Sonia Quirder in ihrem Laden samt Werkstatt in der Linnéstraße. Monika Müller

Ostend

Frankfurt: Leidenschaftliche Schrauberin

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Zweiradmechanikermeisterin Sonia Quirder verkauft in ihrem Laden nur Falt- und Lastenräder. Besonders gerne ist sie aber in ihrer Werkstatt.

Fahrräder sind Sonia Quirders Leidenschaft. Schon als Kind war sie ständig mit dem Zweirad unterwegs. „Ich wuchs in Kelkheim auf. Da kommt man sonst nicht vom Fleck.“ Im Alter von elf, zwölf Jahren durfte sie sich dann ein erstes Rennrad samt Schutzblechen, Beleuchtung und Gepäckträger zusammenstellen. „Ich war im Himmel“, erinnert sie sich. Ihre Mutter teilte die Begeisterung nicht. „Sie hatte Sorge, dass das Rad geklaut wird.“ Inzwischen ist Sonia Quirder 44 Jahre alt, das Rennrad hat sie immer noch. Und es ist funktionstüchtig. Schließlich ist Quirder Zweiradmechanikermeisterin.

Denn ihr Interesse gilt nicht nur dem Radeln, „ich habe auch schon immer gerne herumgeschraubt“. Mal habe sie den Gepäckträger demontiert, als nächsten waren die Schutzbleche dran. Dinge zu reparieren, habe sie Zuhause gelernt. „Mein Vater hat immer alles selbst gemacht.“ Ihr Lebenslauf führte sie dennoch nicht direkt in eine Werkstatt. Zunächst machte sie eine Ausbildung zur Industriekauffrau und arbeitete im Büro eines Unternehmens in der Schweiz. Als sie nach einigen Jahren wieder zurück nach Deutschland kam, hatte sie keine Lust mehr auf ihren Job. Die Vorstellung, bis zum Ruhestand nur vorm Bildschirm zu hocken, habe ihr nicht gefallen: „Ich wollte etwas ändern.“

Durch einen glücklichen Zufall habe sie dann bei einem Fahrrad-Hersteller in Darmstadt als Mini-Jobberin anfangen können. Irgendwann wollte sie sich aber mehr einbringen – und fing im Alter von knapp 40 Jahren eine Ausbildung zur Zweiradmechanikerin an. Schnell sei ihr klar gewesen, dass sie nicht nur Räder verkaufen wolle, „ich wollte in die Werkstatt“. Dafür habe sie den Meistertitel benötigt. Direkt im Anschluss fing sie deshalb mit der Aufstiegsfortbildung an – 2017 wurde sie als beste Zweiradmechanikermeisterin der Handwerkskammer Rhein-Main 2016 ausgezeichnet.

Mit ihrem Titel in der Tasche arbeitete sie in Darmstadt weiter – den eigenen Laden im Hinterkopf. Nebenbei baute sie sich ein Lastenrad, später eines für eine Freundin – und es wurden immer mehr. „Dann ging alles schnell: Ich wagte den letzten Schritt und machte mich selbstständig.“ Nach längerer Suche wurde sie im Ostend in der Linnéstraße fündig. Im Hinterhof in den Räumen einer ehemaligen Glaserei hat Quirder seit etwa einem Jahr den Werkstatt-Laden [‚kvirder] – nach ihren Nachnamen in Lautschrift benannt.

Ausschließlich Lasten- und Falträder verkauft die 44-Jährige dort. Beide ergänzten sich hervorragend. Quirder ist überzeugt von den Cargorädern. Mit diesen ließen sich Einkäufe ebenso transportieren wie Kinder. Inzwischen hat sie Lizenzen für sieben Hersteller, die bei ihr auch ausprobiert werden können. Denn überzeugen wolle sie niemanden: „Ob ein Rad passt, dass muss jeder für sich selbst entscheiden.“ Die liebste Zeit ist ihr aber die in der Werkstatt, beim Schrauben.

Der Laden[‚kvirder] in der Linnéstraße 27 hat dienstags bis freitags von 12 bis18 Uhr, samstags von 9 bis 15 Uhr geöffnet. Telefon 94 94 34 09, E-Mail werkstatt@kvirder.de

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