„Finissage“ der Lego-Paulskirche.
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„Finissage“ der Lego-Paulskirche.

Lego

Lego-Paulskirche weicht nächstem Projekt

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Das Geschwisterpaar Mader und Knaup hat kleine Helfer bei seinen Nachbauten bekannter Bauwerke.

Das ist ja wieder typisch: Während die alten Bauherren große Worte schwingen, müssen die Kleinen die Abbrucharbeiten erledigen. In diesem Fall ist es kein geringeres Bauwerk als die Paulskirche, aus größtenteils roten Legobausteinen zusammengesetzt, die weichen soll.

Wie viele es insgesamt sind, dazu mehr am Ende dieses Textes. Baudame und -herr kennen Sie aus der Corona-Homestory: Es sind Erika Mader und ihr Bruder Karl Knaup, die natürlich auch fleißig mitgebaut haben.

Schon seit Kindestagen haben die beiden seine Legobausteine geteilt. „Ich habe als Mädchen viel lieber mit Lego gespielt“, berichtet die 71-Jährige. Geschenkt habe es aber immer nur ihr jüngerer Bruder bekommen.

Und vor mehr als zehn Jahren, als die Rödelheimerin zu ihrem 60. Geburtstag entschied: „Jetzt kaufe ich es mir selbst“, da hat das Geschwisterpaar begonnen, große Frankfurter Bauwerke mit den bunten Klemmbausteinen nachzuahmen: Messeturm, Alte Oper, das ehemalige IG-Farben-Haus auf dem heutigen Westend-Campus und den Hauptbahnhof.

Natürlich blieben auch Bauwerke in der Nähe wie das Petrihaus im Brentanopark, der Rödelheimer Wasserturm und die französische Schule im benachbarten Praunheim nicht verschont. Das Reihenhaus im Westen des Quartiers, wo Erika Mader mit ihrem Mann Bernd lebt, wurde ebenfalls in Lego rekonstruiert. Dort ist im ersten Stock auch die Lego-Werkstatt, in der am Samstagmittag der Paulskirchen-Nachbau durch LED-Lämpchen noch in leuchtendem Glanze erstrahlt, aber gleich abgerissen werden soll.

Nachbarkinder  helfen mit

Aber nun kommt heraus, dass das Tandem diese Interpretationen gar nicht alleine erschaffen hat. Beim Reihenhaus und beim Wasserturm vor einigen Jahren waren etwa die mittlerweile groß gewachsenen Nachbarkinder beteiligt.

Bei der französischen Schule halfen die Großnichten Laura und Lena, die dafür extra aus der Nähe von Tübingen angereist waren. Die Schwestern sind am Samstag bei der „Finissage“ auch dabei. Denn sie haben Entscheidendes geleistet.

„Mit ihren kleinen Fingern können die viel besser innen bauen“, berichtet Großtante Mader. Und im Innenraum gab es, außer Oberbürgermeister Peter Feldmann ans Rednerpult zu stellen, einiges zu tun. Die elfjährige Laura sagt: „Ich habe die Orgel gebaut, Stühle in die Nopsis reingedrückt und ein paar Männchen drauf gesetzt“. Die Stühle aufzustellen sei „ein bisschen nervig“ gewesen aufgrund des limitierten Platzes, berichtet sie.

Aber der Spaß am Bau habe selbstverständlich überwogen. Ihre ein Jahr jüngere Schwester Leni hat die Flaggen der 16 Bundesländer innen quasi aufgehängt und die Bäume auf dem Vorplatz aufgestellt, die beim Abbau als erste weichen müssen und in vorbereitete Plastikkisten wandern. Die Mädchen zählen immer 100 Steine in einer Kiste ab, so dass Bauherr Karl Knaup später leichter alles zusammenzählen kann.

Große Wehmut, dass sie ihr eigenes Werk zerstören, ein immerhin 60 Zentimeter hohes Symbol der Demokratie mit einem etwa einen Meter hohen Turm, kommt bei keinem der Erbauer auf. „Lego ist immer einmalig“, sagt Großonkel Knaup. Außerdem benötigt der 68-Jährige die Bausteine, die seine Lebensgefährtin zuhause im Taunus inventarisiert und nach Farben geordnet wegsortiere, um als nächstes das Ferienhaus des Paares in Norddeutschland nachzubauen. Und dafür sind nach Gesamtzählung der abgerissenen Paulskirche am Samstagabend laut Erika Mader „27 636 Teile“ zur neuen, freien Verfügung.

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