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Regisseur Raymond Ley (l.) mit Oliver Stokowski, der einen Frankfurter Wirt spielt, der bei der Lehman-Pleite alles verliert.

Film-Preview in Frankfurt

Premiere von "Lehman. Gier frisst Herz"

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Die Film-Preview von „Lehman. Gier frisst Herz“ in Frankfurt erinnert an die Finanzkrise vor zehn Jahren.

Die Eingangshalle der Frankfurt School of Finance & Management füllt sich am Donnerstagabend für die Premiere des ARD-Dokudramas „Lehman. Gier frisst Herz“. Eine fiktive Geschichte über kleine Anleger und Bankangestellte, dazu Zeitzeugen- und Experteninterviews über die Pleite der US-Bank Lehman Brothers 2008.

Die Ausbildungsstätte für zukünftige Manager ist als Aufführungsort perfekt gewählt. Christiane Kauer hat eine Kinokarte im Gewinnspiel der FR gewonnen und erinnert sich gut an die Nachrichtenbilder von damals: „Die Bankmitarbeiter wurden ja von einem Tag auf den anderen vor die Tür gesetzt. Sie mussten ihre Schreibtische räumen und liefen mit Umzugskartons raus auf die Straße.“

Im Film spielt Joachim Król den gutmütigen Bankberater, der seinen langjährigen Kunden nur mit schlechtem Gewissen die Lehman-Papiere verkauft. Mindestens sieben Prozent Rendite brächten sie. Niemand in seiner Bank kann das Produkt richtig erklären, aber von der Chefebene kommt die Anweisung: „Risiken existieren nicht, nur Chancen!“ Vor der Finanzkrise hatten Anleger das Vertrauen, zumindest ihr angelegtes Geld, wenn nicht mehr, zurückzuerhalten. Dass das Angesparte verloren gehen könnte, schien undenkbar.

Matthias Kölle, Student der Wirtschaftspädagogik aus Mannheim, sagt zur Pleite von 2008: „Es zeigte die Verwundbarkeit des Systems. Heute weiß jeder, dass keine Bank ‚too big to fail‘ ist.“ Roland Erdmann hat einen ähnlichen Eindruck vom Image der Banken: „Früher war man stolz, bei der Bank zu arbeiten. Heute schämt man sich. Sogar Azubis werden wieder gesucht, früher war da die Nachfrage größer als das Angebot.“

Seit der Krise seien die Banken viel stärker reguliert, erklärt der Präsident der Frankfurt School, Nils Stieglitz, in der Podiumsdiskussion nach der Filmvorführung. Der Professor sieht jedoch eine Gefahr in der Niedrigzinspolitik, der hohen Verschuldung vieler Unternehmen und der Bildung von Schattenbanken. Er findet es aber mutig, dass die US-Politiker Lehman Brothers damals kein Geld zur Rettung gaben. Das sei ein Signal gewesen, dass Banken auch nur ganz normale Unternehmen seien, die insolvent gehen können.

Diese Einschätzung lässt jedoch die unzähligen Einzelschicksale außer Acht. Damals habe es die sogenannten A- und D-Kunden gegeben, alt und doof, sagt eine Geschädigte im Film. Betroffenen Kleinanlegern fehlte nach der Pleite oft eine Lebensgrundlage, die Rücklage für die Rente oder das hart Ersparte für die Kinder waren verloren.

Bis heute wurden nur 50 Prozent der Betroffenen entschädigt. Opferanwalt Matthias Schröder sieht die Schuld bei den Banken. Die wenigsten Anleger seien von Gier getrieben gewesen. Karl Dannenbaum, Ex-Chef von Lehman Brothers Deutschland, weist die Schuld hingegen von sich. Der Film legt also einen Finger in die Wunde. Hat die Finanzbranche aus der Pleite gelernt oder droht uns vielmehr eine neue, sehr viel schwerwiegendere Krise?

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