Abend Halligalli vor der Haustür haben. Andererseits ist das Festival auch ein Angebot. Das Gute ist, dass wir es mit einem professionellen Veranstalter zu tun haben. Wir können darauf dringen, dass es einen Ordnungsdienst geben wird, der seine Aufgabe ernst nimmt, den Verkehr ums Wohngebiet herum leitet. Wichtig ist auch, dass schnell wieder aufgeräumt wird.

Gibt es etwas Neues zum Westbahnhof? Die Sanierung sollte 2019 beginnen, inzwischen verweist die Bahn auf 2021.
Das ist natürlich ärgerlich, es ist eine viel frequentierte Station, der Zustand ist nicht adäquat. Anscheinend reichen die Planungskapazitäten nicht aus, mit dem Ausbau der Main-Weser-Strecke hat die Bahn viel zu tun. Als kurzfristige Verbesserung haben wir die Stadt gebeten, dort wenigstens mehr Fahrradstellplätze zu schaffen. Den Umbau des Westbahnhofs sollte man aber nicht auf ewig verschieben.

Interview: George Grodensky

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