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Lehrkräfte schlagen Alarm wegen Überlastung an Frankfurter Schulen

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Lehrerinnen und Lehrer an Gesamtschulen fühlen sich überlastet und haben das dem Kultusministerium angezeigt. Nicht nur die eigene Gesundheit sehen sie gefährdet.

Zu große Klassen, zu wenige Förderlehrerinnen und -lehrer, zu lange Arbeitszeiten, eine gestiegene Anzahl an bürokratischen Aufgaben – die Lehrerinnen und Lehrer der Gesamtschulen fühlen sich überlastet und haben das dem Kultusministerium angezeigt. Und zwar nicht zum ersten Mal. Fünf Fortschreibungen sogenannter Überlastungsanzeigen seien in den vergangenen Wochen eingegangen, sagt Evelin Spyra, Leiterin des Staatlichen Schulamts Frankfurt. Etwa von der Ernst-Reuter-Schule (ERS) II, der IGS Eschersheim, der Otto-Hahn-Schule.

Mit den Überlastungsanzeigen weisen die Personalräte ihren Arbeitgeber darauf hin, dass ihre Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz gefährdet sind. Sie seien nicht in der Lage, ihre Arbeit vollständig und in qualitativ angemessener Weise auszuführen, schreiben etwa die Lehrerinnen und Lehrer der ERS. Dadurch sähen sie nicht nur ihre eigene Gesundheit gefährdet, Schülerinnen und Schüler könnten vor allem nicht mehr die optimale Unterrichtsqualität, Betreuung, Beurteilung und Aufsicht erhalten. „Wir reklamieren hiermit Haftungsfreistellung, falls aufgrund unserer Arbeitsüberlastung Schäden entstehen sollten.“

Hoher Krankenstand

Seitenweise listen die Kollegien in ihren Anzeigen Gründe für die Überlastung auf. Keine angemessene Unterstützung in der Inklusion, Umsetzung von permanent neuen und erweiterten Vorgaben, Mehrarbeit wegen ständiger Dokumentation aller Vorgänge, Zunahme von Beratungsgesprächen. An den Schulen sind laut den Personalräten Folgen der ständigen Überforderung: ein hoher Krankenstand und viele Langzeiterkrankte. Die Schulen fordern daher etwa mehr Förderlehrkräfte und die Reduzierung der Klassenstärke auf 20 Schülerinnen und Schüler, damit alle bestmöglich gefördert und gefordert werden können.

Die Dezernenten des Staatliche Schulamts gingen derzeit mit den Personalräten und Schulleitungen die Punkte in den Anzeigen durch, sagt Spyra. „Es gibt dann Vorschläge von uns, wie Veränderungen herbeigeführt werden können.“ Beispielsweise könnten an Schulen mit einem breiten Nachmittagsangebot Lehrerstunden statt in eine AG in Schulstunden fließen. „Das muss man sich an jeder Schule genau anschauen“, sagt Spyra. Aber klar sei auch: „Das ist alles nicht von heute auf morgen behoben.“

Heizungsanlage defekt  

In den Überlastungsanzeigen tauchen auch Punkte auf, für die nicht das Land, sondern die Stadt als Schulträger zuständig ist. Die Heizungsanlage, die nicht richtig funktioniert, eine unzeitgemäße technische Ausstattung in den Klassenräumen, das Fehlen von Differenzierungsräumen.

Seit im Jahr 2018 fast alle Gesamtschulen Überlastungsanzeigen gestellt hatten, „sitzen wir etwa einmal im Quartal alle zusammen“, sagt Jetta Lüdecke, Referentin von Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD). Ämter, Dezernate, und Schulen beraten, „was wir tun und wo wir nacharbeiten können“. Man nehme das alles sehr ernst, denn „wir sehen mit großer Sorge“, sagt Lüdecke, „an welcher Belastungsgrenze die Gesamtschulen arbeiten“.

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